Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 465

Lüderitzbucht, das alte Angra Pequena (s.d.) Deutsch-Südwestafrikas. Die Bucht selbst wird durch eine felsige Halbinsel gebildet, die sie gegen die Wirkungen des Benguellastromes sichert. Innerhalb eines etwa 7 km nach Süden in das Land hineinziehenden Beckens, in der Nähe des Ostufers, wird durch die mit dem Festlande verbundene Haifischinsel eine zweite innere Wasserfläche vom Meere abgeschnitten, dessen äußerer Teil, der Roberthafen, eine Meerestiefe von 7-8 m besitzt. Am inneren Ende dieser Nebenbucht liegt, der Ort L. innerhalb des hier so gut wie regenlosen Wüstengebiets der Küste. Er gehört zu den jüngsten Siedelungen des Schutzgebiets und hat viele Jahre überhaupt nicht den Namen einer solchen verdient. Ursprünglich nur aus einer Faktorei bestehend, begann er sich erst während des großen Krieges mit den Hottentotten (s. Hereroaufstand) zu entwickeln. Bereits 1905 erlangte er als Ausgangspunkt eines starken Wagenverkehrs nach dem Innern eine gewisse Bedeutung, die indessen erst nach Vollendung der nach, Keetmanshoop führenden Bahn zu seiner geschäftlichen Fortentwicklung führte. Zu seiner jetzigen, außerordentlich wichtigen Stellung gelangte der Platz indessen erst mit der Auffindung der Diamanten (s.d.) in dem ihm benachbarten Namibgebiet. Während 1906 erst drei Einzelfirmen in L. gezählt wurden, finden wir 1910 deren bereits 48 in der allmählich zu einer Stadt gewordenen Siedelung. Auch der Schiffsverkehr blieb 1910 nur wenig hinter demjenigen von Swakopmund zurück. - L. ist Sitz eines Zollamts; es besitzt eine Post- und Telegraphenstation. Zugleich ist es Sitz der Verwaltung des gleichnamigen Bezirks; auch befindet sich daselbst eine gut besuchte Regierungs- sowie eine Realschule. In L. hat auch die Minenkammer ihren Sitz, die die berg-baulichen Interessen, insbesondere die des Diamantenbergbaus vertritt (s. Minenkammern).

Dove.