Makonde. 1. Hochland in Deutsch-Ostafrika, gehört zum
südlichen
Vorland (s. Deutsch-Ostafrika 5). Die westwärts durch eine Landstufe
begrenzte,
gegen 8000 qkm große Tafel ist aus Sedimenten
aufgebaut, die im NW 790
m Mh. erreichen und küstenwärts einfallen. Die Station Tschiwata
der Universities' Mission, dicht am
Plateaurand
(vielleicht schon auf einem Inselberg), soll sogar 900 m ü. d. M.
liegen.
Die plateaubildenden, über 100 m mächtigen Makondeschichten (s.d.) gehören der Kreide
an (s. Deutsch-Ostafrika 2). Sie bestehen aus Sandsteinen und Mergeln;
den ersteren ist die harte, eingekieselte Newalasandsteinschicht (als
Grundwasserverkieselung angesehen) eingelagert. Im O von M. sind die
Makonde-
von Mikindanischichten
verhüllt.
- In sandigem Verwitterungsboden in etwa 1/2 m Tiefe wird Kopal (s.d.)
gegraben, fast überall in M. und hier stärker als in den anderen
küstennahen
Plateau- und Berglandschaften des Vorlandes von Deutsch-Ostafrika. - Als
Unterlage des Hochlandes tritt besonders am Westabhang der Gneis
auf. - Nach Süden zu trennt das tiefe, breite Tal des Rowuma (s.d.), nach Norden zu das des Lukuledi- (s.
d.) M. von anderen, ähnlich gebauten Hochländern (s. Muera, Noto). In der
Richtung
dieser Flüsse fließt oben auf M. der Mambi, dessen Creek die
große Ssudibucht (s.d.) bildet. Das
Klima von M. ist kontinentales Passatklima (s. Deutsch-Ostafrika 4) mit ziemlich
reichlichen
Niederschlägen, die zumal an den Rändern 1000 mm erreichen dürften, mehr
als unmittelbar an der Küste, wie z. B. bei Lindi. Trotzdem herrscht während der einen Hälfte des
Jahres überall Wassermangel, da in den Sandsteinen und jüngeren
Deckschichten
das Wasser schnell versickert. Die Vegetation
ist ein oft ganz dichter, bis zu 6 m hoher Busch, von wenigen höheren
Bäumen überragt, gelegentlich von kleinen Trockenwaldinseln
unterbrochen.
Auf weiten Flächen ist das ursprüngliche Pflanzenkleid der sehr
extensiven
Wirtschaft der Eingeborenen zum
Opfer gefallen. Auf den verlassenen Feldern entstand ein Busch, dessen
Bestandteile eine Art Ruderalflora sind. Sorghum, Mais, Bohnen, Maniok werden angebaut, Viehzucht fehlt der Tsetse (s.d.) wegen. Obwohl
die Leute in der Trockenzeit manchmal fast einen halben Tag zu den Wasserstellen haben, ist doch gerade M.
verhältnismäßig
dicht besiedelt. Vor dem Aufstand 1905/06 sollen hier fast 100000 Eingeborene
gesessen haben. Neuerdings soll diese Zahl sogar erheblich überschritten
sein. Sie wird 1912 auf 130000 geschätzt, was der für dies Gebiet sehr
hohen Dichte 16 entsprechen würde. Das scheint aber etwas zu hoch
gegriffen.
Den weitaus größten Teil der Bevölkerung bilden die Makonde (s.u. 2),
dazu kommen im Süden einige Wandonde (s.d.), hier und da Wajao (s. Jao), die alle hier einst vor den Wangoni
(s.d.) Zuflucht suchten.
Literatur: S. Madjedje 1, ferner
die Arbeiten Hennigs und v. Staffs unter Tendaguru. S. auch das Folgende.
Uhlig.
