Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 373

Krater nennt man das Ausgangsgebilde eines vulkanischen Schlots, durch den aus unbekannten Tiefen des Erdinnern vulkanische Materialien zeitenweise in großen Mengen an die Erdoberfläche befördert werden. Bestehen diese Materialien lediglich oder vorzugsweise aus Gasen und finden sie Widerstand gegen das Ausströmen an der Erdoberfläche, so entstehen trichter-, kessel- oder auch schlot- bzw. schachtförmige, selbst grabenförmige Explosions- K. oder Maare. (Solche Maare sind mehrfach aus Kamerun und Deutsch-Ostafrika nachgewiesen [s. Vulkan], aber noch nicht aus der deutschen Südsee.) - Wenn mit den explosiven Gasen zugleich in mehr oder minder fein zerspratztem Zustand viel Magma oder auch fremdes, unterwegs losgerissenes Gestein ausgeschleudert wird, so entsteht bei nicht allzu stürmisch bewegter Atmosphäre ein kessel-, trichter- oder auch tellerförmiger Aufschüttungs-K., der oft den Gipfel eines hohen Vulkankegels abstumpft. Wo aber das Magma, wie bei Lavavulkanen, ruhig aufsteigt und ausfließt, da können über dem Eruptionsschlot durch Zurücksinken des an der Oberfläche noch flüssigen Magmas, sowie durch Nachsacken bzw. Einstürze der erstarrten Lavamassen über Hohlräumen, die durch inneren Rückzug des Magmas im Schlot entstanden sind, Rücksinkungs- oder Einsturz-K. (wohl auch Calderas genannt) entstehen. (Rücksinkungskrater sind vielfach aus Ostafrika bekannt, so der Kibokrater und die zahlreichen gewaltigen Krater im Hochland der Riesenkrater.) Wo in vulkanischem Gebiet durch irgendwie entstandene Massendefekte, die nicht über dem Eruptionsschlot liegen, Einstürze erfolgt sind, da wird man nicht von einem Einsturz-K., sondern nur von einem Einsturzgebilde, auch -Maar sprechen dürfen. Da aber die Entstehungsweise von K. oft unsicher ist, ist es meist empfehlenswerter, die K. nur nach ihrer Form zu unterscheiden.

Sapper.