Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 372

Krankenhäuser. Man hat in den Kolonien zwischen K. für Europäer und solchen für Eingeborene zu unterscheiden. 1. K. für Europäer sind nur an größeren Orten errichtet; auf kleineren Stationen werden kranke Europäer in ihren Wohnungen oder in besonderen Krankenstuben, welche auf den meisten Stationen sind, behandelt, in schwereren oder langwierigeren Krankheitsfällen aber nach Möglichkeit in ein erreichbares K. transportiert. Von größeren K. für Europäer sind in den deutschen Schutzgebieten zu nennen: in Deutsch-Ostafrika die Gouvernementskrankenhäuser in Daressalam und Tanga; in Kamerun das Gouvernementskrankenhaus in Duala; in Togo das Königin-CharlotteKrankenhaus in Lome, eine Stiftung des Württembergischen Landesverbandes des Frauenvereins vom Roten Kreuz für die Kolonien (s. Deutscher Frauenverein vom Roten Kreuz für die Kolonien) und das Nachtigal-Krankenhaus in der früheren Hauptstadt Anecho; in Deutsch -Südwestafrika: Garnisonlazarette in Windhuk, Keetmanshoop und Warmbad (in dieselben werden auch Zivilpersonen aufgenommen), Krankenhäuser der katholischen Mission in Windhuk und Swakopmund, ein Johanniterkrankenhaus in Keetmanshoop, ein städtisches Krankenhaus in Lüderitzbucht; in Deutsch-Neuguinea ist ein Gouvernementskrankenhaus in Rabaul, dem jetzigen Sitz der Regierung und in Herbertshöhe, der früheren Residenz, sowie ein Europäerkrankenhaus in Friedrich-Wilhelmshafen. In Apia auf Samoa befindet sich ein aus der Stiftung eines Privaten, des verstorbenen Rentiers Kunst, hervorgegangenes Gouvernementskrankenhaus, sonst sind in der Südsee auf den einzelnen Stationen der geringen Anzahl der Europäer entsprechend nur kleine Krankenhausanlagen für Europäer. In Kiautschou ist ein größeres Gouvernementskrankenhaus. - 2. Krankenhäuser für Eingeborene sind mit den meisten der aufgeführten Europäerkrankenhäuser verbunden, außerdem aber befinden sich kleinere Krankenhäuser für Eingeborene an jedem Sitz eines beamteten Arztes. Solche Anlagen bestehen in der Regel aus einem Gebäude zur Abhaltung der Poliklinik für Eingeborene, enthaltend einen Raum für die Behandlung der Kranken, einem Arztzimmer, Operationszimmer, Apotheke und Laboratorium, daneben Baracken für die Kranken oder auch nur mit einheimischem Material gebaute Hütten für die kranken Eingeborenen. Zu erwähnen ist noch das Sewa-Hadji-Krankenhaus in Daressalam, welches einem testamentarischen Vermächtnis des Inders Sewa-Hadji seine Entstehung verdankt. Endlich sind noch Schlafkrankenlager zur Behandlung Schlafkranker in Deutsch-Ostafrika, Kamerun und Togo zu nennen, Lepraheime in allen tropischen Kolonien und eine vom Afrikaverein gegründete Anstalt für eingeborene Geisteskranke in Deutsch-Ostafrika. Außer den Regierungskrankenhäusern finden sich in den Kolonien noch Missionskrankenhäuser sowie Krankenhausanlagen bei größeren Plantagen, bei Bahnbauten usw. Näheres über Krankenhäuser, auch Abbildungen derselben, ist in den jährlich erscheinenden, vom Reichs-Kolonialamt herausgegebenen Jahresmedizinalberichten, über die deutschen Schutzgebiete (im Verlag von Mittler & Sohn in Berlin) enthalten. S.a. Erholungsstationen.

Steudel.