Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 398 f.

Kupfererzlagerstätten. Unter den kolonialen K. ist die von Tsumeb- Otavi in Deutsch-Südwestafrika die bedeutendste. Sie tritt auf in dem dunkeln, chalzedonreichen (verkieselten) und stark magnesiahaltigen Otavikalk (Otavidolomit), der im allgemeinen zu flachen (O/W streichenden) Falten zusammengeschoben, das ganze Otavigebiet, ein in 1300-1800 m Meereshöhe liegendes Plateau, aufbaut. Die Lagerstätte hat bei Ost-West-Streichen 168 m Länge und 12-20 m Mächtigkeit; sie fällt ebenso wie die liegenden Dolomite steil nach Süden (während die hangenden Schichten annähernd horizontal liegen) und tritt an der Grenze zwischen dem Dolomit und einem "sandsteinartigen Körper" (einem zersetzten Aplitgang) auf. Der Erzkörper besteht aus zwei getrennten Partien, deren östliche erheblich bleireicher ist (50% Blei), mit einem Kupfergehalt von 6-14%, während die westliche Partie nur etwa 25 % Blei und 12-20 ja 25 % Kupfer enthält; etwas Antimon, Arsen und Silber (0,02 %) sind ebenfalls im Erz enthalten. Otavidolomit und Erzkörper werden von einem stark zersetzten "Diabas"gang (Olivinkersantit) durchsetzt. Die primären Erze sind Bleiglanz, Zinkblende und Pyrit, die später mehr oder minder vollständig durch Kupferglanz verdrängt wurden. Abgesehen von dem eigentlichen Erzkörper sind auch die liegenden Schichten zum Teil hochgradig mit Kupfererzen imprägniert. Die primären, derben, massigen Erze sind nun im Ausgehenden und längs Klüften zum großen Teil in oxydische und karbonatische Erze (Cerussit, Malachit usw.) umgewandelt und enthalten eine Fülle von zum Teil sehr seltenen und schönen Mineralien (Kadmiumerze, Vanadinate usw.). Die Lagerstätte ist als eine metasomatische aufzufassen, entstanden durch Verdrängung des Kalks durch die auf den Verwerfungsspalten aufsteigenden Schwermetallösungen. Die sehr ähnlichen, aber viel kleineren Lagerstätten von Gr.-Otavi, KI.-Otavi (Asis) und Guchab sind ebenfalls Höhlenausfüllungen im stark verkieselten Dolomit und enthalten bleifreie Kupfererze: Kupferglanz und Malachit. Tsumeb ist jetzt bereits bis zur 5. Abbausohle (über 100 m tief) aufgeschlossen, ohne daß ein Aufhören der Lagerstätte bemerkbar wäre; die durchschnittliche Monatsförderung beträgt schon seit Jahren rund 5000 Tonnen. Im Jahre 1910/11 wurden exportiert 36600 t Erz mit 16 % Kupfer-, 24 % Bleigehalt und 290 g Silber pro Tonne. Daneben wurden außerdem die ärmeren Erze an Ort und Stelle verschmolzen und lieferten 2200 t Kupferstein mit 47 % Cu, 26 % Pb und je 440 g Silber sowie 2040 t Werkblei mit 98 % Pb und einem Gehalt von 620 g Silber pro Tonne. Im Jahre 1911/12 wurden 35265 t Kupfererz gewonnen, davon 27267 t Rohkupfererz im Werte von 3428703 M exportiert und 646,6 t aufbereitetes Kupfer im Werte von 325000 M. (Über die nebenbei gewonnenen Bleierze s. d.) - Ein großes K.vorkommen von 450 m Länge und 50 m Breite soll neuerdings zwischen Otavi und den Bobosbergen gefunden sein - näheres ist noch nicht darüber bekannt. S. a. Otavi-Minen- und Eisenbahngesellschaft. Die übrigen K. Deutsch-Südwestafrikas treten fast alle im Herero1ande, im Gebiet der stark gefalteten, steil aufgerichteten, kontakt- bzw. regional-metamorphen