Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 478 ff.

Mais, Zea Mays L. (s. Tafel 117). 1. Herkunft und Botanisches. 2. Verwertung und Chemisches. 3. Anbau. 4. Wichtigste Krankheiten und Schädlinge. 5. Verbreitung der M.-Kultur in den deutschen Kolonien und Ausfuhren.

1. Herkunft und Botanisches. Der M. stammt aus Amerika (Name "maiz" aus [ausgestorbener] Sprache Haitis) und ist in den wärmeren Zonen der ganzen Welt eingebürgert. Nach Afrika ist er jedenfalls von beiden Seiten her eingewandert und vom Neger schnell aufgenommen worden, da er in das System des Hackbaus paßt. (Geschichtliches bei Stuhlmann). Bis 6 m hoch werdendes tiefwurzelndes Gras; Stengel meist unverzweigt; Blätter 30-120 cm lang, 5-12 cm breit; männliche und weibliche Blütenstände im allgemeinen getrennt (Ausnahmen selten); weibliche Ähren zu 2-3 in den Blattachseln stehend, kolbenförmig, von zahlreichen häutigen Hüllblättern umschlossen, aus denen die langen, seidenartig glänzenden Fanghaare der Griffel hervorragen; an der Spitze des Halmes die männlichen Blüten, zu einer großen, pyramidenförmigen Ähre angeordnet. Varietäten und Spielarten. Die etwa 300 näher untersuchten und klassifizierten (recht variablen) Spielarten lassen sich (nach Sturtevant) in folgende 6 Gruppen (Varietäten) einreihen, deren Grundformen große Beständigkeit der Merkmale aufweisen: 1. (var. vaginata) Balgmais, Hülsenmais, leicht von allen anderen zu unterscheiden durch krautige, die Frucht einhüllende Spelzen; wird kaum noch angebaut. 2. Zahnmais (var. indentata). Die Samen laufen deutlich in einen Zahn aus; das mehlige Innere wird nur an den Seiten von einer dünnen, hornig verhärteten Schicht umhüllt. 3. Weichkorn, Weichmais (var. amylacea). Den Samen fehlt jegliche Hornumhüllung, sie bilden eine einheitliche mehlige Masse. Hierher gehört auch der "Pferdezahnmais", dessen Samen vom Rücken her stark zusammengedrückt sind und an der abgestutzten Spitze eine quer verlaufende Vertiefung zeigen. Dieser vorwiegend in den gemäßigten Zonen, besonders in Nordamerika zu Hause. Weichmais zur Stärkefabrikation vornehmlich geeignet, so auch der Togomais. 4. Steinmais (var. indurata). Samen besitzen eine stark ausgebildete glasige oder hornige Hülle, sind härter und haltbarer als die übrigen Sorten, auch weniger dem Insektenfraß ausgesetzt, aber andererseits zur Mehlbereitung weniger geeignet. 5. Zuckermais (var. saccharata), ausgezeichnet durch Zuckergehalt und daher süßen Geschmack der Samen, die eine äußere glasige Stärkeschicht aufweisen. Nicht zur Korngewinnung, sondern nur als Grünfutter oder zur Verwendung der halbreifen Kolben als Gemüse angebaut. 6. Knall- oder Puffmais (var. everta), aus Chile stammende, zwerghafte Varietät. Die mehligen, wasserhaltigen Samen springen beim Erhitzen unter deutlichem Knall auf, wobei der Inhalt als schneeige weiße Masse hervorquillt. - Die in den deutschen Kolonien eingebürgerten Formen sind botanisch noch wenig bekannt; der Togomais gehört in die Weichmaisgruppe. In Deutsch-Südwestafrika hat man neuerdings verschiedene Spielarten (auch aus Deutschland) für vergleichende Anbauversuche eingeführt.

2. Verwertung und Chemisches. Mais wird in erster Linie als Mehlgetreide angebaut. Das Mehl läßt sich seiner Kleberarmut wegen nicht verbacken. In der Stärkeindustrie sind die Weichmaissorten begehrt. Ausgedehnte Verwendung der Samen in allen Kulturländern als Futtermittel. Die Samen enthalten 4,6-8,6% Öl, 8-12% Eiweiß und 60-70% Kohlenhydrate. Ferner unreif geschnitten, als "Grünmais" für Futterzwecke sehr geeignet. Liefert hierbei, breitwürfig in Gemenge mit Leguminosen oder in Drillsaat als Reinkultur engstehend große Nährstoffmengen auf der Flächeneinheit, allerdings relativ wenig Stickstoff. Daher proteinreiches Beifutter erforderlich. Auch die abgeernteten trockenen Halme dienen geschnitten oder gequetscht in einigen Ländern als Futtermittel, anderwärts als Feuerungsmaterial (hoher Heizwert!).

