Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 371

Kraniche, Gruidae, starke Stelzvögel von Storchgröße, aber mit schwächerem und kürzerem, mehr hühner- oder rallenartigem Schnabel, dessen Nasenlöcher nicht getrennt sind, sondern den Schnabel durchbohren. Die K. sind über Europa, Asien, Afrika, Australien und Nordamerika in 20 Arten verbreitet. Moräste und sumpfige Waldungen, aber auch trockene Steppen bilden ihren Aufenthalt. Das Nest wird auf der Erde, häufig in Sümpfen im Wasser erbaut und stets mit 2 auf braunem oder weißlichem Grunde rotbraun, grau oder veilchenfarben gefleckten, bei den Kronenkranichen reinweißen, Eiern belegt. Die Nahrung besteht in Pflanzenstoffen, Getreidekörnern, Insekten, Würmern, Weichtieren und kleinen Wirbeltieren. Als Heuschreckenvertilger kommen sie in Betracht. Sie sind gewandte Flieger. Größere Scharen ordnen sich im Fluge gern in schräger Linie oder in Keilform. Die Stimme ist rauh und trompetenartig schmetternd. Von den in Afrika vorkommenden Arten ist die größte der Karunkelkranich, Bugeranus carunculatus, so genannt wegen der jederseits der Kehle befindlichen befiederten Karunkel. Gefieder grau, Unterkörper schieferschwarz, Kopf und Hals weiß. Er wird in Ostafrika und im Innern von Deutsch-Südwestafrika angetroffen. Der etwas kleinere graue Paradieskranich, Anthropoides paradisea, der "Grote Springhaanvogel" der Buren, ist kenntlich an den lanzettförmigen Kropffedern. Seine Verbreitung erstreckt sich über Südafrika bis in das Innere von Südwest. - Die Kronenkraniche, so genannt wegen einer aus aufrechtstehenden Borsten gebildeten Krone auf dem Hinterkopfe, sind durch mehrere Arten vertreten; im Hinterlande von Togo und Kamerun Balearica pavonina, im Süden von Deutsch- Ostafrika B. regulorum, im nördlichen Teile B. gibbericeps. - In Kiautschou lebt ein dem europäischen K. sehr ähnliche Art, Grus lilfordi; auf Neuguinea und auf den polynesischen Inseln gibt es keine K.

Reichenow.