Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 472

Mädchenschulen. 1. Der Unterricht der eingeborenen Mädchen wird in den Schutzgebieten meist den Missionen überlassen. Die Mädchenabteilung der Regierungsschule in Victoria (Kamerun) wurde 1907/08 wegen wenig befriedigender Lehrerfolge und Bedenken in sittlicher Hinsicht aufgelöst. Dagegen sind in der Regierungsschule von Duala seit Beginn stets Mädchen unterrichtet worden. In Saipan (Marianen) besteht eine Regierungsschule, in der Knaben und Mädchen der Chamorro (s.d.) und Karoliner gemeinsam unterrichtet werden; an dem Handarbeitsunterricht für Mädchen nahmen 1911 gegen 70 Mädchen teil. Von seiten der Missionen findet der Unterricht der Mädchen teils gemeinsam mit dem der Knaben, teils getrennt statt. Vorwiegend arbeiten an ihrer Erziehung Lehrerinnen und Schwestern, die neben der Religion das Hauptgewicht auf Handarbeiten (Nähen, Stricken usw.) legen. In Togo wurde in den Lehrplan der M. der Missionen auch die Ausbildung der Mädchen an Haushaltungsmaschinen mit Handbetrieb (Maismahler, Maismühlen, Kassadaraspel, Kerneknacker, Waschapparate) aufgenommen. Auf eine Ausbildung in häuslichen und wirtschaftlichen Arbeiten ist bei den eingeborenen Mädchen mehr Wert zu legen, wie auf Lesen, Schreiben, Rechnen usw., da sie meist früh heiraten und zu wirtschaftlichen Arbeiten besonders herangezogen werden. - 2. Soweit in den Kolonien Europäerschulen bestehen, ist auch für den Unterricht der Mädchen Sorge getragen. Im Jahre 1913 wurden in Deutsch-Südwestafrika in 17 Regierungsschulen und 3 Privatschulen insgesamt 775 Kinder, darunter 405 Mädchen unterrichtet. Ferner befanden sich auf den Realschulen in Windhuk und Swakopmund unter 87 Zöglingen 30 Mädchen. Die Koedukation der Knaben und Mädchen ist hier schon aus räumlichen und finanziellen Gründen geboten. In Deutsch- Ostafrika wurde die Europäerschule in Daressalam im Jahre 1911 von 15 Zöglingen, darunter 7 Mädchen, besucht, die in Leganga am Kilimandscharo von 20 Zöglingen, darunter 9 Mädchen, die Burenschule am Nordmeru von 15 Schülern, Knaben und Mädchen, die Karlsschule der Berliner Missionsgesellschaft in Tandala von 7 Knaben und 6 Mädchen, die Ansiedlerschule in Hohenfriedeberg von 7, die Europäerschule der Benediktiner in Daressalam von 13 Kindern, Knaben und Mädchen. In Deutsch-Neuguinea kommen in Betracht die Regierungsschule in Namanula am Regierungssitz Rabaul (1911 7 Knaben, 3 Mädchen), für Samoa die Regierungsschule für weiße und Mischlingskinder mit 31 Knaben und 49 Mädchen (1913). In der Gouvernementsschule zu Tsingtau findet der Unterricht von Knaben und Mädchen gemeinsam statt, eine dort eingerichtete besondere Mädchenklasse war nur sehr schwach besucht. S.a. Schulen, Regierungsschulen, Missionsschulwesen, Höhere Schulen.

v. König.