3. Anbau. Von allen aus den Tropen stammenden Nutzpflanzen besitzt der M. die höchste Anpassungsfähigkeit, die größte "Beugsamkeit der Organisation" (Humboldt). Anbaugrenzen in Amerika bei 51° n. Br. und in Patagonien. Höhengrenzen vom tropischen Tiefland bis 3500 m M. H. (Cuzco, Peru). Die einzelnen, den örtlichen klimatischen Bedingungen angepaßten Varietäten lassen sich aber nicht willkürlich von einem Anbaubezirk in den anderen verpflanzen, da sie sehr verschiedene Ansprüche an Klima und Boden stellen. In der ersten Hälfte der Entwicklungsperiode gebraucht der M. eine gewisse Luftfeuchtigkeit und häufigere warme Regen, später viel Sonne und Wärme. M. verlangt tiefgründigen, mürben Boden, frei von stagnierendem Grundwasser. Schwerer bindiger Ton und leichter Sand sagen ihm wenig zu. Gute Kultur für Neuland wegen Tiefgangs der Wurzeln und Beschattung. Da M. ein starker "Sauger", ist bei gehäuftem Anbau Vorsicht geboten; auf leichtem Boden gute Düngung nötig. - Fruchtfolge: M. gedeiht nach jeder Vorfrucht, ist in der Rotation bei Baumwollekultur beliebt. Erfordert auf älterem Kulturland tiefere Bodenbearbeitung und hinterläßt daher der Nachfrucht einen gut vorbereiteten Acker. Kultur in Reihensaat am besten, auf nassem Gelände und bei Bewässerung auf Kämmen oder angehäufelten Hügeln. Reifedauer je nach Varietät und Sorte sehr verschieden. Kleinkörnige Sorten besonders für gemäßigte Klimate geeignet (wie z.B. der badische Früh-M.), 2 1/2-3 Monate; großkörnige, mehr Wärme verlangend, mit 4 1/2-6 Monaten Reifezeit. Frühreife Sorten geben in den Tropen, stellenweise auch in den Subtropen zwei Ernten im Jahr. Ernte erfolgt, wenn die Hüllblätter der Kolben gelb und trocken, die Körner aber noch nicht völlig hart sind. Sorgfältiges Nachtrocknen sowohl für Saatgut wie für Exportware dringend erforderlich. (S. Tafel 117.) - Erträge schwanken je nach Sorte und Wachstumsbedingungen. Gute Mittelernte mindestens 40 dz pro ha.

4. Wichtigste Krankheiten und Schädlinge. a) Pflanzliche Parasiten: Ustilago Maidis Lev., der Erreger des Maisbrandes, befällt die reifenden M.kolben und wandelt sie unter starken Auftreibungen in eine von dünner, weißlicher Haut umgebene pulverige schwarze Masse um; Diplodia Zeae (Schw.) Lev., ebenfalls die Fruchtkolben zerstörend, namentlich in Nordamerika verbreitet. - b) Tierische Schädlinge: Stengelbohrer, verschiedene Schmetterlinge, deren Raupen im Innern der Stengel leben und das Mark mehr oder weniger aufzehren; so Sesamia nonagrioides Lef. und Diatraea orichalcociella Strand, beide in Ostafrika. (Näheres über ersteren bei Busse, über Diatraea bei Morstatt); von Blattschädlingen u. a. ein Marienkäfer Epilachna similis, der das Blattgewebe auffrißt; am gefährlichsten, weil Saatgut und Ausfuhrware zerstörend, der Reiskäfer, Calandra oryzae L. und die Getreidemotte, Sitotzoga cerealella, beide in Afrika weit verbreitet. (Näheres bei Morstatt.)

5. Verbreitung der Maiskultur in den deutschen Kolonien und Ausfuhren. Deutsch-Ostafrika (Näheres bei Stuhlmann); Kamerun (sporadisch fast im ganzen Schutzgebiet verbreitet, daselbst noch große Entwicklungsmöglichkeiten); Deutsch-Südwestafrika (s.o.), Maisbau in den Ackerbaubezirken des Nordens stark zunehmend; Togo, namentlich im Süden sehr ausgedehnter Maisbau, zeitweilig mit hohen Exporten (s.u.); Deutsch-Neuguinea, in der Kulturzone. Von zeitweiligen geringfügigen Exporten aus Deutsch-Ostafrika abgesehen, kommt vorläufig nur Togo als Ausfuhrgebiet in Betracht. Die Entwicklung des dortigen Maisexports, der lediglich aus Eingeborenenkulturen stammt, ist höchst interessant. Beginnend 1904 mit 700 t (im Werte von 40000 M) schnellt die Ziffer bis 1908 stark in die Höhe: 30200 t (im Werte von 2050000 M, um bis 1912 ebenso rapide zu Fallen: 1365 t (im Werte von 231000 M). Ursachen des Rückgangs (worüber Näheres in Denkschr. Schutzgeb. und Amtl. Jahresber.) u. a. Witterungsverhältnisse, Konkurrenz anderer Kulturen, Erschöpfung des Bodens (s.o.).

Literatur: Körnicke u. Werner, Handbuch d. Getreidebaus, Bd. II, 1885. .- Semler, Trop. Agrikultur, 2. Aufl., Bd. III, 1903. - Fesca, Pflanzenbau i. d. Tropen u. Subtropen, Bd. I,1904. - J. Burtt-Davis, Maize, its history, cultivation, handling and uses. Lond. 1914. - Sawer, Natal Agricultural Journal X, 1907 Nr. 2 ff. - Stuhlmann, Beitr. z. Kulturgesch. Ostafrikas 1909. - Schädlinge betr.: Busse in Arb. Biolog. Abt. Ksl. Gesundh.-Amts IV, 1904 S. 405 ff. - Morstatt in "Pflanzer" VII, 1911 Heft 10. - Ders., Ebenda VIII, 1912 Heft 5.

Busse.