kristallinen Schiefer bzw. in den im oder auf Granit schwimmenden Schieferschollen auf. Diese mit großer Regelmäßigkeit SW/NO streichenden kristallinen Schiefer bestehen aus Biotit-, Hornblende-, Granatgneisen, aus Glimmerschiefern und Amphiboliten, Chlorit-, Serizit-, Staurolithschiefern, aus Phylliten, Tonschiefern und Kalksilikathornfelsen, werden von zahlreichen spießeckigen oder querschlägigen Quarzgängen durchzogen und enthalten obenein reichliche Lagergänge bzw. Linsen von Quarz, die 20 bis 100 m lang und sehr verschieden mächtig sind und als Ausfüllungen von Aufblätterungsspalten betrachtet werden. Die Quarzgänge und besonders die letzterwähnten, im Schichtstreichen verlaufenden Quarzlager sowie die in deren Hangenden auftretenden Imprägnationszonen sind im allgemeinen die Träger des sehr weit verbreiteten aber meistens sehr geringen Kupfergehalts und der sonstigen Erze (Kupferkies, Kupferglanz, Rotkupfererz, Pyrit, Arsenkies, Chalkosin usw.) und enthalten öfter ganz geringe Spuren von Gold, zum Teil sogar Freigold, das aber nach den bisherigen Erfahrungen nirgends abbauwürdig ist (Spuren bis 2,3 g pro Tonne). Diese K. treten besonders gerne in Verbindung mit den großen, sich über so ungeheure Strecken hinziehenden Amphibolitzügen des Hererolandes auf; der Kupfergehalt scheint dabei großenteils primär zu sein und sich aus den bereits denudierten Partien im Lauf der Zeiten über den undurchlässigen, vorerwähnten Quarzlagen in den hängenden Zonen konzentriert zu haben. Die karbonatischen Umwandlungsprodukte der Kupfererze (Malachit) treten in diesen vegetationsarmen Gebieten natürlich auch bei ganz geringen Spuren sehr auffällig hervor. Die wichtigste dieser Lagerstätten ist Otjizongati, NO von Windhuk, an den Quellen des Swakop gelegen. Es sind 0,2-2 m starke, bis 220 m lange, stumpfwinklig zum Schichtstreichen verlaufende Quarzgänge und fahlbandartige Imprägnationszonen im feinschuppigen Biotitgneis und im Hornblende- Granatgneis, die Chalkosin und Kupferglanz, selten Kupferkies führen; im Hut und im Nebengestein sind oxydische Erze und gediegenes Kupfer sowie Kuprit reichlich vorhanden. Der Erzgehalt ist sehr unregelmäßig verteilt und scheint besonders an den Kreuzungsstellen der Quarzgänge mit den glimmerschieferartigen Fahlbandzonen angehäuft zu sein. Die Erze sind großenteils so reich, daß sie früher sogar Ochsenwagenfracht vertrugen; es wurden früher monatlich im Durchschnitt 75-100 t von 20-27 % Kupfergehalt gefördert; im Jahre 1911 nur 412 t, 1912 wieder 500 t. Bemerkenswert ist das reichliche Auftreten von Rutil in den Quarzgängen, die in der Tiefe zum Teil pegmatitisch werden. Die nächstwichtigste, aber noch in den Aufschlußarbeiten befindliche K. ist die Khangrube, ebenfalls im Damaraland. Es ist ein SW/NO streichender 45° nach NW fallender Pegmatitgang, der in einem Amphibolit mit gneisartigen (feldspatreichen) Zwischenzonen aufsetzt. Das Erz sitzt zum Teil in den Feldspatkristallen, zum Teil dazwischen in dem Quarz in derben Körnern, hat auch das Nebengestein (besonders die Amphibole und Feldspate) imprägniert. Es tritt besonders Kupferglanz und Buntkupfererz auf, letzteres in 1/2-1 m langen bis 