Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 441 f.

Laterit, der hochrote, unfruchtbare, den Tropengegenden eigentümliche Verwitterungsboden, der ungeheure Gebiete der Tropen und Subtropen bedeckt und sich auf den verschiedendsten Silikatgesteinen findet. Der Name stammt daher, daß diese eigentümliche Bodenart, die, wenn sie erst einmal völlig ausgetrocknet ist, steinhart wird und nicht mehr im Regen aufweicht (Termitenbauten), in manchen Gegenden Indiens als Baumaterial (later = Ziegel) gebraucht wird. Das Wesen der Lateritbildung besteht nach den neueren Forschungen, vornehmlich von Bauer und Koert, darin, daß aus den Silikatgesteinen alle Kieselsäure und alle oder fast alle Alkalien und alkalischen Erden aufgelöst und fortgeführt werden, so daß im wesentlichen ein Tonerdehydrat (Hydrargillit, Beauxit) mit einem größeren oder geringeren Gehalt von Eisenhydroxyd (Roteisenerz und Brauneisenerz) übrig bleibt. Dieses Tonerdehydrat ist nicht plastisch und nicht wasserhaltend und muß ursprünglich ebenso wie die Eisenhydroxydverbindungen im wesentlichen in kolloidaler Form vorhanden sein und erst allmählich - beim völligen Austrocknen - in die kristalline Form (Hydrargillit + Roteisenstein) übergehen, wodurch die eigentümliche Veränderung in der physikalischen Beschaffenheit nach dem völligen Austrocknen bedingt wird. Die Eisenhydroxydverbindungen finden sich in und auf dem Laterit verteilt in Form feiner Körnchen und kleiner oder größerer Brocken, Scherben und Klumpen und bedecken zum Teil die Lateritböden in Form mächtiger Schlackenfelder ("Oberflächenlaterit" autorum, Zellenlaterit, Krusteneisenstein). Diese mächtigen, völlig sterilen, alles Wasser verschluckenden und abführenden Eisenkrusten, die auf vielen Lateritböden oben aufliegen und von den meisten Autoren für eine besondere Abart des Laterits ("Oberflächenlaterit") gehalten werden, stehen wahrscheinlich mit der eigentlichen Lateritbildung und mit den im Laterit verteilten Eisenausscheidungen in keinem oder sehr geringem ursächlichen Zusammenhang, sondern sind sekundäre Eisenkrusten, wie sie sich infolge der tropischen Verhältnisse auch auf vielen anderen Gesteinen bilden (Schutzrinden usw.). Allen Lateriten gemeinsam scheint ein gewisser geringer Humusgehalt zu sein. Infolge des völligen oder fast völligen Fehlens der Alkalien, der alkalischen Erden und der Phosphorsäure, also der wichtigsten Pflanzennährstoffe, sowie der nicht plastischen (nicht wasserhaltenden) Beschaffenheit, sind die eigentlichen Laterite außerordentlich unfruchtbare Böden und eine höchst unerfreuliche Erscheinung; sie sind das Restprodukt der tropischen säkularen Verwitterung und sollen in Gebieten, wo sie der Abtragung durch die Atmosphärilien entzogen sind, bis zu 20 m Mächtigkeit und mehr erreichen (Kamerun). Ihre landwirtschaftliche Ausnutzung ist nur in günstigeren Fällen durch intensive Anwendung von künstlichen Düngemitteln (Kainit, Thomasmehl, Düngekalk) zu ermöglichen bzw. rentabel zu gestalten, wie es zum Teil schon in Kamerun geschieht. Im scharfen Gegensatz zu dem eigentlichen Laterit stehen die (gleichfalls rot gefärbten) Rotlehme (s.d.), die - wegen der ähnlichen Farbe - oft mit dem Laterit verwechselt bzw. mit ihm zusammengeworfen werden, sich aber durch plastische Beschaffenheit, wasserhaltende Kraft und Nährstoffreichtum deutlich von ihm unterscheiden und mehr oder minder fruchtbare Böden bilden.

Gagel.