Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 342 ff.

Kolonialwirtschaft. 1. Allgemeines. 2. Die Kolonien als Neuländer. 3. Produktion und Konsumtion der Eingeborenen und der Kolonisten. 4. Klein- und Großbetrieb. 5. Spekulativer Charakter der K. 6. Die Unternehmungsformen.

1. Allgemeines. Aus dem Wesen der Kolonie, als einem von außen beherrschten und verwalteten Gebiete, ergeben sich für ihr Wirtschaftsleben eigenartige Konsequenzen. Dabei ist natürlich nicht zu übersehen, daß bei der großen Verschiedenartigkeit der Gebiete, die wir als Kolonien bezeichnen, allgemeine Sätze immer nur eine beschränkte Anwendbarkeit haben. Vieles, was sich in der älteren Literatur findet, ist aus der Beobachtung reiner Siedelungs- und Einwanderungskolonien (s. Kolonien, Arten der) entnommen, wie sie sich unter den deutschen Schutzgebieten nicht finden. Denn wenn auch Deutsch-Südwestafrika eine Siedelungskolonie ist, so stellt sie diesen Typus doch nicht rein dar, da sie wegen der Anwesenheit und Verwendung der farbigen Bevölkerung eine Mischkolonie ist. Genau genommen zeigt das Wirtschaftsleben in jeder Kolonie eigenartige Züge, die oft nicht einmal in der ganzen Kolonie einheitlich sind. Die deutschen Schutzgebiete sind zum Teil, namentlich Kamerun und Deutsch-Ostafrika, keine einheitlichen Wirtschaftsgebiete. Kiautschou dagegen hat keinen eigenartigen wirtschaftlichen Charakter, sondern ist wirtschaftlich ein Teil des nordchinesischen Wirtschaftsgebietes, das nicht kolonial ist. - Soweit bei dem Kolonialwesen die wirtschaftlichen Interessen des Mutterlandes in Betracht kommen s. Handel und Volkswirtschaftliche Bedeutung der Kolonien für Deutschland.

2. Die Kolonien als Neuländer. Soweit das Wirtschaftsleben der Kolonie selbst in Betracht kommt, ist vielfach für die K. bestimmend, daß es sich um Neuländer handelt, die wirtschaftlich nutzbar gemacht werden sollen, was Aufgaben stellt und Charakterzüge aufweist, die nicht aus dem Wesen der Kolonie als solcher folgen, die aber doch insofern hierher gehören, als koloniale Neuländer sich eben unter dem Einflusse kolonialer Beherrschung und engster Beziehung zu einem Lande älterer Kultur entwickeln. Charakteristisch für Neuländer, zu denen alle deutschen Schutzgebiete außer Kiautschou gehören, ist, daß die Abhängigkeit von den Naturfaktoren, Boden, Klima und Gesundheitsverhältnissen, Entfernungen und Oberflächengestaltung noch bestimmender hervortreten als in alten Kulturländern. Die Macht der tropischen Natur setzt der wirtschaftlichen Kulturentwicklung so große Hindernisse entgegen, daß ohne koloniale Einflüsse eine volle Entfaltung und Nutzbarmachung kaum zu denken ist. Aber auch abgesehen davon, ist der Einfluß der Naturfaktoren so stark, weil Neuländer zunächst ganz Länder der Urproduktion, der Landwirtschaft und Viehzucht sind. Die Überwindung der natürlichen Hemmnisse des Wirtschaftslebens durch die Mittel unserer Technik ist denn auch eine der wichtigsten Aufgaben kolonialer Wirtschaftspolitik: Bewässerung und Entwässerung, Assanierung, die Überwindung der Entfernungen durch Anlage von Verkehrswegen. Haben doch durch die Fortschritte der Hygiene wie der Verkehrsmittel viele Probleme der K. ein ganz anderes Aussehen erhalten. Eigenartig ist allen Neuländern, daß bei ihnen das Verhältnis der Produktionsfaktoren ein anderes ist als in alten Ländern: bei Überfluß von Land, Mangel an Kapital und Mangel an Arbeitskräften, entweder überhaupt oder wenigstens an solchen, wie der europäische Unternehmer sie braucht. Aus dem Mangel an Kapital folgt die Höhe des Zinsfußes, die große Rolle des Kredits, aus dem Verhältnis der drei Faktoren die Extensität des Bodenanbaus. Die Klagen des kolonialen Unternehmers über Mangel an Arbeitskräften können, solange Land im