5 cm starken Schmitzen. Das Erz ist sehr unregelmäßig verteilt; im Durchschnitt scheint die Lagerstätte 6-8 % Kupfer zu enthalten; sie ist bereits bis zu erheblicher Tiefe aufgeschlossen und scheint durchaus abbauwürdig zu sein. Ebenso treten in der Gegend von Rehoboth am großen und kleinen Spitzkopf in O/W streichenden Glimmerschiefern mit eingeschalteten Dioriten gleichsinnig streichende, zum Teil stark verruschelte Quarzmassen (Gänge, Linsen) von 0,1-1,6 m Mächtigkeit auf, die derben Kupferglanz, zum Teil in mehreren Kubikmeter großen Massen enthalten (mit 0,1- 0,3 % Ag). Das verruschelte Gebirge im Hut enthielt zum Teil bis 4 g Gold pro Tonne und bis 50 g Silber; bei einem Kupferpreis von 1100 M pro Tonne ist die Lagerstätte im Kleinbetrieb abbauwürdig. Außer diesen beschriebenen ist eine sehr große Anzahl "Kupferminen" aus dem Hererolande und sonst aus Deutsch-Südwestafrika bekannt, die alle entweder nachgewiesenermaßen völlig unbauwürdig sind oder deren geringe Vorräte bereits abgebaut sind. Sie zeigen im großen und ganzen dieselben Verhältnisse: sehr unregelmäßige Verteilung des Erzes, schnelles Verarmen nach der Tiefe zu -; die eine oder die andere mag vielleicht später bei besseren Transportverhältnissen einen geringfügigen Abbau gestatten, so z.B. vielleicht Swartmodder bei Rehoboth, wo im N/S streichenden Gneis 0,2-2 m mächtige, eisenschüssige Quarzzüge mit derbem Kupferglanz (10- 12% im Durchschnitt) auftreten; im Hut enthielt das Gestein zum Teil Spuren bis 20 g Gold und Spuren bis 362 g Silber pro Tonne. Gorub-, Hope- und Matchlessgrube, Husab-, Pot- und Ubibmine (letztere bis zu 25 m Teufe in 30-40 cm starken aber 600 m langen Gängen und Imprägnationszonen Rotkupfererz, Kupferglanz und Kupferindig, darunter Kupferkies führend, mit ganz geringem Goldgehalt). Ferner die "Minen" bei Karibib, Usakos (am Khanfluß im Khuosgebirge, ein Quarzgang mit Kupferglanz und etwas Goldgehalt), Nauas, Naramas, Oamites, Kam, Garis, Koissorobis, Kabiras, Kobas, Kumasis, Areb, Kudis und Arovley sind derartige Lagerstätten; ähnlich verhält es sich mit der Sinclairmine, Witmanshaar und den Lagerstätten bei Lüderitzbucht, die alle unbauwürdig sind Auch aus dem Kaokofelde wird von einzelnen Kupfererzvorkommen berichtet, die zum Teil als derber Kupferglanz im Kalk vorkommen sollen, zum Teil auf Quarzgangen im Gneisgebiete. Genaueres ist darüber noch nicht bekannt. Vgl. hierüber auch die erst 1914 erschienene Arbeit E. Rimann: Zur Kenntnis Südwestafrikanischer Kupfererzvorkommen, Z. f. prakt. Geol. XXII, Heft 6, in der Otjizongati und Rehobot als primäre Gänge der Titankupfererzformation dargestellt und manche frühere Angaben berichtigt werden. Aus Deutsch- Ostafrika sind bisher nur zwei Kupfererzvorkommen bekannt, eins in den Njamuribergen östlich von Udjidji, das völlig unbauwürdig und wertlos ist und eins am Tya Fuckwaberge bei Neu- Langenburg in der Landschaft Ubena, über das noch keine genaueren Angaben vorliegen. Die nach Europa gelangten Proben bestehen aus sandigen Letten und mergeligen Sandsteinen, die mit Malachit imprägniert sind. - In Kamerun und Togo sind Kupfervorkommen nicht bekannt. S.a. Bergbau.

Literatur s. Erzlagerstätten.

Gagel.