2. Die Bewohner der Landschaft M. heißen ebenfalls M. (Wamakonde). Die M. zählen nach amtlicher
Schätzung
83000 Köpfe, die in dem inneren Teil des Hochlandes rein, an den Rändern
mit Wandonde, Wamatambwe, Makua, Jao usw. untermischt sitzen. - Die Siedelungen
sind kleine, aus wenigen zylindrischen Kegeldachhütten bestehende
Weiler,
die völlig versteckt und für den Fremden kaum auffindbar und zugänglich
in dem dichten Busch liegen, der das
Plateau
auszeichnet. Die Viehzucht geht über die Haltung von Hunden, Hühnern und
Ziegen nicht hinaus. Der Feldbau ist der
übliche Hackbau, der auf den höchst durchlässigen Schichten
einen häufigen Ortswechsel bedingt, aber infolge des Regen Fleißes der Bewohner weit seltener versagt als
im Tieflande. Die Jagd wird im dichten, wildarmen Busch wenig geübt; sie
erstreckt sich zudem in der Hauptsache auf die Verwendung geschickt
konstruierter
Fallen. Unter dem Druck der ewigen
Wangoni-Angriffe,
die den ganzen Südosten Deutsch-Ostafrikas bis in die 1890er Jahre
systematisch
verwüsteten, haben sich die M. so weit vom Plateaurande zurückgezogen,
daß ihnen die Beschaffung des wenigen Wassers, dessen sie zum Kochen und
Trinken bedürfen - um die Reinlichkeit sieht es schlimm aus -, große
Schwierigkeiten
verursacht; sie müssen oft stundenweit bis zum nächsten Quell wandern,
um in Flaschenkürbissen das absolut notwendige Naß herbeizuschleppen.
Alle Quellen liegen nämlich über undurchlässigen Schichten an den
steilen
Hängen des Plateaurandes. Erst neuerdings, nach dem Eintritt ruhiger und
gesicherter Verhältnisse unter der deutschen Herrschaft, wagen die M.
auch die fruchtbaren und wasserreichen Gebiete am Plateaufuß zu
besiedeln.
- Körperlich sind die M. weniger gut ausgestattet als die Jao
und Makua; von Charakter sind sie zudem hinterlistig und boshaft, wozu
die lange Bedrückung durch die Wangoni
und den Jao-Usurpator Matschemba, der von den 1870er Jahren an bis
1899
das ganze Plateau tyrannisierte, nicht wenig beigetragen haben mag. Die
natürliche Häßlichkeit wird noch gesteigert durch wahrhaft
abenteuerliche
Körperverunstaltungen: durch Ziernarben auf Brust und Bauch bei den
Männern
(s. Tafel 118), solche
im Gesicht, auf Brust, Bauch, Oberschenkel und
Rücken bei den Weibern. Diese tragen zudem in der durchlochten und
aufgeweiteten
Oberlippe Holzpflöcke, die sich mit dem zunehmenden Alter der Trägerin
zu 5-7 cm großen, kreisrunden Scheiben (Pelele,
s. d.) auswachsen; außerdem etwas weniger große Scheiben in den
durchlochten
Ohrläppchen, und hier und da auch noch zierliche Pflöcke im linken
Nasenflügel.
Raubtierartige Zuschärfung der Schneidezähne ist bei den Männern nicht
selten (s. Tafel 89).
Für die Kolonialwirtschaft
kommen die M. unter den jetzigen Verhältnissen kaum in Frage; man wird
sie vielmehr erst aus dem unzugänglichen Busch herausholen und in
zugänglichen
Gebieten ansiedeln müssen, um sie für koloniale Zwecke auszunutzen.
Ethnographisch
sind die M. interessant durch ihre Schnitzarbeiten, besonders durch ihre
Maskentänze, mit denen sie in ganz Ostafrika allein stehen. Einige Proben der
Schnitzkunst
geben die Abb. 1 u. 3 auf Tafel 40, von denen die Frau die
Stammesmutter
der M. wiedergibt, während Abb. 3 ein Schnupfdöschen in der Gestalt
eines
mit Ziernarben versehenen Zopfträgers darstellt. - Die Maskentänze
finden
bei Gelegenheit der Mannbarkeitsfeste statt. Die Tänzer sind
junge, vollkommen vermummte Männer, die als Mann und Frau einander
gegenübertreten
und vor den mannbar werdenden Kindern die Beziehungen der beiden
Geschlechter
symbolisieren. Auch Stelzentänze werden geübt. Masken sind in den Abb.
2 u. 4 Tafel 40
dargestellt.
Weule.
Literatur zu 2: Weule, Wissensch. Ergebnisse meiner etnographischen
Forschungsreise in den Süden Deutsch-Ostalrikas. Mitt. a. d. d. Schutzgeb.,
Ergänzungsheft 1. Berl. 1908. - Derselbe, Negerleben in Ostafrika. Lpz. 1908.
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