Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 320

Kolanuß (s. Abb. S. 321 u. Tafel 96), Samen verschiedener Arten der Gattung Cola (aus der Familie der Sterculiaceen), einheimisch im tropischen Westafrika, u.a. in Kamerun und Togo. Die beiden wichtigsten Arten sind: 1. C. vera K.-Sch., SierraLeone-K., "große" oder "zweiteilige" K. des Handels; ihre Samen zerfallen in zwei Keimblätter; 2. C. aeuminata (P. de B.) R. Br., die "kleine" oder "vierteilige" K. des Handels; ihre Samen zerfallen in 4-5 Keimblätter. Bei beiden Arten liegen die Samen, zu zwei Parallelreihen angeordnet, in sternförmig miteinander vereinigten, stiellosen Früchten (Balgkapseln); sie sind in frischem Zustande weiß bis kirschrot. Beide K.arten bilden in ausgewachsenem Zustande stattliche Bäume mit reichbelaubter dichter Krone. - C. vera kommt in Togo (Bez. Misahöhe) wild vor und wird in verschiedenen Bezirken der Kolonie von den Eingeborenen in Halbkultur gezogen. C. acuminata findet sich im Kameruner Waldlande häufig wild und in Halbkultur im Graslande. Beide Arten werden auch in Europäerpflanzungen - vorläufig versuchsweise -angebaut. (Ausfuhr aus Kamerun i. J. 1912: 240 t i. W. v. 170000 N.) Die K.nüsse stellen einen wichtigen Handelsartikel für West- und Innerafrika dar; Hauptstapelplatz Lagos (Statistik bei de Wildeman). Ihr Wert wird durch den hohen Gehalt an Koffein und dessen nerven- und muskelanspannende Wirkungen auf den Organismus bedingt. Vielen eingeborenen Völkerstämmen bilden sie - in frischem Zustande gekaut - ein unentbehrliches Anregungsmittel, insbesondere auf Märschen und bei sonstigen körperlichen Anstrengungen. Die K.nüsse finden auch in Europa und Amerika vielfach Verwendung als diätetisches Arzneimittel. Verfälschung geschieht auf den afrikanischen Märkten bisweilen mit der "falschen" oder "BitterK." von Garcinia Cola Heck. Die Abb. auf Tafel 96 zeigt eine Frucht von Cola vera mit der charakteristischen, höckerig aufgetriebenen Oberfläche und der kielförmigen Wulst an der Rückennaht (C. acuminata hat eine gleichmäßig glatte Fruchtschale ohne Kielwulst).

(Abb. S.321)

Literatur: B. Schuchardt, Die Kolanuß in ihrer kommerziellen, kulturgeschichtlichen u. medizinischen Bedeutung. 2. Aufl. Rostock 1891. - Bernegau in Tropenpflanzer 1900, 80, 120; 1904, 353, 559; in Ber. d. Deutsch. Pharmazeut. Gesellsch. 1904.- Warburg in Tropfl. 1902, 626. - Gruner in Tropfl. 1900, 459; 1901, 17; 1904, 192, 550. - Busse in Beih. z. Tropfl. 1906, 222; in Schenck u. Karsten, Vegetationsbilder, IV. Reihe Heft 5. - de Wildeman, Plantes tropicales de grande culture, Bd. I, 281. 1908.

Busse.