Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 462 f.

Lome, an der Küste gelegene Hauptstadt von Togo, in welcher die Zentralverwaltung des Schutzgebietes (s. Togo, 15. Verwaltung), die Lokalverwaltung des Stadtbezirkes L. (Bezirksamt L.-Stadt) und die des gleichnamigen Landbezirks (Bezirksamt L.-Land) ihren Sitz haben. L. ist ferner der Sitz des Bezirksgerichts, der im Schutzgebiet errichteten Bergbehörde, eines Regierungsarztes, dem zugleich die Leitung des Königin-Charlotte-Krankenhauses, des vorhandenen Eingeborenenkrankenhauses und der Poliklinik für Eingeborene obliegt, einer Regierungsapotheke, eines Hauptzollamtes und eines Hafenamtes. In L. befinden sich die Regierungswerkstätten, die Regierungsfortbildungsschule, eine Regierungs(Volks- )schule, eine Post- und Telegraphenanstalt und eine Kabelstation der Deutsch- Südamerikanischen Kabelgesellschaft. Die in L. errichtete Landungsbrücke, das Eingangstor des Schutzgebietes, die von L. ausgehenden drei Eisenbahnen und die in L. befindlichen Eisenbahnwerkstätten, alles Verkehrsanlagen des Schutzgebietsfiskus werden von der Deutschen Kolonial-Eisenbahnbau-und Betriebsgesellschaft (D.K.G.) betrieben, welche in L. eine Niederlassung mit größerem Verwaltungskörper eingerichtet hat. - L. ist der Sitz des Präses der Norddeutsehen Missionsgesellschaft, welche in L. eine unter Leitung von Europäern stehende Hauptstation, eine Schwesternniederlassung und eine Buchhandlung unterhält. In L. hat ferner der Apostolische Präfekt der in Togo tätigen katholischen Steyler Mission seinen Sitz, welche in L. eine Hauptstation mit Werkstätten und Druckerei sowie eine Schwesternniederlassung unterhält. Beide Missionen haben in L. je eine stattliche Kirche (s. Tafel 135) errichtet. 9 deutsche Handelshäuser und 1 englisches Handelshaus haben in L. Faktoreien in Betrieb; auch die Deutsch-Westafrikanische Bank unterhält in L. eine Niederlassung, der eine öffentliche Sparkasse angegliedert ist. Die Woermann-Linie ist durch eine Agentur vertreten. Eine Art Handelskammer bildet die in L. bestehende Vereinigung der L.kaufleute. In L. befinden sich ferner noch eine Aufbereitungsanlage für Ölpalmenprodukte, 1 Seifenfabrik, 1 Hotel, 1 Baugeschäft und 1 Tischler- und Wagenbauwerkstätte. Der unter behördlicher Aufsicht stehende Regierungsschlachthof wird von eingeborenen Schlächtern benutzt. - Die weiße Bevölkerung der Stadt L. zählt rund 190, die Eingeborenenbevölkerung rund 7000 Köpfe. Die Eingeborenen sind aus zahlreichen Stämmen des Schutzgebietes Togo und seiner Nachbargebiete zusammengewürfelt; das Eweelement ist überwiegend. Die Eingeborenen sind meist Händler, Angestellte der Regierung oder der Privatunternehmer, Handwerker u. dgl. 1912/13 befanden sich in L. folgende farbige Handwerker: 143 Tischler und Zimmerleute, 60 Schlosser und Schmiede, 45 Maurer, 1 Photograph, 52 Bootsleute, 13 Küfer, 63 Schneider, 10 Schuster, 29 Fischer, 28 Fleischer, 92 Köche, 36 Goldschmiede und 70 Waschleute. - Mittlere jährliche Regenmenge 723 mm (Mittel aus 12-14 Beobachtungsjahren). - Während der Amtsbereich des Bezirksamts L.-Stadt sich nur auf die Stadt L. beschränkt, umfaßt der Amtsbereich des Bezirksamts L.-Land das Gebiet von der Westgrenze des Schutzgebiets bzw. der Ostgrenze der Landschaften Waja und Agotime bis an das Westufer des Togosees bzw. bis an den Hahofluß und von der Küste bis zur Südgrenze der Landschaften Gadja und Nuatjä. Die Eingeborenenbevölkerung dieses Gebietes ausschließlich der Stadt L. beträgt rund 136000 Köpfe; auf 1 qkm treffen 37,45 Personen. Fast die gesamte Eingeborenenbevölkerung gehört dem Ewestamm (s. Ewe) an. Die Eingeborenen sind vorzugsweise Ackerbauer und Händler. Bei Tagblekovhe, 18 km nördlich von L., befindet sich eine kleine Telefunkenstation.

v. Zech.