Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 318

Kokospalme (s. Farbige Tafel und Tafel 107). 1. Botanisches. 2. Kultur. 3. Verwertung. 4. Anbau in den deutschen Kolonien. 5. Wichtigste Krankheiten und Schädlinge.

1. Botanisches. Die K., Cocos nucifera L., ist eine in den Tropen der ganzen Welt verbreitete Palme, deren eigentliche Heimat nicht mehr mit Sicherheit festzustellen ist. Bis 25 m hoher Baum; Stamm bis etwa 40 cm dick, unverzweigt, namentlich in der Jugend am Grund etwas verdickt. Der Stamm reicht bis 50 cm tief in die Erde, ist auch dort verdickt und über und über mit (bis 8000) Wurzeln von 5-7, seltener bis 11 m Länge besetzt. Die Mehrzahl der Wurzeln verläuft in den oberflächlichen Bodenschichten, die übrigen dringen nach allen Richtungen in den Boden ein. An erwachsenen Bäumen dicht über der Erde zahlreiche Adventivwurzeln. Die Krone der erwachsenen Palme trägt 20 bis 35 Fiederblätter von 3,5-5 m Länge und 1 m Breite; Fiedern etwa 50 cm lang. Blüten eingeschlechtig und einhäusig; an denselben Blütenstandsästen sitzen, über den oberen und mittleren Teil verbreitet, zahlreich die gelben männlichen, am Grunde vereinzelt die größeren, grüngefärbten weiblichen Blüten. Frucht, die "Kokosnuß", eine einsamige Steinfrucht nahezu eiförmig, stumpfdreikantig, Größe je nach Spielart wechselnd; Fruchtschale aus drei ganz verschieden ausgebildeten Schichten bestehend: einer äußeren glatten, häutigen Hülle, einer starken, faserigen Mittelschicht und der etwa 5 mm dicken Steinschale, welche den Samen eng umschließt. (Formen der Früchte bei Preuß, Taf. 5.) Same von einer dünnen, in der Reife braungefärbten Haut umgeben, die dem weißen Fleisch fest anhaftet. Beides zusammen bildet getrocknet die "Kopra" des Handels. Der jugendliche Same ist mit einer farblosen, schwach süßlichen, kohlensäurehaltigen und daher etwas prickelnden, angenehm und erfrischend schmeckenden Flüssigkeit, der sog. "Kokosmilch", erfüllt (Inhalt je nach Größe der Frucht bis über 1/2 1). Mit dem Reifeprozeß verschwindet allmählich die Hauptmenge der Flüssigkeit, unter gleichzeitiger Bildung des Fleisches. Am Grunde der Steinschale sind drei vertiefte Stellen, die "Keimlöcher" sichtbar; in nächster Nähe des einen Keimlochs, in das Fleisch des Samens eingebettet, liegt der Keimling. - Die zahlreichen Rassen und Spielarten der K. unterscheiden sich namentlich durch Größe und Farbe der Früchte, Beschaffenheit und Mächtigkeit der Kopra.

