Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 443 f.

Lava, das von tätigen Vulkanen (s.d.) in schmelzflüssigem Zustand geförderte Magma. Zur Zeit des Austritts sind meist schon Kristalle ausgeschieden und Gase entwichen. Sofern die Lava in kleinen oder größeren Stücken bei exp1osiven Ausbrüchen ausgeschleudert wird, erkalten diese zumeist auf ihrem Wege durch die Luft und Fallen als haselnuß- bis welschnußgroße Lapilli oder größere Schlacken, als faust- bis kopfgroße und größere Bomben oder als mächtige Blöcke zu Boden; nicht selten ist aber die Erkaltung nicht weit genug vorgeschritten gewesen, so daß beim Auffallen auf den Boden der plastische Teil des Auswürflings sich der Umgebung noch in Gestalt von Fladen u. dgl. anzupassen vermochte. Die Bomben erlangen häufig bei ihrem Flug durch die Luft gedrehte oder birnförmige Gestalt; bei gasreichen Laven bläht sich aber während des Flugs der Innenteil bimsteinartig auf, so daß die bereits erstarrten Krusten ähnliche Risse, wie eine Brotkruste, erhalten. Sehr fein zerspratzte Lava erkaltet in der Luft in Form von Sand oder Asche. Bei effusiven Ausbrüchen fließt die Lava über den Kraterrand hinweg, oder sie bricht an den Flanken des Vulkans aus und strömt nun, je nach der Unterlage, nach ihrer Temperatur und nach ihrem Kieselsäuregehalt schneller oder langsamer bergabwärts, wobei sie allmählich erstarrt, entweder mit glatter, von Wülsten überzogener oder mit sehr rauher zackiger Oberfläche (Fladen- oder Stricklava, bezw. Block-, Schollen-, Zackenlava). Letztere bildet sich hauptsächlich aus, wenn der Gasgehalt des Magmas stürmisch entweicht. Beide Arten von Laven findet man vielfach in den Vulkanregionen der deutschen Schutzgebiete. Bei manchen Vulkanen füllt die Lava einen Teil des Kraters in Form eines feuerflüssigen Sees aus, aus dem auch wohl Lavafontänen aufsteigen (wie häufig im Matavanukrater auf Sawaii während des Ausbruchs von 1905-1911). - Bei sehr raschem Erkalten kann dünnflüssiges Magma als vulkanisches Glas (Obsidian, s.d.) erstarren, das keine oder nur wenige Kristalle enthält; starke Gasentwicklung kann es zu leichtem Bimstein aufblähen; bei langsamem Erkalten scheidet sich ein großer Teil der Lava oder alles in Form von Kristallen aus. Unter den Bestandteilen der Lava spielt die Kieselsäure eine besonders große Rolle: in manchen Laven (Rhyoliten) sind mehr als 75% der Bestandteile Kieselsäure, in anderen (Trachyten) 65-75%, in wieder anderen (Andesiten) 50-65%, in Basalten aber nur zwischen 40 und 50%. - Im allgemeinen haben die kieselsäurearmen Laven unter gewöhnlichem Druck relativ niedere Schmelztemperatur (zum Teil unter 1100° C), während die kieselsäurereichen Laven nicht unwesentlich höhere Schmelztemperaturen besitzen. Letztere sind meist dickflüssiger, ihre Ströme erreichen daher nicht die Geschwindigkeit und Länge, wie die der basischen Laven, die zuweilen schnell wie Wasser fließen. Wenn die Oberfläche eines Lavastromes erstarrt ist, kann die flüssige Lava im Innern desselben weiterfließen und einen Hohlraum zurücklassen, der später einstürzt und rinnenförmige Vertiefungen im Lavastrom erzeugt (wie vielfach in afrikanischen Vulkangebieten). Unter Umständen kann der Lavatunnel auch lange bestehen bleiben, wie z. B. beim Matavanü-Ausbruch von 1905/11, wo ein Tunnel, dessen Verlauf durch eine Anzahl dampfender Öffnungen erkennbar war, der nachrückenden Lava jahrelang als Weg diente. Die aus einem Lavastrom entweichenden Gase begünstigen oft bestimmte Stellen (Fumarolen) und können hier unter Umständen selbst Lavastücke ausschleudern und zu Lavaschornsteinen oder Sekundärkegelchen aufbauen; sie können aber auch backofenartige "Hornitos" aufwölben.

Sapper.