Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 361 f.

Kopale (s. Tafel 108). 1. Herkunft und Namen. 2. Die ostafrikanischen K. 3. Westafrikanische K. 4. Die südamerikanischen K. 5. Die malaiischen K. 6. Kaurikopal. 7. Verwertung.

1. Herkunft und Namen. K. (auch Kopalharz oder Gummikopal genannt) sind Harze (s. d.), deren Stammpflanzen durch Naturereignisse in großen Mengen gefällt und von Erde überschüttet worden sind. Während des langen Lagerns unter der Erde sind die Bäume meist zerstört, die Harze dagegen nur in ihren Eigenschaften umgewandelt worden. Die besten K. werden meist allein im Boden ohne andere Reste der Stammpflanze gefunden. Man bezeichnet sie als recent-fossil. Sie nähern sich in ihren Eigenschaften dem Bernstein, d. h. sie sind hart, schwer löslich und schwer schmelzbar. Weichere K. werden meist Anime genannt, ein Ausdruck, der in England für alle K. gilt. Aus dem Vorkommen der K. erklärt sich, daß die Kenntnis der Stammpflanzen eine recht unvollständige sein muß. K. werden fast in allen Erdteilen gefunden und zwar in mehr oder weniger großen Lagerstätten unter der Erde. Man teilt sie nach ihrer geographischen Verbreitung ein. Allerdings ist durch die Handelswege häufig die Bezeichnung verändert und die eigentliche Herkunft verwischt worden. So lassen sich ostafrikanische, westafrikanische, südamerikanische, - indomalaiische und Südsee-K. unterscheiden.

2. Die ostafrikanischen K. werden in dem ganzen tropischen Küstenstrich und auf Madagaskar gefunden. Sie werden je nach der Herkunft als Mozambique-, Madagaskar-, Inhambane-, Lindiusw. Kopal, infolge der Verschiffung über Sansibar oder Indien auch als Sansibar- oder Bombaykopal in den Handel gebracht. Die Abstammung dieser K. ist bekannt. Es ist ein hülsenfrüchtiger Baum, Trachylobium verrucosum, der früher große Wälder gebildet haben muß und auch heute noch in dem genannten Gebiet verbreitet ist. Man findet die besten dieser K. in vegetationsarmen Gegenden, häufig an Stellen, die mit leichterem Sandboden bedeckt sind, in Tiefen bis zu 1 m. Der Sandboden scheint besonders geeignet zur Umwandlung der frischen Harze zu sein. Es lassen sich drei Sorten ostafrikanischer K. der Qualität nach unterscheiden, zunächst der eigentliche K., Sandarusi, der an den eben beschriebenen Stellen gefunden wird und die besten Eigenschaften besitzt, zweitens K., die in der Nähe von lebenden Kopalbäumen flach im Boden vorkommen, sie sind jünger und weicher als die vorige Sorte und werden Chakazzi genannt, und schließlich der Baumkopal (Sandarusi ya m'ti), der direkt von den Bäumen gewonnen wird. Die erstgenannte Sorte gehört zu den besten K., die es überhaupt gibt. Sie besteht gereinigt aus bernsteinähnlichen Stücken, die eine gänsehautähnliche Oberfläche besitzen. Entsprechend dem Vorkommen sind diese K. meist mit einer Sandschicht inkrustiert, die erst durch kräftiges Waschen in laugehaltigem Wasser entfernt werden muß, um die geschilderten Eigenschaften zu zeigen. Diese K. enthalten, ähnlich dem Bernstein, gelegentlich auch Einschlüsse von Insekten und anderen kleinen Tieren, die diese Stücke zu besonderen Sammlungsgegenständen machen. Der Schmelzpunkt dieser auch reife K. genannten Sorte liegt zwischen 160 und 360°. Die zweite Sorte schmilzt bereits bei 140 und 160°. Der Baumkopal ist weich und hat einen mehr harzähnlichen Charakter. Auch die Früchte der K.bäume enthalten in der Fruchtwand größere, harzführende Hohlräume. Man ist dem Gedanken näher getreten, diese Früchte zu exportieren und sie in Europa auszubeuten, bis jetzt aber ohne nennenswerte Ergebnisse. Der Harzgehalt ist einmal im Verhältnis zur Masse viel zu gering und ferner das Harz selbst in diesem Entwicklungszustand so wenig kopalähnlich, daß es als Kopalersatz nie in Frage kommen kann, sondern höchstens nur für andere Harze. Von der deutsch-ostafrikanischen Küste kam 1913 etwa die Hälfte des in Hamburg importierten ostafrikanischen K., nämlich 268 dz für etwa 67550 M. Das übrige kam in der Hauptmenge über Sansibar; der Rest von Madagaskar und den anderen Küstenstrichen.

