Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 325

Kolonialbehörden. Im Sinne des Kolonialbeamtengesetzes und der dieses Gesetz ergänzenden und abändernden Vorschriften ist für die Kolonialbeamten der afrikanischen und Südseeschutzgebiete das Reichs- Kolonialamt, für diejenigen des Schutzgebiets Kiautschou das Reichs-Marineamt als Oberste Reichsbehörde zuständig. Die nach jenen Vorschriften den höheren Reichsbehörden zugewiesenen Befugnisse werden durch die Gouverneure der Schutzgebiete wahrgenommen. Doch wird bei Verfolgung vermögensrechtlicher Ansprüche der Beamten der Fiskus nicht durch die Gouverneure vertreten, sondern es sind in diesem Falle das Kolonial- bzw. Marineamt auch als höhere Reichsbehörden zuständig (§§ 1 u. 2 Ksl. V. vom 3. Okt. 1910 S. 1091). Von dieser Ausnahme abgesehen ist also überall da, wo das RBG. von der "Höheren Reichsbehörde" spricht, der Gouverneur die zuständige Kolonialbehörde. Ein Verzeichnis der übrigen K., wie es auf Grund des § 159 RBG. bezüglich der Reichsbehörden der Ksl. V. vom 27. Dez. 1899 (RGBI. S. 780, mehrfach ergänzt) beigegeben wurde, ist bisher nicht aufgestellt worden, doch enthält § 40 KolBG. Bestimmungen über die Zuständigkeit verschiedener Behörden zur Verhängung von Geldstrafen. Wegen der verschiedenen in den Kolonien bestehenden Behörden s. Zivilverwaltung sowie das alljährlich erscheinende amtliche Handbuch für das Deutsche Reich (Berl., K. Heymann). Die Ksl. V. vom 3. Juni 1908 (RGBI. S. 397) ermächtigt vorbehaltlich besonderer gesetzlicher oder in Ksl. Verordnungen enthaltenen Bestimmungen den RK. (RKA.) zur Einrichtung der Verwaltung in den afrikanischen und Südseeschutzgebieten und zur Übertragung dieser Befugnis an die Gouverneure, in dem gleichzeitig die bis dahin ergangenen Anordnungen bestätigt werden. Durch V. des RK. vom 16. März 1909 (KolBl. S. 361) wurde der Gouverneur von Kamerun ermächtigt, Verwaltungsbehörden neu zu schaffen, zu verlegen und aufzuheben, sofern die erforderlichen Mittel durch die Etatsgesetze bewilligt sind (RErl. vom 15. Aug. 1908, KolGG. S. 353) oder besondere Mittel nicht erforderlich sein werden. Die betreffenden Anordnungen sind im Amtsblatt für Kamerun zu veröffentlichen. Entsprechende Verordnungen ergingen für Deutsch-Neuguinea (15. Mai 1909, KolBl. S. 524), Deutsch- Südwestafrika (18. Jan. 1910, KolBl. S. 117), Deutsch-Ostafrika ( 21. Febr. 1913, KolBl. S. 213). Wegen Kiautschou: Allerh. O. vom 27. Jan. u. 1. März 1898 (KolGG. 4 S. 160 f).

v. König.