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Mais, Zea Mays L. (s. Tafel
117). 1. Herkunft und Botanisches. 2. Verwertung
und Chemisches. 3. Anbau. 4. Wichtigste Krankheiten und Schädlinge. 5.
Verbreitung der M.-Kultur in den deutschen Kolonien und Ausfuhren.
1. Herkunft und Botanisches. Der M. stammt aus Amerika (Name "maiz" aus
[ausgestorbener] Sprache Haitis) und ist in den wärmeren Zonen der ganzen Welt
eingebürgert. Nach Afrika ist er jedenfalls von beiden Seiten her eingewandert
und vom Neger schnell aufgenommen worden, da er in
das System des Hackbaus paßt. (Geschichtliches bei Stuhlmann). Bis 6 m hoch
werdendes tiefwurzelndes Gras; Stengel meist unverzweigt; Blätter 30-120 cm
lang, 5-12 cm breit; männliche und weibliche Blütenstände im allgemeinen
getrennt (Ausnahmen selten); weibliche Ähren zu 2-3 in den Blattachseln stehend,
kolbenförmig, von zahlreichen häutigen Hüllblättern umschlossen, aus denen die
langen, seidenartig glänzenden Fanghaare der Griffel hervorragen; an der Spitze
des Halmes die männlichen Blüten, zu einer großen, pyramidenförmigen Ähre
angeordnet. Varietäten und Spielarten. Die etwa 300 näher untersuchten und
klassifizierten (recht variablen) Spielarten lassen sich (nach Sturtevant) in
folgende 6 Gruppen (Varietäten) einreihen, deren Grundformen große Beständigkeit
der Merkmale aufweisen: 1. (var. vaginata) Balgmais, Hülsenmais, leicht von allen anderen zu
unterscheiden durch krautige, die Frucht einhüllende Spelzen; wird kaum noch
angebaut. 2. Zahnmais (var. indentata). Die
Samen laufen deutlich in einen Zahn aus; das mehlige Innere wird nur an den
Seiten von einer dünnen, hornig verhärteten Schicht umhüllt. 3. Weichkorn, Weichmais (var. amylacea). Den Samen
fehlt jegliche Hornumhüllung, sie bilden eine einheitliche mehlige Masse.
Hierher gehört auch der "Pferdezahnmais",
dessen Samen vom Rücken her stark zusammengedrückt sind und an der abgestutzten
Spitze eine quer verlaufende Vertiefung zeigen. Dieser vorwiegend in den
gemäßigten Zonen, besonders in Nordamerika zu Hause. Weichmais zur
Stärkefabrikation vornehmlich geeignet, so auch der Togomais. 4. Steinmais (var. indurata). Samen besitzen eine
stark ausgebildete glasige oder hornige Hülle, sind härter und haltbarer als die
übrigen Sorten, auch weniger dem Insektenfraß ausgesetzt, aber andererseits zur
Mehlbereitung weniger geeignet. 5. Zuckermais
(var. saccharata), ausgezeichnet durch Zuckergehalt und daher süßen Geschmack
der Samen, die eine äußere glasige Stärkeschicht aufweisen. Nicht zur
Korngewinnung, sondern nur als Grünfutter
oder zur Verwendung der halbreifen Kolben als Gemüse angebaut. 6. Knall- oder Puffmais (var. everta), aus Chile stammende,
zwerghafte Varietät. Die mehligen, wasserhaltigen Samen springen beim Erhitzen
unter deutlichem Knall auf, wobei der Inhalt als schneeige weiße Masse
hervorquillt. - Die in den deutschen Kolonien eingebürgerten Formen sind
botanisch noch wenig bekannt; der Togomais gehört in die Weichmaisgruppe. In
Deutsch-Südwestafrika hat man neuerdings verschiedene Spielarten (auch aus
Deutschland) für vergleichende Anbauversuche eingeführt.
2. Verwertung und Chemisches. Mais wird in erster Linie als Mehlgetreide
angebaut. Das Mehl läßt sich seiner Kleberarmut wegen nicht verbacken. In der
Stärkeindustrie sind die Weichmaissorten begehrt. Ausgedehnte Verwendung der
Samen in allen Kulturländern als Futtermittel. Die Samen enthalten 4,6-8,6% Öl,
8-12% Eiweiß und 60-70% Kohlenhydrate. Ferner unreif geschnitten, als "Grünmais"
für Futterzwecke sehr geeignet. Liefert hierbei, breitwürfig in Gemenge mit
Leguminosen oder in Drillsaat als Reinkultur engstehend große Nährstoffmengen
auf der Flächeneinheit, allerdings relativ wenig Stickstoff. Daher
proteinreiches Beifutter erforderlich. Auch die abgeernteten trockenen Halme
dienen geschnitten oder gequetscht in einigen Ländern als Futtermittel,
anderwärts als Feuerungsmaterial (hoher Heizwert!).
3. Anbau. Von allen aus den Tropen stammenden Nutzpflanzen besitzt der M. die höchste
Anpassungsfähigkeit,
die größte "Beugsamkeit der Organisation" (Humboldt). Anbaugrenzen in Amerika bei 51° n. Br.
und in Patagonien. Höhengrenzen vom tropischen Tiefland bis 3500 m M.
