Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 594

Möwen, Laridae, die ersten Seevögel, die dem Binnenländer an der Meeresküste begegnen, wenn er eine Seereise antritt, die ihn begleiten, solange die Küste in Sicht ist, und ihm wieder begegnen, wo er sich dem Lande nähert, auffallend durch ihr vorherrschend weißes Gefieder, den leichten, gleichmäßigen Flug und die kreischenden Stimmlaute, mit denen sie sich um die herausgeworfenen Küchenabfälle der Schiffe oder um Fische streiten. Von den bekannten, etwa 120 Arten, die über die ganze Erde verbreitet sind, ist an den deutschen Küsten am häufigsten die Sturm-M., L. canus L. und die größere Silber-M., L. argentatus Brünn., mit silbergrauem Rücken, seltener die noch größere Mantel-M., L. marinus L., mit schieferschwarzem Rücken. Weiter draußen auf dem Meere erscheint als Begleiterin der Schiffe, besonders im Herbst, die Stummel-M., Rissa tridactyla (L.). An der westafrikanischen Küste ist die südliche Herings-M., L. dominicanus Lcht., in der Färbung der Mantel-M., aber kleiner, häufiger, an der ostafrikanischen Küste L. hemprichi (Bruch), mit braunem Kopf. Bei Tsingtau wird die sibirische Silber-M., L. vegae Palmén angetroffen neben der kleineren L. canus. An der Küste von Deutsch-Neuguinea, auf den Bismarckinseln und im deutschen Teil Polynesiens ist noch keine echte M. nachgewiesen. - Zur Gruppe der M. gehören auch die Seeschwalben (s.d.).

Reichenow.