2. Kultur (im einzelnen bei Preuß nachzulesen!). Die Kultur der K. ist an die Tropenzone gebunden. Eine gleichmäßige, ziemlich hohe Temperatur (im Mittel 22-25°) und die Nähe des Meeres sagen ihr besonders zu; doch ist die früher herrschende Ansicht, daß die Kultur nur an den Küsten möglich sei, überwunden. Im allgemeinen steigt die Anbauzone unter dem Äquator nicht über eine Höhengrenze von 750 m Mh. hinaus. Besondere Ansprüche stellt die K. an die Bodenfeuchtigkeit; wo diese von Natur aus nicht in genügendem Maße vorhanden ist, kann Künstliche Bewässerung den Mangel ersetzen. Letzteres gilt auch für unzureichende Niederschläge. Unter normalen Verhältnissen und bei günstiger Verteilung genügt eine jährliche Regenmenge von 1600 mm. Die K. tritt am Meeresstrande bis unmittelbar an die Flutgrenze heran (s. farbige Tafel : Strand mit Kokospalmen); gelegentliche Überflutungen durch Meerwasser schaden ihr nicht. Sie gedeiht auf Böden verschiedenster geologischer Herkunft und petrographischer Eigenart, fordert aber lockere und durchlässige Beschaffenheit und, um gute Erträge zu liefern, ein erhebliches Maß von Nährstoffen. Tiefgründige, sandige, humusreiche Lehme, fruchtbare Alluvien an Flußufern, verwitterter Korallenkalk und vulkanische Verwitterungsböden sagen ihr besonders zu. Schwere, bindige Lehm- und Tonböden sind ungeeignet, steifer, undurchlässiger Ton im Untergrunde ist gefährlich. - Bei Anlage einer Pflanzung sind nur Früchte ertragreicher Rassen und von kräftigen, gesunden Mutterbäumen zu wählen, welche dauernd große Fruchtbarkeit bewiesen haben. (Über Auslegen der Saatnüsse und Auspflanzen der Sämlinge vgl. Preuß.) Die K. ist eine ausgesprochen lichtbedürftige Pflanze. Daher bedarf es im Pflanzungsbestande genügend weiter Zwischenräume. Die Grenzen der Pflanzweiten liegen zwischen 7,5 -auf schlechtem - und 12 m - auf bestem Boden. In Neuguinea gelten 10 m (im Quadrat- oder Dreiecksverband) als die beste Pflanzweite, die nur unmittelbar an der See auf 9 m eingeengt wird. - Es liegt im eigensten Interesse des Pflanzers, wenn er der Palme von früher Jugend an sorgfältigste Pflege zuteil werden läßt. Hierdurch werden Eintritt der vollen Ertragfähigkeit und Höhe der Erträge stark beeinflußt. Ständige Reinhaltung der Pflanzung ist von größter Bedeutung. Schädliche Unkräuter sind zu entfernen; an ihrer Stelle ist eine gesunde Grasnarbe zu schaffen, die im Weidegang vom Vieh ausgenutzt werden kann. Auch Anbau von krautigen Leguminosen zur Gründüngung oder Futtergewinnung ist vorteilhaft. In den ersten vier Jahren kommen andere Zwischenkulturen in Betracht (vgl. Preuß). - Um dauernd ertragreich zu bleiben, bedarf die Palme bald einer Zufuhr von Nährstoffen durch Düngung (Näheres bei Preuß). Erträge. Im 6. Jahre, nach Entwicklung von 24 Blättern, setzt die K. ihre ersten Früchte an; die volle Ertragfähigkeit tritt nicht vor dem 15. Jahre ein. Durchschnittlich liefert dann die K. 50-60 Früchte im Jahr, d. h. bei zweckmäßiger Pflanzweite, guter Pflege und Düngung. In gewissen Gebieten sind höhere Erträge häufig. Ohne künstliche Nährstoffzufuhr lassen die Erträge nach dem 25. Jahre nach. - Erntebereitung. Das wichtigste Produkt der K. für den Welthandel ist die Kopra (s. o.). Sie wird durch Zerschlagen der reifen Nüsse und Herauslösen des Fruchtfleisches gewonnen. Letzteres wird alsbald in Stücke zerschnitten und entweder in der Sonne oder in Trockenapparaten ("Kopradarren") mit künstlicher Wärme getrocknet. (Näheres bei Preuß und Birk). Die Art der Trocknung ist von großem Einfluß auf den Handelswert der Kopra.

3. Verwertung. Die Kopra enthält, je nach Trockenverfahren, 55- 70 % Öl, das Kokosö1, das entweder in den Ursprungsländern oder aber in Europa und Nordamerika hergestellt wird. Es dient zur Seifenfabrikation oder, in gereinigtem Zustande, als "Kokosnußbutter" zu Speisezwecken. In Deutschland unter den Namen "Palmin" und "Kunerol" bekannt; ein Präparat von der Konsistenz der Kuhbutter geht unter dem Namen "Palmona". Die Kokosnußbutter gehört zu den festen Speisefetten; ihr Erstarrungspunkt liegt zwischen 14 und 20,5° C, der Schmelzpunkt der Fettsäuren bei 24,65° C. "Raspelkopra", d. h. das von der braunen Samenhaut befreite, geraspelte und schnell getrocknete Fruchtfleisch wird in steigendem Maße zur Herstellung von Konditorwaren verwendet. -Sonstige Produkte der Kokospalme: Preßrückstände ("Kokosnußkuchen") von der Ölfabrikation, als Düngemittel und Viehfutter verwendet; sie enthalten noch 11- 15% Ö1 und 16-20% Rohprotein. Koir ("Kokosfaser"), aus der fasrigen Hülle der Frucht gewonnene Fasern (s. Kokosfasern), zur Anfertigung von Tauen, Matten, Läufern, Teppichen und Bürsten benutzt; die bei der Koir-Fabrikation bleibenden Rückstände ("coir refuse") geben gutes Streumaterial (s. Kokosfasern). Palmwein (Gewinnung s. d.), in Indien "Toddy", in Ostafrika "Tembo" genannt; aus dem frischen Palmwein werden in Südasien, namentlich auf Ceylon, auch Arrak oder Zucker ("jaggery") gewonnen. Die jungen Blattanlagen des Gipfels werden als "Palmkohl" (s.d.) genossen, die ausgewachsenen Blätter dienen in ausgedehntem Maße zur Herstellung von Matten für Hüttendächer (s. Atap, Makuti). Aus den harten Samenschalen verfertigen die Eingeborenen mancher Produktionsgebiete zahlreiche Haushaltsgeräte und kunstvolle Schnitzarbeiten. Außerdem sind sie wegen ihres hohen Heizwertes als Feuerungsmaterial geschätzt; ihre Asche dient infolge des hohen Kaligehalts (ca. 40%) zur Seifenfabrikation. Endlich findet das Holz alter Stämme mannigfache Verwendung.

