Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 409

Lagunen nennt man in Togo die in der Nähe der Küste vorkommenden flußartigen Gewässer mit geringer Strömung, zeitweise ohne solche. Sie nehmen das Wasser der zur Küste gehenden Flüsse Haho (s.d .), Schio (s.d.) und Monu (s.d.) auf und verlaufen in westöstlicher Richtung ungefähr parallel zum Meeresstrand in einer Entfernung von 1 1/4-3 km von ihm. Nach einer Erklärung Stromers über die Entstehung dieser L. werden die Flüsse infolge der starken Meeresströmung, welche längs der Küste in westöstlicher Richtung streicht und infolge der heftigen, schräg auf die Küste treffenden Brandung gezwungen, ihre Sedimente an ihrer Mündung hauptsächlich an eine in Ufer abzulagern; so entsteht an diesem allmählich eine niedere Landzunge, welche die Flußmündung seitlich ablenkt, und im Laufe der Zeit bildet sich so eine schmale lange Nehrung, hinter welcher der Fluß am Meere parallel läuft. Wenn in der regenarmen Zeit die Zuflüsse der L. wenig Wasser zu Tal führen, macht sich Ebbe und Flut bis weit in die oberen Teile der L. hinein fühlbar; um diese Jahreszeit ist ihr Wasser stark brakig. Zur Hochwasserzeit hingegen, wenn der Schio- und Hahofluß große Wassermassen zu Tal senden, und wenn der angeschwollene Monu eine Stauung des Wassers in der L. zwischen Anecho und Agbanake verursacht, steigt der Wasserspiegel der L. ganz erheblich; in diesem Falle führen die L. Süßwasser. In regenreichen Jahren steigt ihr Wasserspiegel um mehrere Meter und steht höher als der des Meeres. Der Druck der Wassermassen hat in solchen Jahren bei Anecho, wo der L. und Meer trennende Dünenstreifen außerordentlich schmal ist, zum Durchbruch geführt. In normalen Jahren befindet sich nur auf französischem Gebiet zwischen Grand-Popo und Ouidah ein "bouche du roi" genannter Durchbruch der L. zum Meer. - Im Mündungsgebiet des Schio und Haho bildet die L. eine große seeartige Erweiterung, den sog. Togosee (s.d.). Eine ähnliche, jedoch wesentlich kleinere seeartige Erweiterung ist die sog. Wo-L. mit ihren 5fingerartig auseinandergehenden Niederungen, welche alte Zuflüsse darstellen. Eine frühere Deltabildung des Monu stellt der in nordsüdlicher Richtung verlaufende L.arm Baga dar, welcher häufig auch Aklaku-L. genannt wird und der zwischen Keta und Agbanake mit der von Anecho in östlicher Richtung verlaufenden L. in Verbindung steht. An der Westecke des Togosees im Mündungsgebiet des Schio befindet sich eine breite Niederung, welche in Verbindung steht mit dem nur in der Regenzeit größere Tümpel enthaltenden, sonst aber trockenen L.bett, das sich von der Ostecke der Kitta-L. über Lome bis Bagida erstreckt. Die L. können infolge ihres geringen Wasserstandes und wegen der zahlreich vorkommenden Untiefen nur mit Kanus und sehr flach gehenden Booten befahren werden. Für den Verkehr im Küstengebiet, insbesondere für das Heranschaffen von Ausfuhrerzeugnissen von den Produktenmärkten nach dem Ausfuhrort Anecho, wie auch für den lokalen Marktverkehr der Eingeborenen ist die L.Schiffahrt von großer Bedeutung. Die auf den L. verkehrenden Fahrzeuge werden ausschließlich gestakt.

v. Zech.