Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 338

Kolonialrat. Auf Grund eines Allerh. Erl. vom 10. Okt. 1890 (RGBI. S. 179) war bei der Kolonialabteilung (s.d.) des Auswärtigen Amts als sachverständiger Beirat ein K. errichtet worden. Die Mitglieder wurden nach den Ausführungsverfügungen des RK. vom 10. Okt. 1890 (KGG. 1 4) und 14. April 1895 (KGG. 11155) vom RK. auf 3 Jahre - eine Sitzungsperiode - ernannt und versahen ihr Amt als Ehrenamt. Den Vorsitz führte der Direktor der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts. Der K. hatte sein Gutachten über alle Angelegenheiten abzugeben, die ihm überwiesen wurden und war befugt, über selbständige Anträge seiner Mitglieder Beschluß zu lassen. Eine entscheidende Stimme stand ihm nicht zu. Dem K. sind fast alle wichtigeren Maßnahmen der Kolonialverwaltung zur Begutachtung unterbreitet worden. Die ihm vorgelegten Denkschriften sowie die Protokolle über seine Verhandlungen bilden ein wichtiges Quellenmaterial für die verschiedensten kolonialen Fragen. Der zunehmende Umfang und die Spezialisierung der Geschäfte der Kolonialverwaltung erschwerten indessen mit der Zeit die Verhandlungen. Auch machte sich ein gewisser Gegensatz gegenüber dem Reichstag geltend, in welchem die kolonialkundigen Mitglieder und Interessenten an Zahl zugenommen hatten. Durch Allerh. Order vom 17. Febr. 1908 (RGBL S. 28) wurde daher der K. aufgehoben und bestimmt, daß beim RKA. unter Zuziehung von Sachverständigen Kommissionen gebildet würden, um das RKA. in beratender Weise zu unterstützen. Die bereits früher vom K. begründete "Landeskundliche Kommission", (s.d.) für Zwecke der geographischen Erforschung blieb bestehen, und unter dem 80. Juni 1911 (KolBl. S. 654) ergingen Bestimmungen über die Errichtung einer "Ständigen wirtschaftlichen Kommission" (s.d.) der Kolonialverwaltung zur Begutachtung wirtschaftlicher Fragen. Die Zusammenberufung erfolgt mindestens einmal im Jahre. - v. Stengel (ZKolPol. 1911 S. 261) glaubt, daß diese Kommissionen niemals die Autorität eines richtig zusammengesetzten K.s erlangen werden, und befürwortet die Neuschaffung eines solchen besonders zur begutachtenden Mitwirkung beim Erlaß Ksl. Verordnungen.

v. König.

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