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Lianen, nach H. Schenck alle Pflanzen, "die im Erdboden wurzeln und
im langgliedrigen Stengeln sich anderer Gewächse als Stützen bedienen,
um ihr Laubwerk und ihre Blüten vom Boden zu erheben und in eine zum
Licht
günstige Lage zu bringen. Sie umfassen sowohl Holzpflanzen mit
immergrünen
Blättern, als auch laubabwerfende Klettersträucher, ferner Formen mit
krautigem Stengel, welche nur eine Vegetationsperiode aushalten oder mit
unterirdischen Organen perennieren". Kletter- und Windepflanzen werden
also nach dieser jetzt allgemein angenommenen Definition mit in den
Begriff
einbezogen. Nach der Art, in der das Aufsteigen vom Boden aus geschieht,
lassen sich die L. in 4 Gruppen bringen. 1. Spreizklimmer entwickeln
nach
allen Richtungen hin horizontal abstehende Zweige, die sich zwischen das
Astwerk von Nachbarpflanzen einschieben, und gelangen so von Stützpunkt
zu Stützpunkt immer höher. Die Mehrzahl dieser ist dabei an den Achsen
oder den Blättern mit Dornen bewehrt, die ein Abgleiten verhindern oder
doch erschweren (Kletterrosen, Rotanpalmen). 2. Wurzelkletterer bilden
zumeist an den Knoten, an den Stellen, wo ein Blatt entspringt, entweder
kurze, mit Saugscheiben versehene Haftwurzeln aus (Efeu) oder längere,
sich um die Stütze bandförmig herumlegende Luftwurzeln, die ebenso
wirken
wie der Bindebast, mit dem, der Gärtner Spalierobst an einem Lattenwerk
befestigt (Vanille, viele Araceen). 3. Windepflanzen wachsen
durch eine kreisende Bewegung (Nutation), die der Sproßgipfel ausführt,
korkzieherartig um die Stütze herum (Hopfen,
Gaisblatt). 4. Rankenpflanzen
besitzen
Organe, auf die ein seitlich einwirkender Druck in der Weise einen Reiz
ausübt, daß das Organ dadurch veranlaßt wird, auf der einen vom Druck
betroffenen Seite intensiver zu wachsen als auf der gegenüberliegenden
und sich so um die Stütze zu krümmen. Solche reizbaren Organe sind
Blattstiele
(Waldrebe), fadenartig verlängerte Blattspitzen (Erbsen,
Flagellaria), aus der Umbildung von Blättern oder Zweigen
hervorgegangene
Ranken (Kürbis, Weinstock), endlich Infloreszenzachsen (Landolphia) oder
Dornen (Hakenklimmer). Man nimmt an, daß 9/10 aller L. ihre Heimat in
den Tropen haben und da wieder die Regenwälder
bevorzugen.
Wo diese als unzugänglich oder schwer passierbar geschildert werden,
sind
es in erster Linie die alles verflochtenden L., die das Vorwärtskommen
darin behindern. Nur hier bilden sie dicke, oft Schenkelstärke
erreichende
und verholzende Stämme, nur hier werden
sie 100 und mehr Meter lang und bilden mit ihren Endverzweigungen
gleichsam
ein Dach, das sich den Wipfeln der höchsten Bäume auflagert. - In der
gemäßigten Zone wie in Steppengebieten herrschen krautige Formen vor.
Nützliche L. der Tropen sind die Rotanpalmen (s.d.) und die
kautschukliefernden
Landolphien (s.d.). - Ihrer Verwandtschaft nach gehören sie den
verschiedensten
Familien an, besonders häufig sind sie unter den Araceen, Piperaceen,
Aristolochiaceen, Anonaceen, Leguminosen, Vitaceen, Passifloraceen,
Rhamnaceen,
Sapindaceen, Cucurbitaceen, Convolvulaceen und Rubiaceen.
Literatur: H. Schenck, Beitr. zur Biologie u. Anat. der Lianen in
Bot.
Mitteil. a. d. Tropen. Heft 4 u. 5. Jena 1897 u. 1898.
Volkens. |