Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 341

Kolonialschulen. Eine K. zur Vorbereitung für eine besondere Kolonialbeamten-Laufbahn, wie sie Frankreich besitzt, besteht in Deutschland nicht. Die Anwärter für den Kolonialdienst hören vor ihrer Entsendung in die Kolonien Vorlesungen am Seminar für orientalische Sprachen (s.d.) in Berlin, am Hamburgischen Kolonialinstitut (s.d.) oder an anderen Anstalten (s. Ausbildung der Kolonialbeamten). Andere Ziele verfolgt die Deutsche Kolonialschule in Witzenhausen-Wilhelmshof a. d. Werra (s. Witzenhausen); sie bereitet in erster Linie praktische Wirtschafts- und Plantagenbeamte, Pflanzer, Landwirte, Viehzüchter sowie Wein- und Obstbauer für die deutschen Kolonien und Ansiedlungsgebiete vor. In entsprechender Weise bezweckt die Kolonial-Frauenschule in Weilbach (s. Weilbach), Reg.-Bez. Wiesbaden, sowie die Kolonial-Haushaltungsschule in Karthaus bei Trier, Frauen und Mädchen, die ihren Erwerb in den Kolonien zu suchen oder sich dort zu verheiraten beabsichtigen, in geeigneter Weise vorzubereiten. Sie ist an die wirtschaftliche Frauenschule in Weilbach angegliedert. Die Ausbildung von Handwerkern für die Missionen erfolgt in der katholischen Schule in Engelport (s. Engelport ). Alle diese Anstalten erhalten Beihilfen vom Reiche. Das Deutsche Institut für Ärztliche Mission in Tübingen (s.d.) bildet Missionsärzte aus. Über die Schulen in den Kolonien selbst s. die betreffenden Artikel. - Was die fremden Kolonialmächte betrifft, so besitzt Frankreich eine K. für Kolonialbeamte in Paris, Holland eine solche zu Delft. Anstalten für die Ausbildung von Kolonisten sind das Colonial College and Training Farms bei Harwich (England) und die Reichsackerbauschule zu Wageningen (Holland).

Literatur: Chailley-Bert, Le recrutement des fonct. col. Paris 1895. - Benecke, Ausbildung der Kolonialbeamten. Berlin 1894.

v. König.