Überfluß vorhanden ist, überhaupt nicht aufhören. Die Tatsache, daß ein Neuland Kolonie ist, führt ihm aber leichter Kapital und Kredit zu, erleichtert die Heranziehung von Arbeitern in gemäßigten Klimaten, die Erziehung der Eingeborenen zur Lohnarbeit in heißen Ländern. Schon Adam Smith hat hervorgehoben, daß in Kolonien der Reichtum sich besonders rasch entwickele. Es ist die Folge davon, daß unsere Kulturgüter, die sich bei uns langsam im Laufe der Jahrhunderte entwickelt haben, die Rechtssicherheit, die Geldwirtschaft, der Kredit, die Unternehmungslust, die technischen Hilfsmittel der Produktion in ihrer Vervollkommnung sofort auf das Neuland angewendet werden. Das Tempo solcher Reichtumsbildung ist freilich sehr verschieden nach der Art des Neulandes, nach dem Charakter der vorhandenen Bevölkerung, den zur Verfügung stehenden Arbeitskräften. Mit der Konzentration von Energie und Kapital hängt auch zusammen die Schnelligkeit der Städtebildung mit ihren eigentümlichen Aufgaben. Tsingtau, im Jahre 1897 ein Fischerdorf, hat 1913 bereits 60000 Einwohner.

3. Produktion und Konsumtion der Eingeborenen und der Kolonisten. Bezeichnend für die K. und die Folge des Überflusses an Land ist, daß sie ganz auf die Urproduktion gerichtet ist. Die gewerbliche Produktion ist wenig entwickelt. Darauf beruht ihre Bedeutung für die mutterländische Industrie, da der Bedarf an gewerblichen Erzeugnissen überwiegend eingeführt werden muß. Während bei den Eingeborenen neue Bedürfnisse entstehen, bei entwickelteren Völkern vielleicht auch alteinheimische Gewerbetätigkeit durch die Konkurrenz der eingeführten billigen Industrieerzeugnisse zurückgedrängt wird (Weberei, Töpferei), bringt der Kolonist die verfeinerten Bedürfnisse der Heimat mit, die nur auf dem Wege der Einfuhr zu decken sind. Daher die bekannte Erscheinung, daß zwar die Kaufkraft der Eingeborenen für fremde Erzeugnisse nur langsam zunimmt und ihre Nachfrage vor allem auf billige Erzeugnisse gerichtet ist, der Kolonist indessen eine relativ große Kaufkraft für verfeinerte Produkte entwickelt und eine sehr hohe Kopfquote eingeführter Waren aufnimmt, wie der Außenhandel von Siedelungskolonien am deutlichsten zeigt. So hatte Deutsch-Südwestafrika mit 15000 weißen und 82000 farbigen Einwohnern (1913) in den letzten Jahren eine Einfuhr von 38 bis 45 Mill. M, so viel wie z. B. Serbien im Jahrzehnt 1897 bis 1906 bei 2,6 Mill. Einwohnern. - Aus dem Eindringen des kolonisierenden Volkes in die Kolonie ergibt sich, daß in der Kolonie kulturell zwei ganz verschiedene Bevölkerungen, zwei Gesellschaften existieren, die durch einen Kulturabstand von Jahrhunderten oder Jahrtausenden voneinander getrennt sind, ein Abstand, der durch den Unterschied der Rasse und Farbe noch betont wird. Auf der einen Seite steht die neue Gesellschaft der Kolonisten, ausgerüstet mit den Hilfsmitteln europäischer Kultur und beherrscht von der wirtschaftlichen Denkweise und dem Gewinnstreben der Neuzeit. Auf der anderen Seite stehen Völker, deren Denkweise beherrscht ist vom Herkommen, die, so verschieden sie sonst sein mögen, gewohnt sind, entweder nur für den eigenen unmittelbaren Bedarf oder wenigstens nur für den Bedarf eines eng begrenzten Kreises zu produzieren, aber nicht für den Absatz auf dem großen Markt, die Lohnarbeit meist bisher nicht kennen, bei denen die gewöhnliche Arbeit, namentlich die auf dem Felde, von Frauen und Sklaven besorgt wird. Aus dem Kontakt der beiden Gesellschaften folgt dann unabweislich die tiefgreifende allmähliche Umgestaltung des einheimischen Wirtschaftslebens, aus der Überlegenheit der europäischen Kultur die Schutzbedürftigkeit der eingeborenen Gesellschaft, dabei aber ihre Unentbehrlichkeit, um in den dem Weißen feindlichen Klimaten diesem zum mindesten