Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 451

Lere, Stadt am Mao Kebbi in Nordkamerun, im Kebbigneisland. Nach dem deutsch-französischen Abkommen vom November 1911 (s. Erwerbung der deutschen Kolonien 3) gehört sie zur deutschen Kolonie. Sie wurde der Residentur Garua angegliedert und ist Sitz eines Postens. Oberhalb und unterhalb der Stadt bildet der Fluß zwei Seen, den Trewe- und den L.see, weiter unten bei Bipare Stromschnellen. Dennoch gelangen bei Hochwasser Dampfer mit geringem Tiefgang vom Benue bis nach L., und die Eingeborenen fahren in Kanus bis zum Tuburisumpf (s.d.). Über die Möglichkeit einer Wasserverbindung vom Mao Kebbi bis zum Logone s. Tuburi. - L. ist die bedeutendste Stadt der heidnischen Mundang (s.d.), die sich allein von allen umwohnenden Völkern frei von der Unterwerfung durch die Fulbe (s.d. u. Tafel 82) gehalten haben. Der Häuptling oder Sultan hat ein wohlausgebildetes Heer aus Reiterei und Fußvolk, die erstere ist mit Schwertern und Lanzen, das letztere mit Pfeil und Bogen bewaffnet. Die Stadt gleicht einer Festung, Häuser und Mauern sind aus Lehm, die Gebäude eines jeden Gehöfts sind untereinander durch Mauern und Gänge verbunden. In der Umgebung sind zahlreiche Dörfer, deren Einwohner Baumwolle, Mais, Indigo, Schinüsse ernten. In L. ist eine kleine Fulbekolonie, und die Mundang haben bereits die Tracht der Mohammedaner angenommen.

Passarge-Rathjens.