Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 386

Kuiseb, Flußrinne in Deutsch-Südwestafrika. Der K. ist der südlichste der das Meer erreichenden Flußrinnen. Sein Ursprung liegt auf dem Komashochlande (s.d.), in dem Gebiete der zentralen Massenerhebungen von Südwestafrika, das zugleich die Hauptwasserscheide des Schutzgebietes bildet. Zu seinem oberen Einzugslande gehören ferner die über 2000 m emporsteigenden Hochgebirge im Südwesten jenes ausgedehnten Hochlandes, die man bereits als einen Teil des Groß-Namalandes anzusehen hat. In seinem Mittellauf durchzieht der K. die zur Namib (s.d.) überleitenden Terrassen bis 23 3/4 ° s. Br. in tief in das Hochland eingeschnittenem Tale, um dann plötzlich umzubiegen und in nordwestlicher Richtung dem Meere zuzustreben, das er unter 23° s. Br. in der Walfischbai erreicht. Hier ist sein ganzes Bett von dem Dünensande erfüllt, der in weitem Bogen die britische Bucht umgibt. Der K. befindet sich gegenüber den übrigen Flüssen der atlantischen Abdachung des Schutzgebiets von größerer Lauflänge insofern im Nachteil, als auch sein oberstes Einzugsgebiet bereits auf der den Regenwinden abgekehrten Seite der inneren Hochländer liegt. Dadurch wird seine Wasserführung erheblich beeinträchtigt. So rechnet man, daß der Fluß nur etwa zehnmal in jedem Jahrhundert abkommt, d.h. oberflächlich fließend das Meer erreicht. Indessen ist der Oberflächenstrom auch in solchen Ausnahmejahren nicht sehr stark, da es ihm niemals gelingt, den Dünenwall zwischen der Mündung und der Namib zu zerstören. Das Grundwasser des Flußbettes erreicht zwar ständig den Ozean, doch bei weitem nicht in solcher Menge wie etwa im Swakop. Nach v. Bü1ow, der auf der alten Route Alexanders [s.d.] (1836) im Jahre 1892 den unteren K. mehrfach berührte, stand dort einige Monate nach dem Ende der Regenzeit das Grundwasser um 1-2 m tiefer als im Swakop.

Literatur: F. Stapff, Karte des unteren Kuisebtales, in Peterm. Mitt. 1887. - F. J. v. Bülow, Drei Jahre im Lande Hendrik Witbois. Berl. 1896.

Dove.