3. Westafrikanische K. werden an der ganzen Küste von Sierra Leone bis nach Angola gefunden und meist nach den Herkunftsländern bezeichnet. Die Abstammung steht noch nicht für alle Gebiete sicher fest. Für Sierra Leone soll es Copaifera Guibourtiana sein, für die anderen Gebiete sind es wahrscheinlich andere Copaiferaarten. Diese K. sind glashell, von weißer, hell- bis dunkelgelber Farbe und von sehr verschiedener Größe, meistens unregelmäßige Stücke von wenigen Zentimetern bis zu kindskopfgroßen Klumpen. Oft sind sie auch, wahrscheinlich durch Bewegung im Wasser, fast rund und werden dann Kieselkopale genannt. Die meisten westafrikanischen K. kommen aus Angola, wo aber auch Kongokopale aufbereitet werden. Kamerun liefert ebenfalls etwas K. In der Qualität kommen die westafrikanischen K. hinter den ostafrikanischen, erreichen aber an Härte und hoher Schmelzbarkeit dieselben bei weitem nicht.

4. Für die südamerikanischen K. werden in der Literatur eine Reihe von Pflanzen aus verschiedenen Familien genannt, es steht aber bis jetzt nur der hülsenfrüchtige Baum Hymenaea Courbaril als Quelle des größten Teiles der Handelsware mit einiger Sicherheit fest. Der Baum ist mit den anderen kopalliefernden Pflanzen Trachylobium und Copaifera nahe verwandt. Diese K. werden meist an den Bäumen oder an den Wurzeln gesammelt, seltener gegraben. Für den europäischen Handel spielen sie mit Ausnahme von England, wo sie "amerikanische Anime" genannt werden, keine bedeutende Rolle.

5. Die malaiischen K. kommen meist unter dem Namen Manilakopal, zum Teil von dieser Insel, zum Teil von anderen Gebieten des Archipels, in den Handel. Sie stammen nach Wiesner von einem Nadelholze, Dammara orientalis, und werden in großen Klumpen in der Erde gefunden. Die Farbe ist meist honiggelb, seltener dunkler bis schwarz oder verschieden achatfarbig gestreift. An Härte folgt der Manilakopal den afrikanischen und steht vor den amerikanischen.

6. Kaurikopal. Nahe verwandt mit dem Manilakopal ist der in erster Linie in Neuseeland, zum Teil auch in Neukaledonien von Dammara australis und D. ovata stammende Kaurikopal. Er steht entsprechend der nahen Verwandtschaft der Stammpflanzen in seinen Eigenschaften dem Manilakopal nahe und wird in der Regel gegraben. Beide Sorten zeigen beim Reiben einen aromatischen Geruch, der an Koniferenharze erinnert.

7. Verwertung. Die Kopale liefern den wichtigsten Rohstoff für die Lackfabrikation, die härtesten unter ihnen die widerstandsfähigsten Lacke. Der Sansibarkopal wird sogar gelegentlich wie Bernstein zu Schmuckstücken usw. verarbeitet. Der Abfall der Handelsware und der technischen Verarbeitung, sog. Kopalstaub, wird vielfach zu Kunstprodukten, sog. Blockkopal, gepreßt. Fein zerkleinert, als Staub, sollen die K. leichter löslich und schmelzbar werden.

Literatur: Tschirch, Die Harze und Harzbehälter. Leipz. (Bornträger) 1906. - Wiesner, Die Rohtoffe des Pflanzenreichs, 2. Aufl. Leipz. (Engelmann) 1900.

Voigt.