4. Anbau in den deutschen Kolonien. Die Kultur der Kokospalme bildet das Rückgrat der Wirtschaft in den Schutzgebieten der Südsee, in Deutsch-Ostafrika spielt sie eine größere, in Togo eine bescheidenere, in Kamerun keine Rolle; für Deutsch-Südwestafrika kommt sie aus klimatischen Gründen nicht in Betracht. Im Jahre 1913 befanden sich unter den Europäerplantagen in Deutsch - Neuguinea (nebst Inselgebiet) rund 29200, in Samoa 4900, in Deutsch-Ostafrika 8200, in Togo 660 ha mit Kokospalmen bebaut. In den drei erstgenannten Schutzgebieten ruht diese Kultur aber auch in nennenswertem Umfange in Händen von Eingeborenen und Farbigen überhaupt. Die Gesamtproduktion der deutschen Kolonien an Kopra im Jahre 1912 betrug rund 33000 t im Wert von 11,7 Mill. M. Davon entfielen auf Deutsch -Neuguinea (mit Inselgebiet) rund 17300, auf Samoa 11200, auf Deutsch- Ostafrika 4200 und auf Togo 163 t.

5. Wichtigste Krankheiten und Schädlinge. a) Pflanzliche Parasiten. Sie treten an Bedeutung hinter den tierischen zurück. Im Bismarckarchipel wird der weit verbreitete Pilz Pestalozzia palmarum den jungen Pflanzen, besonders in den Saatbeeten, gefährlich. In fremdländischen Anbaugebieten der alten und neuen Welt macht sich stellenweise die "Herzfäule", erzeugt durch eine Pythiumart und Bakterien, sehr störend bemerkbar, auf Ceylon seit einigen Jahren auch eine eigenartige Erkrankung der Stämme ("Bleeding disease"), hervorgerufen durch den Pilz Thielaviopsis ethaceticus, und an der Malabarküste eine Wurzelfäule, verursacht durch eine Botriodiplodia. b) Tierische Schädlinge. Unter den Affen, Nachtaffen, Wildschweinen, Eichhörnchen, Stachelschweinen und Fledermäusen findet die K. zahlreiche, mehr oder weniger gefährliche Feinde; in Neuguinea tritt noch der weiße Kakadu hinzu. Allen aber an Bedeutung weit überlegen sind die Feinde aus dem Reich der Insekten, und zwar insbesondere aus der Gruppe der Käfer. Namentlich die Nashornkäfer (mehrere Gattungen aus der Fam. der Dynastiden) sind neuerdings stark in den Vordergrund getreten und haben sogar in verschiedenen Gebieten die Kokoskultur in Frage gestellt, u. a. auf Samoa (vgl. Gehrmann, Friederichs, Zacher). Die Käfer, Männchen und Weibchen. (Abb. bei Preuß und Zacher) dringen durch die Blattscheiden der alten Wedel in die Knospe, die Herzblätter, ein. Sie greifen alsdann die jungen, noch unentfalteten Blatt- und Blütenanlagen an, von denen sie sich ernähren. Nach der Anzahl der eingedrungenen Individuen richten sich der Umfang der Zerstörung und der Grad der Schädigung der Palme. Die Schädigungen können durch Eindringen von Regenwasser in die Fraßgänge und darauf eintretende Herzfäule noch wesentlich vergrößert werden. Die Larven leben in der Erde, in Dung- und Abfallhaufen, sowie in faulenden Palmenstämmen. Als Bekämpfungsmittel dienen: Absuchen und Sammeln der Käfer, Einrichtung von Fanghaufen zur Ansammlung der Larven, Einführung und Züchtung natürlicher Feinde (vgl. Friederichs). Außer den Nashornkäfern kommen namentlich Hirsch- und Rüsselkäfer in Betracht. - Weitgehende Schädigungen, namentlich auf den Karolinen, vorübergehend früher auch in Togo, rufen Schildläuse, die bei starkem Befall zum Absterben der Blätter führen können, hervor. (Über die Bekämpfung vgl. Schwartz, Preuß, Zacher.)

Literatur: Stuhlmann, Beiträge z. Kulturgeschichte von Ostafrika. Berl. 1909. - Preuß, Die Kokospalme und ihre Kultur. Berl. 1912 (mit ausführlichem Literaturnachweis). - Zahlreiche Abhandl. im "Tropenpflanzer" und "Pflanzer", im Philippine Journal of Science und Philippine Agricultural Review (beide mit vielen Abb.). - Birk, Kopraproduktion und Koprahandel in Harms, Probleme der Weltwirtschaft Nr. 15, Jena 1913. -Krankheiten und Schädlinge vgl. Preuß, ferner: Schwartz in Tropenpflanzer 1909, 114 ff. - Gehrmann, Krankheiten und Schädlinge der Kulturpflanzen auf Samoa (Arb. a. d. Ksl. Biolog. Anstalt f. Land- u. Forstwirtsch., Bd. IX, 1913). - Zacher, Die Schädlinge, der Kokospalmen auf den Südseeinseln (ebendaselbst, mit ausführl. Zusammenstellung der früheren Literatur). - Friederichs in Tropenpflanzer 1913 Nr. 11 u. 12.

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