die Arbeitskräfte, der mutterländischen Volkswirtschaft aber Konsumenten zu liefern. - Soweit die Eingeborenen in einer Kolonie sich nicht bloß als Lohnarbeiter in der Produktion betätigen, wird ihre Produktion einen anderen Charakter tragen, als die der weißen Kolonisten. Die Eingeborenen arbeiten zunächst für den eigenen Bedarf, dann für den lokalen Absatz und erst allmählich in einigem Umfange für den auswärtigen Markt, und dieser Teil ihrer Produktion ist nur ein kleiner Teil ihrer Gesamterzeugung. Dagegen arbeitet der Kolonist in solchen Kolonien ganz überwiegend für den Verkauf. Er kann und will nicht rein natural-wirtschaftlich existieren. Er produziert vor allem Waren für den Weltmarkt, für die Ausfuhr. In Kolonien mit sich entwickelnder Pflanzungswirtschaft wächst daher der dieser entstammende Anteil verhältnismäßig schnell. In Deutsch-Ostafrika entstammte 1910 über 7 Millionen der Eingeborenenwirtschaft, gegen 5 Millionen europäischer Kultur, 1911 waren es je gut 11 Mill., 1912 schon etwa 12 und 18 Millionen. In den anderen deutschen tropischen Schutzgebieten ist der Anteil der Erzeugnisse europäischer Pflanzungen erheblich geringer, in Kamerun 1912 gegen 4 Mill. M, in Neuguinea rund 2 Mill., etwas mehr in Samoa, in Togo unbedeutend (s. a. Handel).

4. Klein- und Großbetrieb. Eine solche Gegenüberstellung, welcher Teil der Ausfuhr einer Kolonie aus Eingeborenenkulturen, welcher aus der Produktion der Kolonisten stammt, gibt natürlich kein Bild von dem Verhältnis der Gesamtproduktion beider Teile der Kolonialbevölkerung, sondern eben nur von ihrem Anteil an der Außenwirtschaft. Die übliche Art der Kontrastierung von Eingeborenenkulturen und Plantagenwirtschaft entspricht aber überhaupt nicht dem wirklichen Gegensatz. Die Produktion richtet sich bei beiden zu einem erheblichen Teile auf verschiedenartige Erzeugnisse. Der Unterschied ist vor allem der der Unternehmungs- und Betriebsform. Beim Eingeborenen handelt es sich um kleinbäuerlichen Betrieb, bei der Pflanzung um kapitalistischen Großbetrieb. Kleinbetriebe der Kolonisten kommen in Eingeborenenkolonien höchstens vor, wo es sich um die Gewinnung spezieller hochwertiger Erzeugnisse handelt. - Charakteristisch für beide Arten der Produktion pflegt zu sein, daß der kleinbäuerliche Betrieb der Eingeborenen mehr auf die herkömmlichen Feldfrüchte (Zerealien, Ölsaaten, Hackfrüchte) gerichtet ist, der Großbetrieb der Pflanzungen mehr auf neu eingeführte Kulturen. Doch ist die Regel nicht so allgemein, wie sie gelegentlich hingestellt wird. Auch bei den Eingeborenen kann der Anbau neuer Erzeugnisse sich einbürgern (Kakao [s. d.], Baumwolle [s. d.]). Im kapitalstarken Großbetriebe finden sich vor allem solche Kulturen, deren Anbau eine erst nach längerer Zeit Ertrag gebende Kapitalanlage darstellt. Er richtet sich mehr auf die feineren Qualitäten. Er ist vor allem da angebracht, wo maschinelle Aufbereitung nötig ist (z.B. bei Sisalhanf), die der Pflanzungswirtschaft einen halbindustriellen Charakter gibt (man denke an Zuckerrohrpflanzungen). Doch kann die maschinelle Aufbereitung natürlich auch als besonderes Gewerbe betrieben werden und dann auch Eingeborenenkulturen zugute kommen (Baumwollentkörnung). Der Pflanzungsgroßbetrieb ist natürlich abhängig davon, ob die nötigen Arbeitskräfte verfügbar sind, da in der landwirtschaftlichen Produktion deren Ersatz durch Maschinen nur in beschränktem Umfange möglich ist. Dabei handelt es sich nicht bloß um die Zahl der Arbeiter, sondern auch um deren Qualität. Feinere Arbeitsmethoden, die Verwendung empfindlicher Geräte und Maschinen kann dadurch unmöglich werden. Für die Konkurrenz afrikanischer Pflanzungen mit solchen in Südasien ist der niedrigere Kulturgrad der Neger ein beachtenswerter Faktor.

