Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 457

Lindi, der südöstlichste Bezirk Deutsch-Ostafrikas, genannt nach dem Hauptort, ferner apostolisches Vikariat.
- 1. Der Ort L. liegt an der Nordseite der Mündung des Lukuledi (s.d.), eines kleinen Flusses, der sich schon 20 km oberhalb zu einem Creek (s.d.) erweitert hat. Dieser Creek (s. Tafel 86) wird auch Lindifluß genannt. Er hat bei L. fast 1 km Breite; hier birgt er eine 400 m breite Rinne, die nirgends unter 10 m tief ist. Diese Rinne aber wird durch eine Barre, die bei Niederwasser nur 5 m Tiefe hat, gegen die L.-Bucht abgeschlossen, so daß größere Schiffe nur bei Hochwasser einlaufen können. - L. ist rings von Kokospalmen umgeben, die mit Kasuarinen gemischt auch den Strand zieren. 1 km hinter L. erhebt sich tertiäres Hügelland schnell zu fast 200 m. Etwas geringere Höhen treten auf dem gegenüberliegenden östlichen Ufer dicht an Creek und Bucht heran. Der letzte steile Abfall zum Wasser wird an manchen Stellen durch pleistozäne Riffkalke gebildet. Das Landschaftsbild ist sehr anmutig. L. ist Sitz des Bezirksamts, hat ein Hauptzollamt. Die Zahl der Einwohner dürfte 4000 betragen. Die 3. Kompagnie der Schutztruppe steht hier. Post und Telegraph. Apotheke. Die Regenmenge beträgt 865 mm im 14 jähr. Mittel (Verteilung über das Jahr s. Tabelle unter Deutsch-Ostafrika 4). Die gegenüberliegende Pflanzung Kitunda, 82 m ü. d. M., hat als wärmste Monate den Nov. und Dez. mit je 26.8°, als kühlsten den Juli mit 23.6°, als Jahresmittel der Temperatur 25.3°. Der Wert der Einfuhr war 1908 1,147 Mill. M, der der Ausfuhr 0,623; die entsprechenden Zahlen für 1912 sind 1,833 und 2,116. Die Steigerung (s.a. Mikindani) rührt von der Entwicklung der Pflanzungen her (s.u.). Mehr als die Hälfte der Einfuhr bestand 1912 aus Textilwaren, demnächst waren Nahrungsmittel wichtig, in der Ausfuhr steht Sisal an erster Stelle, demnächst Plantagenkautschuk; auch Sesam und Erdnüsse, Wachs und Elfenbein sind erhebliche Posten, neuerdings kommt Baumwolle hinzu. Der Hafenverkehr wies 1908 an ankommenden Schiffen 34 Dampfer der Deutsch-Ostafrikalinie und 52 des Gouvernements mit zusammen 104870 Registertonnen (seither keine Einzelangaben mehr für L. veröffentlicht) auf, ferner 304 Dhaus mit 6073 cbm Rauminhalt. Die Zahlen für den Dhauverkehr waren 1911 nur noch 131 und 3780. 2. Der Bezirk L. liegt zwischen Rowuma und Mbemkuru, ist ungefähr 48100 qkm groß. Er umfaßt außer Nakonde- (s.d.) und Muera (s.d.)Hochland noch mehrere kleinere, küstennahe Plateaus, binnenwärts die kleine Landschaft der Madjedjeberge (s. Madjedje) und die weiten Flächen des menschenarmen Mahi (s.d.), auch Makuasteppe genannt. An der Küste selbst liegen noch an bedeutenden Orten Mtschinga, Mikindani, Kionga, Ssudi, im Innern ist Massassi zu nennen (s. diese). Nebenstellen des Bezirksamts L. liegen außer in den beiden ersteren noch in Newala (s.d.) und Tunduru (s. Mlahi). - Die Eingeborene Bevölkerung wurde für Anfang 1913 zu 395500 geschätzt, die nichteingeborene Farbige war 729, die europäische 151 Köpfe stark; die Bevölkerungsdichte war 8,2. L. ist sehr arm an Vieh. Anfang 1913 waren 70 Stück Rinder, 600 Schafe, 17700 Ziegen im Besitz der Eingeborenen; die Europäer hatten in 16 Betrieben nur 71, Rinder, 526 Stück Kleinvieh, 56 Schweine. Fast überall in der Nähe der Küste blühen im Bezirk jetzt Pflanzungen auf. 1913 waren 6 Pflanzungsgesellschaften mit 11 Pflanzungen, sowie 14 selbständige Pflanzer im Bezirk tätig. Das Gesamtareal der Pflanzungen betrug 1908 150 qkm, davon waren 42 bebaut. In den vier Jahren 1909/12 wurden 21 Verkäufe und 19 Verpachtungen vom Gouvernement ausgeführt, die sich auf Flächen von 16,6 und 124,2 qkm bezogen. Es werden hauptsächlich angepflanzt Sisal, Manihot-Kautschuk, Kokospalmen (besonders im Süden), Baumwolle. Die leidlich sicheren Regenverhältnisse des kontinentalen Passatklimas sind diesen Unternehmungen günstig (s. Deutsch-Ostafrika 4). Karten: Lindi-Bucht bis Kap Delgado, 1: 150 000, D. Admiral.-K. Nr. 131, 1897. - Lindi-Bucht, 1:25000 mit Plan: Lindi, 1:5000, ebenda Nr. 125,1911. -S. auch Mikindani, Mtschinga. Uhlig. 3. Das apostolische Vikariat L. der Benediktus-Missionsgenossenschaft im südlichsten Teile Deutsch-Ostafrikas vom Meere bis zum Tanganjikasee, 1913 errichtet, zählt die Hauptstationen Lindi, Namupa, Ndanda, Lukuledi im östlichen und Peramiho und Kigonsera im westlichen Teile.

Schmidlin.