Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 356

Konkomba, ein in Nordtogo weitverbreiteter Volksstamm, der ein Gebiet einnimmt, welches zwischen Bassari, Bitjem und dem eigentlichen Dagombagebiet im Süden, dem Kumongugebiet, dem eigentlichen Tschokossigebiet und dem Mobagebiet im Norden gelegen ist. Politisch sind die K. nicht geeint, vielmehr teilweise von politisch besser organisierten Völkern, vor allem von den Tschokossi (s.d.) und den Dagomba (s.d.) unterworfen. Sie wohnen in zerstreut liegenden Gehöften. Jedes Gehöft besteht aus einer Anzahl runder Lehmhütten, welche mit kegelförmigen, aber flachen Grasdächern gedeckt sind; die Hütten eines Gehöftes sind durch Lehmmauern miteinander verbunden und schließen so den Hofraum ein, in den man nur durch eine Eingangshütte gelangen kann (s. Tafel 109); je ein Gehöft wird von einer Familie bewohnt. Ein Komplex solcher Gehöfte bildet ein Dorf; wahrscheinlich sind die Dorfschaften aus den Verzweigungen der Familie hervorgegangen. Die dichtesten Siedelungen befinden sich am mittleren Oti bzw. in dessen Nähe; es sind dies die Landschaften Gnani (mit Dagombaelementen durchsetzt), Demong, Kutja, Tschopowa, Sanguri, Nambiri (mit Tschokossielementen durchsetzt) und Uadja. Die K. sind Ackerbauer und Viehzüchter. Im K.Gebiet ist sehr verbreitet ein schwarz- und weißgeflecktes Rind, welches wahrscheinlich ein Kreuzungsprodukt zwischen der in Togo heimischen kleinen, schwarzen Rinderrasse und einer aus dem Norden kommenden, hellen größeren Rasse ist. Dieser Rinderschlag ist K.-Schlag benannt worden (s. Tafel 110). Der Ausbreitung der europäischen Herrschaft haben sie stellenweise heftigen Widerstand entgegengesetzt. Ihre Hauptwaffe sind Pfeil und Bogen (s. Tafel 109). Ethnologisch gehören sie der Gurmagruppe an (s. Togo, 8. Bevölkerung). Das Wort K. ist wahrscheinlich eine Entstellung der einheimischen Bezeichnung Kokpunkpaon für das Land oder Kpunkpam für das Volk der K. Das K.gebiet ist in der Hauptsache typische Baumsteppe. - Bemerkenswert sind die im K.-gebiet zahlreich vorkommenden kunstvoll oft mehrere Meter tief durch Felsen gehauenen Brunnenlöcher; diese haben eine zylindrische Form und sind so weit, daß ein Mann hindurchschlüpfen kann. Die jetzige Generation kann über die Entstehung der Brunnenlöcher keine Auskunft erteilen. Sie sind wahrscheinlich sehr alten Ursprungs und vermutlich von einem Volk mit ziemlich hochstehender Kultur hergestellt worden.

Literatur: Dr. Asmis, Die Stammesrechte des Bezirkes Sansane-Mangu, in Zeitschr. f. vergl. Rechtswissenschaft, Bd. XXVII, Stuttg. 1912. - B. Groh, Sprachproben aus zwölf Sprachen des Togohinterlandes, in Mitt. d. Orient. Sem, 1911. -, Dr. R. Fisch, Nord-Togo und seine westliche Nachbarschaft. Basel 1911. - L. Frobenius, Auf dem Wege nach Atlantis. Berlin Charlottenb. 1911. - Graf Zech, Land und Leute an der Nordwestgrenze von Togo, in Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1904.

v. Zech.