Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 426 f.

Landungsbrücken (s. Tafel 149,186). Allgemeines s. Landungsanlagen; Hafen. Die wichtigsten in den Kolonien ausgeführten L. sind folgende: Die L. in Lome (Togo), an gänzlich ungeschützter Küste mit schwerer Brandung gelegen, vermittelt den gesamten Verkehr des Schutzgebiets Togo. Sie ist für die Wagen der Togobahn befahrbar. Die Schiffe können sich ihr auf 1 bis 2 Schiffslängen nähern. Wegen des fast immer herrschenden Seeganges werden in der Regel nur Boote von 3 t Ladungsfähigkeit verwendet. Die Beförderung der Personen aus den Booten auf die Brücke geschieht mit Hilfe von Kästen, die von den Kränen gehoben werden. Die Brücke ist Eigentum des Fiskus. Das Bauwerk ist 354 m lang, im Zugangsteil 6 m und am Kopf 15 m breit, mit 2 Kränen von 3 t und 1 Kran von 6 t Hubkraft ausgerüstet. Sie wurde in den Jahren 1902-1904 erbaut. Sie besteht aus Eisenwerk; die Pfähle sind durch Beton geschützt. Im Jahre 1911, bei einem außergewöhnlich hohen Seegang, stürzte ihr mittlerer Teil ein. Die Lücke ist durch ein Stück in anderer Bauart geschlossen worden. Die L. in Victoria (Kamerun) ist von geringerer Bedeutung, da von Victoria aus nur eng begrenzte Bezirke zu versorgen sind. Sie liegt an einer durch vorgelagerte Inseln wesentlich geschützten Stelle der Küste. Die großen Seeschiffe hegen etwa 1 km davon entfernt. An der Brücke können, abgesehen von den verhältnismäßig wenigen Tagen schlechten Wetters, auch Leichter von mäßiger Größe anlegen. Die Brücke ist Eigentum der Woermann-Linie. Die Brücke ist 180 m lang, im Zugangsteil 2,70 m, vorn 6,70 m breit, mit einem Handkran ausgerüstet und trägt ein von leichten Transportwagen befahrenes Gleis, das an das Gleis der von Victoria ausgehenden Pflanzungsbahn heranführt. Sie besteht aus Eisenwerk. Die L. in Duala (Kamerun) erstreckt sich von dem Kai aus, der sich am Ufer vor Duala entlang zieht, in den Wurifluß. Sie dient hauptsächlich den Zwecken des Gouvernements; es können an ihr mäßig große seegehende Schiffe anlegen. Die Brücke ist aus Eisenwerk in T-Form erbaut und mit einem Kran und kleinen Transportgeleisen ausgerüstet, die zu den dem Gouvernement gehörigen Werkstätten und Schuppen führen. Die Länge des parallel zum Ufer liegenden Kopfstücks beträgt 48 m. Die L. in Swakopmund (Deutsch-Südwestafrika) [s. Tafel 186] liegt an offener Brandungsküste, nur sehr wenig durch das vorspringende Swakopriff geschützt. Die Schiffe ankern in einer Entfernung von 1/2-1 km von der Brücke. Im Landungsbetrieb werden meist Leichter von 10 t Tragfähigkeit benutzt. Bei gutem Wetter können auch große, von 30 und noch mehr Tonnen Ladefähigkeit anlegen. Die Brücke trägt Gleise von 60 cm Spur, die von den Wagen der von Swakopmund ausgehenden Eisenbahn befahren werden können. Sie ist Eigentum des Fiskus. Die Brücke ist 328 m lang und 11,8 m breit und mit 5 Kränen von 2-5 t Hubkraft und 1 Kran von 20 t Hubkraft ausgerüstet. Der Bau ist im Jahre 1904 begonnen, als das einige Jahre vorher hergestellte Molenstück versandete und der durch den Aufstand hervorgerufene Verkehr besonders große Anforderungen an die Landungsanlagen stellte. Der Eile wegen mußte Holzmaterial verwendet werden. Anfangs in kleineren Abmessungen ausgeführt, ist sie später ausgebaut und vervollkommnet worden. Da die Brücke nicht mehr standsicher genug erschien, wurde im Jahre 1911 der Bau einer neuen, eisernen, unmittelbar neben der alten, in Angriff genommen. Diese soll etwa 650 m lang werden, damit sie auch über die bei schlechtem Wetter auftretenden äußersten Brandungswellen hinausreicht, was bei der alten Brücke nicht der Fall ist. Die L. in Lüderitzbucht (Deutsch- Südwestafrika), im innersten Winkel des Roberthafens gelegen, nimmt den größten Teil des Lüderitzbuchter Seeverkehrs auf. An der Brücke ist nur eine Tiefe von 2-3 m vorhanden. Die Seeschiffe ankern in einer Entfernung von 1-2 km von der Brücke. Zur Verbindung mit der Brücke können Leichter von 100 und mehr Tonnen Ladefähigkeit und Schleppdampfer benutzt werden. Die auf der Brücke liegenden Gleise haben ebenso wie die im Zollhof liegenden nur 60 cm Spur und können daher von den Wagen der von Lüderitzbucht ausgehenden Eisenbahn, die die Kapspur hat, nicht befahren werden. Die Brücke ist Eigentum des Fiskus. Die Brücke ist 170 m lang, 8 m breit, mit 3 Kränen von 1 1/2-5 t Tragfähigkeit ausgerüstet. Sie wurde, ebenso wie die Swakopmunder Brücke, in der Aufstandszeit aus Holz erbaut und ist später erweitert und vervollkommnet worden. Es wird geplant, sie noch weiter auszubauen und für Wagen mit Kapspur zugänglich zu machen. Auch sollen die Dampfkräne durch elektrisch betriebene von 3 t und 20 t Hubkraft ersetzt werden. Die L. in Rabaul (Neupommern, Deutsch-Neuguinea), im Simpsonhafen, an geschützter, günstiger Stelle mit großen Tiefen gelegen, so daß sie von großen Seeschiffen besucht werden kann. Sie steht im Eigentum des Norddeutsehen Lloyd, dessen Zwecken sie vornehmlich dient. Die Brücke ist rund 280 m lang, im Zugangsteil 12 m und um Kopfe 20 m breit; sie besteht aus Holz. Die L. in Friedrich-Wilhelmshafen (Kaiser-Wilhelmsland, Deutsch-Neuguinea) ist ebenfalls an geschützter Stelle mit hinreichenden Tiefen gelegen, so daß die großen Lloydschiffe anlegen können. Sie ist Eigentum der Regierung. Die Brücke besteht aus einem 80 m langen, nur 11 m vor das Ufer vorragenden Holzbau, kommt also einem Kai nahe. Auf der durch ihre Phosphatlager bekannten Insel Angaur (Palauinseln, Deutsch-Neuguinea) besteht eine über das Ufer vorragende eiserne Verladebrücke, von der aus die Phosphate in Boote verstürzt werden.

Fischer.