Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 364 f.

Korallenriffe. Die meisten Korallen (s.d.) kommen nur in dichter Gruppierung vor und bilden bei ihrem Weiterwachsen riffartige Erhebungen, sog. K. K. kommen innerhalb der Tropenmeere in weiter Verbreitung, doch keineswegs überall vor. Im indischen Ozean und im westlichen Teil des pazifischen Ozeans trifft man sie fast überall, an den Westküsten Afrikas aber fehlen sie. Daraus ergibt sich auch ihr Vorkommen an den Küsten unserer Kolonien. Gewöhnlich wird die Küste von einem zusammenhängenden K. begleitet. Das Riff lehnt sich bald als sog. Saumriff eng dem Ufer an, so daß bei niedrigem Wasserstand der Raum innerhalb des Riffes trocken oder fast trocken ist, oder es ist auch bei niedrigem Wasserstand noch durch einen Kanal von der Küste getrennt und heißt dann Barriereriff. Der Kanal innerhalb des Riffs wird Lagune genannt. In der Lagune kommen von eigentlichen Riffkorallen nur kümmerliche Exemplare vor. Die schönsten Korallenstöcke findet man am äußeren Rande des Riffs, weil da das Wasser am wenigsten durch Fremdkörper verunreinigt und am reichsten an Nahrung, an Plankton ist. Vor Flußmündungen ist das Riff, der Verunreinigung wegen, stets unterbrochen. - Auch weit vom Ufer entfernt, ja sogar mitten im Meere, kommen, auf Untiefen, K. vor. Die frei im Ozean liegenden Riffe umschließen oft eine korallenfreie Lagune. Wächst ein Riff bis zur Oberfläche weiter, so sterben die oberen Partien ab und können, wenn sich Treibholz usw. auf denselben (namentlich auf der Windseite derselben) ansammelt, stellenweise verlanden. Aus dem K. wird dann eine Koralleninsel (s.d.). Das K. ist eine Lebensgemeinschaft. Es enthält an lebenden Tieren nicht nur Korallen, sondern Meerestiere aller Ordnungen, die mit den Korallen in enger Beziehung stehen. Auffallend ist z.B. der Reichtum an Fischen, und ebenso fällt der Formen- und Farbenreichtum dieser Fische auf. Lebhafte Farben können den Fischen, ihren Feinden gegenüber, auf den K. nicht verhängnisvoll werden, weil sie sich zwischen den festen Kalkstöcken verbergen können. Hebt man einen Korallenblock aus dem Wasser, so findet man ihn mit zahlreichem anderen Getier besetzt. Zerschlägt man ihn, so kommen sogar Fische zum Vorschein. Die auf dem K. lebenden Fische besitzen zum Teil kräftige Kiefer und können die Korallen zerbeißen. Dahin gehören die sog. Plectognathen (Balistes usw.), die Lippfische (Labrus usw.), die Pomacentriden usw. Manche Tiere, die sonst frei leben, sind mit den Korallenstöcken fest verwachsen. Es gehören dahin die eigenartige Wurmschnecke (Vermetus) und die Gießkannenmuschel (Aspergillum), die man kaum als Angehörige ihrer Ordnung erkennt.

Dahl.