5 . Spekulativer Charakter der K. Da es sich in der K. in so großem Umfange um Produktion für den Weltmarkt handelt, ist auch die Abhängigkeit von der Preisbildung auf dem Weltmarkte bedeutsam, was um so wichtiger ist, je mehr die K. zur Monokultur neigt, zur Konzentrierung aller produktiven Tätigkeit auf die Erzeugung weniger Produkte, die gerade auf dem Weltmarkte gute Gewinnaussichten haben, unter Vernachlässigung selbst der Lebensmittelproduktion, so daß Kolonien trotz Überfluß an Land häufig Lebensmittelimport haben, ein Zustand, der in allen deutschen Schutzgebieten besteht (s. a. Handel u. den Abschn. Handel unter den einzelnen Kolonien). Auch ohne solche Einseitigkeit der Produktion geben die für koloniale Rohstoffe sehr heftigen Preisschwankungen, ebenso wie die natürliche Gefährdung der Erträge durch Schädlinge, Wetter usw. stark schwankende Gelderträge, und damit erhält die K. jenen bekannten stark spekulativen Charakter, der sich auch in der Psychologie des Kolonisten, dem Wagemut, der Beweglichkeit, dem Spekulationsgeiste zeigen. Ist doch überhaupt die Unstetigkeit der Kolonistenbevölkerung, das dauernde Kommen und Gehen, die Häufigkeit des Besitzwechsels, selbst in Siedelungskolonien, ein Kennzeichen kolonialen Lebens.

6. Die Unternehmungsformen. Alle K. setzt voraus, daß der Kolonie Kapital zugeführt werde. Das Risiko solcher Kapitalanlage steht den möglichen großen Gewinnen hemmend gegenüber. Daher die Bedeutung von kapitalistischen Unternehmungsformen, bei denen das Risiko der Kapitalisten begrenzt ist. Die Aktiengesellschaft ist direkt aus kolonialen Unternehmungen entstanden, wo der Staat das erste Risiko nicht tragen wollte, sowohl die italienische Maona des späteren Mittelalters, wie die ostindischen Gesellschaften der Niederländer und Engländer und deren Nachfolger im 17. Jahrh. In der Gegenwart hat das aber viel größere Bedeutung erlangt. Auch staatliche Kapitalzufuhr, vor allem für Verkehrsanlagen (Eisenbahnen, Hafenbauten usw.), hat eine früher unbekannte Ausdehnung gewonnen. Für die wirtschaftliche Privatunternehmung ist in einst ganz unbekanntem Maße die Kapitalsgesellschaft der Weg der Kapitalzufuhr geworden. Wenn bei uns der landwirtschaftliche Betrieb regelmäßig auf der Einzelunternehmung beruht, so ist das bis zu einem gewissen Grade in dem Teile der kolonialen Landwirtschaft der Fall, der der unserigen am meisten ähnelt, dem sog. Farmbetriebe, der in erster Linie auf Zerealienbau und Viehzucht gerichtet ist. Aber bei der letzteren tritt für ganz große Betriebe in der K. doch die Gesellschaftsunternehmung hervor. Bei den Pflanzungsbetrieben steht sie ganz im Vordergrunde, sei es, daß die Unternehmungen von vornherein diese Form haben, sei es, daß Einzelunternehmungen in sie umgewandelt werden, was in spekulativ angeregten Zeiten massenhaft geschieht, wie auch in den deutschen Schutzgebieten 1910 zu beobachten war. Diese Tendenz der Umwandlung vom Einzel- zum Gesellschaftsbetriebe entspringt sowohl persönlichen Motiven (dem Wunsche, Gewinne zu realisieren, sich in der Heimat zur Ruhe zu setzen, auch das Eintreten des Erbganges kommt in Betracht), wie den wirtschaftlichen nach Vergrößerung des Betriebes und Vermehrung des