Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 346

Kolonialwirtschaftliches Komitee, gemeinnützige Organisation zum Zweck der wirtschaftlichen Hebung der Schutzgebiete. Begründet 1896. Sitz in Berlin. Das K. K. verfolgt insbesondere folgende Ziele: 1. Förderung der Rohstoffproduktion in den Kolonien im Interesse der heimischen Industrie und Volksernährung; 2. Steigerung des Absatzes heimischer Industrieerzeugnisse, namentlich von solchen der Maschinenindustrie in den Kolonien; 3. Ausbau des Verkehrs mit und in den Kolonien, insbesondere des Eisenbahnnetzes daselbst; 4. Förderung der Ansiedlung von Deutschen in den Schutzgebieten. Seit seiner Begründung ist das K. K. vielseitig anregend und organisatorisch tätig vorgegangen. Zahlreiche wissenschaftliche und wirtschaftliche Studienreisen von Fachmännern nach fremden Ländern sind auf Rechnung oder mit finanzieller Unterstützung des K. K. ausgeführt worden, nicht minder zahlreiche wirtschaftliche Erkundungen und technische Vorarbeiten in den Kolonien selbst; die heimische Maschinenindustrie wurde von ihm mit Erfolg angeregt, sich der Herstellung spezieller, für die tropische Landwirtschaft gebrauchter Maschinen zu widmen. Auf persönliche Initiative seines Vorsitzenden Karl Supf (s.d.) hat das K. K im 1. Dezennium dieses Jahrhunderts die Einführung bzw. Ausbreitung der Baumwollkultur in den Schutzgebieten betrieben (s. Baumwolle) und sich hierin große Verdienste erworben. - Seit 1897 erscheint als Organ des Komitees die von den Vorstandsmitgliedern O. Warburg (s.d.) und F. Wohltmann (s.d.) herausgegebene Zeitschrift für Tropische Landwirtschaft, "Der Tropenpflanzer", die sich inzwischen eine führende Stellung unter den Fachzeitschriften gleicher Richtung erworben hat und auf allen Gebieten der kolonialen Landwirtschaft belehrend und anregend wirkt; die in zwangloser Folge erscheinenden "Beihefte zum Tropenpflanzer" bringen umfangreiche Abhandlungen über spezielle Themata und Reiseberichte. Ferner hat das K. K größere Einzelwerke auf kolonialwirtschaftlichem Gebiet herausgegeben und durch mannigfache populäre Schriften zur kolonialen Aufklärung und zur Belebung des kolonialen Gedankens in weiteren Kreisen beigetragen. Ebenso durch kolonialwirtschaftliche Ausstellungen. Ständige Kommissionen des Komitees für spezielle Fragen bestehen in der Kolonialtechnischen Kommission, der Baumwollbau-Kommission und der Kautschuk- Kommission. Die Verhandlungen dieser Kommissionen erscheinen in gesonderten Heften. Das im Jahre 1909 bei der Geschäftsstelle in Berlin eingerichtete "Kolonialwirtschaftliche Archiv" enthält und sammelt Auskunftsmaterial über Erwerbsgesellschaften in den Schutzgebieten. Zu Unterrichtszwecken gibt das K. K. für Höhere Schulen und Volksschulen eigens zusammengestellte Sammlungen kolonialer Rohstoffe ab. Endlich vermittelt es den Bezug von Saatgut und wissenschaftliche und technische Gutachten über Rohstoffe und andere Erzeugnisse der Schutzgebiete. -Von der Behandlung kolonialpolitischer Fragen hält sich das K. K. fern. Seit 1902 steht es unter dem Namen "Wirtschaftlicher Ausschuß der Deutschen Kolonialgesellschaft" dieser Gesellschaft als beratende Instanz in wirtschaftlichen Fragen zur Seite.

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