Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 352

Kongo. An dem K., der nächst dem Nil der längste Strom Afrikas ist, hat Kameruns Südosten Anteil. Er entsteht aus den Quellflüssen Lualaba und Luapula unter 12° s. Br. und, nachdem er in großem Bogen den 2° n. Br. überschritten hat, mündet er bei 6° s. Br. in den Atlantischen Ozean. Unter dem Äquator tritt er durch die Stanley-Fälle in das urwaldbestandene K.becken, in dem er sich zu einem Netz von Flußarmen mit Inseln und wandernden Sandbänken erweitert und eine Anzahl von zum Teil gut schiffbaren Nebenflüssen erhält. Von diesen ist der bedeutendste der Ubangi (s.d.), der dem K. etwas südlich vom Äquator von Norden zutrömt. An seiner Mündung liegt die franösische Station Liranga. Sein Mündungsgebiet ist mit dem des Ssanga, mit dem Likuala-Essubi (s.d.) oder Grünen Likuala und dem Likuala-Mossaka (s.d.) eng verflochten. Die Ufer des K. bieten hier nicht eine markante Linie, sondern sind in ein Gewirr von Inseln aufgelöst, und die Nebenflüsse sind bis hoch hinauf durch Nebenarme verbunden. Das ganze Gebiet ist so eben, daß es bei Hochwasser einem See gleicht, der wegen der ungünstigen Abflußverhältnisse nur sehr langsam zurücktritt. Große Strecken aber bleiben auch dann versumpft. Weiter erhält der K. von rechts die Alima, N'Keni und Lefini und bricht bei 4° s. Br. durch das westafrikanische Randgebirge. Vorher wird er zu einem weiten See, dem Stanley- Pool, aufgestaut. Am Ausfluß des K. aus diesem See liegt auf französischer Seite Brazzaville, auf belgischer Leopoldville. - Nach vielverschlungenem und kataraktenreichem Laufe fällt der K. mit einer breiten Trichtermündung ins Meer. Der Unterlauf bietet der Schiffahrt unüberwindliche Hindernisse. Die Dampfer gehen von dem Seehafenplatz Banana und San Antonio nur bis Matadi, von dort an ist der Verkehr auf die belgische Eisenbahn Matadi- Leopoldville angewiesen (s. Kongobahnen). Vom Stanley-Pool bis zu den Stanley-Fällen kann die Dampfschiffahrt das ganze Jahr ungehindert stattfinden, und es besteht ebenso wie auf den Nebenflüssen ein regelmäßiger Dampferdienst, auf den letzteren nur zu gewissen Zeiten des Jahres (s. Ubangi, Ssanga, Likuala). Der schiffbare Teil des K. ist 2000 km lang, und ein ebenso großer Teil entfällt auf die gesamten Zuflüsse auf deutschem Gebiet. Durch das Marokkoabkommen (s. Erwerbung der deutschen Kolonien 3) hat Kamerun das Ufergebiet zwischen der Mündung des Ssanga und Likuala-Mossaka erhalten, doch soll die Strecke 12 km nicht übersteigen. Infolge der geschilderten Überschwemmungen ist das Gebiet für den Anbau unbrauchbar, außerdem sehr ungesund und nur wegen des unmittelbaren Anteils am K.strom wertvoll. Die vorher französische Niederlassung Bonga soll fast das ganze Jahr im Wasser stehen und der dauernde Aufenthalt für Europäer dort fast unmöglich sein.

Passarge-Rathjens.