Kapitals. Daß die hier besonders große Gefahr der Überkapitalisierung bzw. Verwässerung des Kapitals ebenso ein häufiger Grund späterer Unrentabilität ist, wie übermäßige Gründungskosten und Gewinne, darf nicht unerwähnt bleiben. - Schon ihrer Natur nach haben größere bergbauliche, Transport- und Bankunternehmungen von Hause aus die Form der Gesellschaft. Daß durch solche Formen der ihrem Wesen nach spekulativ-riskanten K. Kapital mit größerer Leichtigkeit zugeführt werden kann, ist ebenso wichtig für diese, wie es nicht ohne Gefahr gewissenlosen Mißbrauches ist. Der spekulative Charakter zeigt sich regelmäßig in dem starken Schwanken der Dividenden. Die große Zahl von in den deutschen Schutzgebieten tätigen Gesellschaften, welche keine Dividende geben, hat natürlich zum Teil ihren Grund darin, daß viele Unternehmungen erst im Entwicklungsstadium sind. Von 82 größeren Kolonialunternehmungen gaben in dem guten Jahr 1912 nur 42 eine Dividende, 7 weitere Wiesen wenigstens einen Gewinn auf, 33 hatten keinen Gewinn. Aber im Vorjahre waren es noch 45 gewesen. - Die Gesetzgebung steht dauernd im Konflikt, daß auf der einen Seite möglichste Erleichterung der Zuführung von Kapital gefordert wird (Forderung der Kleinaktie [s. d.]), auf der anderen die dadurch mögliche Unsolidität von Gründungen mit nachfolgender Schädigung des Publikums und Diskreditierung der K. gefürchtet wird. Um jener Forderung zu genügen und die strengen Formen des deutschen Aktienrechtes zu mildern, ist die Form der Kolonialgesellschaft (s. d.) geschaffen. Noch größerer Beliebtheit erfreut sich aber die erst später entstandene Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Diese Form ist freilich (mangelnde Prüfung des Gründungsvorganges usw.) nicht unbedenklich, sobald der Kreis der Gesellschafter groß ist und unkundige Personen umfaßt. Mit der Erschwerung der Übertragung der Anteile weiß sich dagegen der Verkehr abzufinden. - Es liegt im Wesen der Kapitalsgesellschaft, daß sie Beamtenbetrieb mit deren bekannten Schattenseiten ist. Für Unternehmungen in tropischen Kolonien aber hat das die große Bedeutung, daß der aus klimatischen Gründen wünschenswerte Wechsel des Personals, auch der Betriebsleiter, leichter möglich ist. Auch dies fördert die Anwendung der gesellschaftlichen Form der Unternehmung. Der Besitzer der Pflanzung ist heute ohnehin viel weniger als früher geneigt, sich dauernd in der Kolonie aufzuhalten, wie die Erfahrung älterer Pflanzungskolonien zeigt.

Literatur: S. a. Kolonialpolitik u. die wirtschaftlichen Verhältnisse unter den einzelnen Schutzgebieten. Hier wäre die ganze kolonialpolitische Literatur zu erwähnen. Grundsätzliche Untersuchungen über das Wesen der K. hat zuerst Edward G. Wakefield (Letter from Sydney, 1829, The art of colonization 1849) angestellt und damit die ganze weitere Theorie beherrscht, wie sich an älteren Werken von Merivale, Roscher, Paul Leroy-Beaulieu zeigt. Die neuere Literatur ist arm an grundsätzlichen Untersuchungen. Feine Beobachtungen bei J. Harmand, Domination et Colonisation, 1910. Das meiste muß man sich aus der periodischen Literatur zwammensuchen. Viel Lehrreiches in den Verhandlungen des D. Kolonialkongresses 1902, 1905, 1910. Rathgen.