Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 378

Kreuzfluß (Crossriver). Der K. gehört nur im Oberlauf zu Kamerun und dann bis zur Mündung zu Britisch-Nigeria. Er entsteht aus dem Zusammenfluß vieler Quellflüsse, die vom Westabhange des Bamendazuges und Baliplateaus herabkommen und sich in der Banjangbucht vereinen, um gemeinsam nach Nordwesten zu strömen. Als wichtigere Nebenflüsse erhält er von links den Bali und Mun- Aja, von rechts einen anderen Mun-Aja und Oji. In südwestlicher Richtung durchbricht er mit großen Schnellen die Anomberge und bildet eine Weile die Grenze, bis er bei der Mündung des Aua von Süden her auf englisches Gebiet und zugleich ins Tiefland tritt. In großem Bogen umschließt er die Westkameruner Massivregion, um dann eine südliche Richtung einzuschlagen und sich in einer breiten trichterförmigen Mündung ins Meer zu ergießen. Diese steht durch viele Creeks mit dem Rio del Rey im Osten in Verbindung; sie heißt auch Old Calabar River. Im Hintergrunde des Mündungstrichters, und etwas nach Osten, dem ungesunden mit Mangroven bedeckten Ufergebiet entrückt, liegt der englische Handelsplatz Calabar, an der Mündung der Hafen James Town. - Der K. ist ziemlich wasserreich und im Mittel- und Unterlauf gut schiffbar, doch die Flußschnellen gerade an der deutschen Grenze bezeichnen das Ende der Schiffbarkeit während der Trockenzeit. In der Regenzeit dagegen erreichen kleinere Dampfer noch Mamfe (s.d.). Dieser Ort bezeichnet daher einen natürlichen Mittelpunkt der Handelsstraßen. Er ist Hauptsitz der Regierung. Die Gesellschaft Nordkamerun hat dort eine Station, ebenso in Nssanakang, in dessen Nähe sich Salzquellen befinden. Der bedeutendste Ort am K. ist Ossidinge (s.d.), jetzt hat Mamfe ihn abgelöst. - Das K.gebiet bewohnen eine Reihe stammverwandter Bantuvölker, so die Banjang im Bereich der Vereinigung der Quellflüsse, die Obang, Keaka und Ekoi im Süden, die Anjang im Norden des Flusses. Fremdartig stehen ihnen die Boki auf der englischen Grenze gegenüber. Der K. fließt im Gebiet des tropischen Urwalds, Süßwassermangroven säumen seine Ufer ein, Elefanten und Flußpferde sind häufig.

Passarge-Rathjens.