H. (Cuzco, Peru). Die einzelnen, den örtlichen klimatischen Bedingungen
angepaßten Varietäten lassen sich aber nicht willkürlich von einem
Anbaubezirk
in den anderen verpflanzen, da sie sehr verschiedene Ansprüche an Klima und Boden stellen. In der ersten Hälfte der
Entwicklungsperiode
gebraucht der M. eine gewisse Luftfeuchtigkeit und häufigere warme Regen,
später viel Sonne und Wärme. M. verlangt tiefgründigen, mürben Boden,
frei von stagnierendem Grundwasser. Schwerer bindiger Ton und leichter Sand sagen ihm wenig zu. Gute Kultur
für Neuland wegen Tiefgangs der Wurzeln und Beschattung. Da M. ein
starker
"Sauger", ist bei gehäuftem Anbau Vorsicht geboten; auf leichtem Boden
gute Düngung nötig. - Fruchtfolge: M. gedeiht nach jeder Vorfrucht,
ist in der Rotation bei Baumwollekultur beliebt. Erfordert auf älterem
Kulturland tiefere Bodenbearbeitung
und hinterläßt daher der Nachfrucht einen gut vorbereiteten Acker.
Kultur
in Reihensaat am besten, auf nassem Gelände und bei Bewässerung auf
Kämmen
oder angehäufelten Hügeln. Reifedauer je nach Varietät und Sorte sehr
verschieden. Kleinkörnige Sorten besonders für gemäßigte Klimate
geeignet
(wie z.B. der badische Früh-M.), 2 1/2-3 Monate; großkörnige, mehr Wärme
verlangend, mit 4 1/2-6 Monaten Reifezeit. Frühreife Sorten geben in den
Tropen, stellenweise auch in den Subtropen zwei Ernten im Jahr. Ernte erfolgt,
wenn
die Hüllblätter der Kolben gelb und trocken, die Körner aber noch nicht
völlig hart sind. Sorgfältiges Nachtrocknen sowohl für Saatgut wie für
Exportware dringend erforderlich. (S. Tafel 117.) - Erträge schwanken
je nach Sorte und Wachstumsbedingungen. Gute Mittelernte mindestens 40
dz pro ha.
4. Wichtigste Krankheiten und Schädlinge. a) Pflanzliche Parasiten: Ustilago
Maidis Lev., der Erreger des Maisbrandes, befällt die reifenden M.kolben und
wandelt sie unter starken Auftreibungen in eine von dünner, weißlicher Haut
umgebene pulverige schwarze Masse um; Diplodia Zeae (Schw.) Lev., ebenfalls die
Fruchtkolben zerstörend, namentlich in Nordamerika verbreitet. - b) Tierische
Schädlinge: Stengelbohrer, verschiedene
Schmetterlinge, deren Raupen im Innern der
Stengel leben und das Mark mehr oder weniger
aufzehren; so Sesamia nonagrioides Lef. und Diatraea orichalcociella Strand,
beide in Ostafrika. (Näheres über ersteren bei
Busse, über Diatraea bei Morstatt); von Blattschädlingen u. a. ein Marienkäfer Epilachna similis, der das
Blattgewebe auffrißt; am gefährlichsten, weil Saatgut und Ausfuhrware
zerstörend, der Reiskäfer, Calandra oryzae
L. und die Getreidemotte, Sitotzoga cerealella, beide in Afrika weit verbreitet.
(Näheres bei Morstatt.)
5. Verbreitung der Maiskultur in den deutschen Kolonien und Ausfuhren. Deutsch-Ostafrika (Näheres
bei Stuhlmann); Kamerun (sporadisch fast im ganzen Schutzgebiet
verbreitet,
daselbst noch große Entwicklungsmöglichkeiten); Deutsch-Südwestafrika (s.o.),
Maisbau
in den Ackerbaubezirken des Nordens stark zunehmend; Togo, namentlich im Süden sehr ausgedehnter Maisbau,
zeitweilig mit hohen Exporten (s.u.); Deutsch-Neuguinea,
in der Kulturzone. Von zeitweiligen geringfügigen Exporten aus Deutsch-Ostafrika
abgesehen, kommt vorläufig nur Togo als Ausfuhrgebiet in Betracht. Die
Entwicklung des dortigen Maisexports, der lediglich aus Eingeborenenkulturen stammt, ist
höchst
interessant. Beginnend 1904 mit 700 t (im Werte von 40000 M) schnellt
die Ziffer bis 1908 stark in die Höhe: 30200 t (im Werte von 2050000 M,
um bis 1912 ebenso rapide zu Fallen: 1365
t (im Werte von 231000 M). Ursachen des Rückgangs (worüber Näheres in
Denkschr. Schutzgeb. und Amtl. Jahresber.) u. a. Witterungsverhältnisse,
Konkurrenz anderer Kulturen, Erschöpfung des Bodens (s.o.).
Literatur: Körnicke u. Werner, Handbuch d. Getreidebaus, Bd. II,
1885.
.- Semler, Trop. Agrikultur, 2. Aufl., Bd. III, 1903. - Fesca,
Pflanzenbau i. d. Tropen u. Subtropen, Bd. I,1904.
- J. Burtt-Davis, Maize, its history, cultivation, handling and uses.
Lond. 1914. - Sawer, Natal Agricultural Journal X, 1907 Nr. 2 ff. -
Stuhlmann,
Beitr. z. Kulturgesch. Ostafrikas 1909. - Schädlinge betr.: Busse in
Arb.
Biolog. Abt. Ksl. Gesundh.-Amts IV, 1904 S. 405 ff. - Morstatt in
"Pflanzer"
VII, 1911 Heft 10. - Ders., Ebenda VIII, 1912 Heft 5.
Busse. |