Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 410

Laka, Volksstamm der Sudanneger in Kamerun, der vom Ostrande des Hochlandes von Ngaundere und von Lame im Westen bis zum Bahr Sara im Osten sitzt. Die L. sind aus Osten eingewandert, ebenso wie die Mbum (s.d.), gegen die sie drängen. Sie sind durch das Novemberabkommen 1911 (s. Erwerbung der deutschen Kolonien) zum großen Teil deutsch geworden. Sie stehen den Mbei (s.d.) und den Mbum (s.d.) nahe und nach Strümpell auch den Mundang (s.d.). Mit ersteren und den Baia (s.d.) und Jangere (s.d.) haben sie eine Beschneidungssprache, das Labi, gemeinsam. Sie sind große, schöne und vor allen fleißige Leute von nicht sehr dunkler, ja oft heller Hautfarbe. Ihre Kleidung besteht in einem Antilopenfell, das sie über dem Gesäß tragen, während sie vorne unbekleidet sind, und das ihnen zugleich als Sattel dient. Schmuck ist beliebt. An Waffen tragen sie stets Wurfmesser, Keule und Harpunenspeer. Tatauierung ist vorhanden und sehr verschieden. Im Westen ist die Stammesmarke ein senkrechter Strich von der Stirn zur Nase. - Die Dörfer der L. sind weitläufig gebaut und oft sehr groß. Die einzelnen Gehöfte sind von Kulturen umgeben. Die Hütten bestehen nur noch aus Mattenwänden mit spitzem Strohdach, das Lehmhaus ist beim Wandern ganz verschwunden. Bei den L. bei Lame kommen Doppelhütten vor. Die Dörfer der L. haben auf alle Reisenden einen außerordentlich guten Eindruck gemacht. Die Häuser stehen senkrecht zur Straße, und in jedem Gehöft findet sich ein Schattenbaum. Ein Zaun aus Pallisaden oder Strohmatten umgibt die Gehöfte. Angebaut wird Sesam, Mais, Arachiden, Durrha und Tabak. Rindvieh besitzen die L. wenig, dagegen prächtige Ziegen und die kleinen Sarapferde. Im Westen sind die L. unter islamischen Einfluß gekommen, sind zum Teil dort Mohammedaner. Sie haben sehr unter den Raubzügen der Fulbe (s.d.) und Bagirmi (s.d.) zu leiden gehabt, vielleicht stammt daher der Mangel an Rindvieh. Trotz des Reichtums an jagdbarem Wild in ihrem Gebiet sind die L. schlechte Jäger. Dagegen sind sie geschickte Handwerker, z.B. in der Eisenbereitung, Rotgerberei, Töpferei und Flechterei. Die L. sind keine Menschenfresser gewesen. Ihr Häuptling erhält Tribut an Naturalien. Teilweise wird die Ernte ganz dem Häuptling zur Verwaltung gegeben. Das Land der L. ist nicht sehr fruchtbar, doch ist es den fleißigen Bewohnern gelungen, einzelne Oasen in den Steppenbusch, der die Ebenen des Gebietes bedeckt, zu schaffen. Der Boden ist oft Laterit. Oft werden die Dörfer daher verlegt, wenn der Boden ausgenutzt ist. Ihre größten Siedelungen sind Dok, Kagopol und Kutu, die Lenfant auf 2000 Hütten schätzt, was eine Einwohnerzahl von 7000 Seelen etwa ergibt.

Literatur: Lenfant, La Dec. des grandes Sources 111 ff. - Loefler, Rens. Col. 229 ff. - Strümpell, Mitt. a. d. deutsch. Schutzgeb. 1911, 19 ff.

Passarge-Rathjens.