Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 439

Langenburg, manchmal auch nach seinem Hauptort Neu-L. (s.d.) genannt, ist ein Bezirk von Deutsch- Ostafrika am Nordende des Njassa. Nachdem das Ostufer des Njassa zum Bezirk Ssongea (s.d.) kam, ist L. noch 28900 qkm groß. Es umfaßt die Landschaften Konde, Undali, Malila, Urambia, Unjika, Usafua, Buanji, sowie Wungu, und Ukinga (s. die einzelnen Landschaften) zum größten Teil. Die Eingeborene Bevölkerung von L. betrug Anfang 1913: 195 800, was eine Dichte von 6,8 ergibt. Von nichteingeborenen Farbigen lebten 32, von Weißen 137 im Bezirk. Unter letzteren waren 9 selbständige Ansiedler, die sich mit Viehzucht, Anbau von Baumwolle, Kautschuk, Kaffee befaßten. Zwei europäische und wenige indische Firmen treiben Handel. 1908 waren 34,2 qkm Landes an Europäer abgegeben; 1909/12 verpachtete das Gouvernement 8,0, verkaufte es 3,7 qkm. Der Viehstand von L. wurde Anfang 1913 zu 102880 Rindern, 21400 Schafen, 29800 Ziegen gezählt, teils geschätzt, dazu kamen im Besitz von 29 europäischen Betrieben 2892 Rinder, 412 Schafe und Ziegen, 279 Schweine, 287 Esel, die eine Weidefläche von 22,9 qkm benutzten. L. hat als Bezirksnebenstelle jetzt nur noch Muakete in Ukinga (s.d.), wozu als Zollstelle Muaja (s.d.) kommt. In Massoko in Ober-Konde (s.d.) steht die Ö. Kompagnie der Schutztruppe. Außerdem hat der Bezirk 111 Farbige Polizisten. - Es gibt 21 Missionsstationen in L., mehr als in irgendeinem anderem Bezirke Deutsch-Ostafrikas. Mitten durch L., zu 3/4 innerhalb seiner Grenzen, verläuft die wichtige Fahrstraße vom Njassa zum Tauganjika mit etwa 395 km Länge (s. Stevenson Road). Von Muaja (s.d.) fährt der Weg steigend bis Neu-L. (s.d.), nach einer Senkung um 200 bis 300 m folgt der Aufstieg zum Igale-Paß, 2000 m ü. d. M. Nun geht es 700 m hinab nach Usafua (s.d.), und hinauf nach Itaka in Unjika, wieder hinab zum Nkanagraben (s. Rukwa), wieder hinauf gegen Ikomba hin. Schließlich gelangt man nach Überwindung des Ssaissi (s. Rukwa) nach Ufipa (s.d.) und nach Bismarckburg (s.d.). Der Weg ist durchweg für Ochsenwagen geeignet.

Literatur: P. Fuchs (und J. Booth), Die wirtschaftl. Erkundung einer ostafrik. Südbahn. Berl. 1905. -Ferner 8. Njassa.

Uhlig.