Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 473 f.

Mafia, die südlichste der drei großen Inseln des Sansibararchipels (s.d.); sie allein gehört politisch zu Deutsch-Ostafrika. M. liegt dem Festland am nächsten mit knapp 17 km Abstand. Die Größe beträgt 484 qkm. Eine Hebung von nur 17 m würde eine Landbrücke durch den flachen Mafiakanal schlagen, der erst in nachtertiärer Zeit entstanden sein dürfte. Hierauf weisen die jungtertiären oder altquartären Deckschichten festländischen Ursprungs hin, unter denen gelegentlich etwas ältere Kalke auftreten. Die Ostküste der Insel ist in etwa 1 km Breite von quartären Riffkalken eingesäumt, aus denen die südwärts benachbarten kleinen Inseln Dschuani. (s. Kilwa-Kissiwani) und Kibondo fast ausschließlich bestehen. Hier liegt ein alter Festlandsrand, hier fällt der Meeresboden ostwärts schnell zu bedeutenden Tiefen. Diese junge Kalkplatte ist ein Karstgebiet mit entsprechender dürftiger Vegetation (vgl. Pemba und Sansibar). Die übrigen Teile der Insel tragen das kräftige Pflanzenkleid der Küstenstriche. Die Niederschläge übertreffen die der benachbarten Küste erheblich. Die Pflanzung Utumaini hatte 1714 mm im vierjährigen, der Ort Tschole (s.u.) hat 1321 mm Regen im achtjährigen Mittel. Mangobaum und Kokospalme sind heute wesentlichste Züge im Landschaftsbild. Die Kokospalme tritt auf M. in einer besonders wertvollen Kulturvarietät auf. Außer den eingeborenen Wasuaheli (s. Suaheli) und Arabern (s.d.) befassen sich fünf von Europäern geleitete Betriebe mit ihrem Anbau. Die Kopra, die jetzt von über eine Million Bäumen gewonnen wird, ist der wichtigste Handelsgegenstand von M. (s. Kokospalme). Auch sonst ist der Anbau des sehr flachhügligen M., das kaum irgendwo 50 m Meereshöhe erreicht, gut. Die Suaheli nennen M. Tschole-schamba (Choleshamba), d.h. Tschole-Pflanzung, im Gegensatz zu dem kleinen Inselchen Tschole- mjini, d.h. T. in der Stadt. Diese knapp einen qkm große Insel, M. südöstlich vorgelagert, ist trotz ihres schlechten Hafens noch heute der Haupthandelsplatz, hat Post, Zollposten und war bis 1913 zugleich der Sitz einer Nebenstelle des Bezirksamts Kilwa. In Tschole sitzen 14 von etwa 50 indischen und arabischen Handelsfirmen von M. samt Nebeninseln; hierzu kommen noch 3 europäische Firmen. Die Gouvernementsdampfer laufen Kilindoni (Nebenzollamt) an der Westküste von M. an, wohin 1913 der Sitz der Nebenstelle verlegt wurde. Die Bevölkerung der Inseln wurde 1895 zu 6000 geschätzt. Sie dürfte heute nahezu doppelt so groß sein.

Literatur: O. Baumann, Der Sansibar-Archipel. I. Die Insel Mafia. Wiss. Veröff. Ver. f. Erdk. zu Lpz. III, 1899. - W. Bornhardt. Beitr. z. Oberflächengest. u. Geol. Deutsch-Ostafrikas. Berl. 1900.

Uhlig.