Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 360

Konzessionsgesellschaften. K. in den Schutzgebieten sind Gesellschaften, denen seitens der Kolonialverwaltung das Recht verliehen worden ist, in bestimmten, mit festen Grenzen bezeichneten Gebieten wirtschaftliche Werte allein unter Ausschluß anderer Personen aufzusuchen und auszubeuten. In einigen Fällen (South African Territories; Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika) ist das Recht von Häuptlingen verliehen und von der Kolonialverwaltung anerkannt worden. Die wirtschaftlichen Werte können ganz verschiedenartig sein (s. Landgesellschaften, Landkonzessionen, Bergrecht, 3. Konzessionen). - Zurzeit bestehen in den deutschen Schutzgebieten folgende K.: .Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft, 2. South African Territories, 3. Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika, 4. Neuguinea- Kompagnie, 5. Jaluitgesellschaft, 6. South West Africa Company, 7. Kaoko Land- und Minen-Gesellschaft, Irangi- Syndikat, 9. Lindi-Schürfgesellschaft m.b.H., 10. Gibeon Schürf- und Handelsgesellschaft m.b.H., 11. Deutsche Südsee-Phosphat-Aktiengesellschaft, 12. Hanseatische Minengesellschaft, 13. Diamanten-Regie, 14. Pomona - Diamantengesellschaft, 15. Compagnie de la Ngoko-Sangha, 16. Compagnie française du Haut-Congo, 17. Compagnie Forestière Sangha-Oubangui. - Den K. kann jede Gesellschaftsform eigen sein; so kommen neben der Kolonialgesellschaft Aktiengesellschaften, Gesellschaften mit beschränkter Haftung, sowie auch ausländische Gesellschaftsformen vor. Die K. traten zuerst in der Gestalt der mit Hoheitsrechten ausgestatteten Kolonialgesellschaft auf, so z.B. die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft, die NeuguineaKompagnie, die Jaluitgesellschaft. Als mit der fortschreitenden Entwicklung der deutschen Kolonialpolitik die bestehenden Hoheitsrechte abgelöst wurden, wurde diesen Gesellschaften gleichwohl das Recht auf ausschließliche Ausbeutung bestimmter wirtschaftlicher Werte belassen. So hat die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft die Berechtigung, soweit bis 31. Dez. 1935 in ihren früheren Gebieten Eisenbahnen gebaut oder konzessioniert werden, in dem fünften Teil des 50 km breiten Landstreifens rechts und links von den Linien Herrenloses Land zu okkupieren. Die Neuguinea - Kompagnie hat das ausschließliche und zeitlich nicht beschränkte Recht auf Gewinnung von Edelmetallen und brennbaren Mineralien im Flußgebiet des Ramu bis zu dessen Wasserscheide, jedoch nur südlich des 5. Breitengrades. Der Jaluitgesellschaft ist das ausschließliche Recht verliehen, die im Schutzgebiet der Marshallinseln vorhandenen Guanolager gegen bestimmte Zahlungsansprüche des Landesfiskus, die nicht erhöht werden dürfen, abzubauen. Abgesehen von diesen Kolonialgesellschaften mit Hoheitsrechten wurde seit Beginn der 1890er Jahre eine Reihe weiterer Konzessionen, durch welche Land und Bergrechte verliehen wurden, einer Anzahl von Gesellschaften gegeben. Der Grund hierfür war der, daß bei der großen Zurückhaltung des heimischen Privatkapitals durch Verleihung weitgehender Rechte die Kapitalinvestierung in den Schutzgebieten gefördert werden sollte. Dabei wurden auch nichtdeutschem Kapital sehr weitgehende Konzessionen erteilt. Die bekannteste dieser Konzessionen ist die im Jahre 1892 verliehene Damaralandkonzession, die sich jetzt im Besitze der South West Africa Company befindet. Schließlich ist in der neuesten Zeit eine Reihe von K. durch den Kongovertrag mit Frankreich vom 4. Nov. 1911 für die deutsch gewordenen Teile FranzösischÄquatorialafrikas von der deutschen Regierung übernommen worden. - Die K. haben im Wirtschaftsleben der Kolonien eine verschiedenartige Rolle gespielt. Im allgemeinen haben sie die Hoffnungen, die man hinsichtlich der wirtschaftlichen Erschließung auf sie setzte, nicht erfüllt und sind zum großen Teil den ihnen durch die Konzessionsbedingungen auferlegten Pflichten nicht nachgekommen. Vielfach haben sie auch nicht über die genügenden Kapitalien hierzu verfügt. Bei der weiteren Entwicklung der Schutzgebiete erwies sich auch die Vergebung so bedeutender Rechte, besonders der Landrechte, für die Ausbreitung des freien Handels und der Besiedlung außerordentlich hinderlich. Das bewirkte, daß die Kolonialverwaltung schon seit einiger Zeit an die Ablösung der K., soweit es möglich war, herangetreten ist und ihnen an Stelle ihrer Ausbeutungsrechte Kronland zu freiem Eigentum überwiesen hat. Dies war besonders in Kamerun der Fall bei der Ablösung der Konzession der Gesellschaft Südkamerun und vier französischer K. Für die Zukunft dürfte die Ära der K., soweit sie sich nicht lediglich mit der Ausbeutung bergbaulicher Produkte befassen, für die deutschen Schutzgebiete vorüber sein.

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