Deutsches Kolonial- Lexikon(1920), Band II, S. 483 ff.

Malaria (s. Abb. 1-3 u. Tafel 119-121). 1. Definition. 2. Geschichtliches. 3. Geographische Verbreitung. 4. Malariaarten und Fieberkurven. 5. Malariaerreger. 6. Krankheitserscheinungen. 7. Krankheitsverlauf. 8. Diagnose. 9. Behandlung. 10. Malariaübertragung. 11. Bekämpfung und Verhütung (Malariaprophylaxe).

1. Definition. M. ist eine durch im Blute lebende Parasiten veranlaßte, in gewissen Intervallen auftretende Fiebererkrankung, die durch eine bestimmte Stechmückenart (Anopheles) übertragen wird. - Andre Namen: Wechselfieber, Kaltes Fieber, Sumpffieber, Paludismus, paludisme, fièvre palustre, Ague, Intermittent fever, febbre intermettente, Koorts (holländ.).

2. Geschichtliches. Die M. war im Altertum schon bekannt (Hippokrates, Celsius). Hauptdaten in der M.geschichte: 1. Einführung der Chinarinde (s.d.) zur Behandlung der M. durch die Gräfin Cinchon in Europa im Jahre 1640. 2. Entdeckung der M.parasiten durch den französischen Militärarzt A. Laveran (s.d.) im Jahre 1880. 3. Entdeckung der Weiterentwicklung der menschlichen M.parasiten in der Mücke durch den Engländer Ronald Ross (s.d.) im Jahre 1897/98. - Um den Ausbau der M.lehre haben sich außer den Genannten noch besonders verdient gemacht die Italiener: Marchiafava, Celli (s. d.), Golgi, Grassi, Bignami und Bastianelli, ferner der Engländer: Patrick Manson (s.d.) und die Deutschen: Robert Koch (s.d.), Mannaberg, Plehn (s.d.), Ruge (s.d.), Schaudinn (s.d.), Ziemann (s.d.) u.a.

3. Geographische Verbreitung (s. Tafel 119). Im allgemeinen kann man sagen, daß die M. zwischen dem 600 n. Br. und 400 s. Br. vorkommt und dabei von den Polen nach dem Äquator zu an In- und Extensität zunimmt (Hirsch). Kaum ein Land der Erde ist frei von M., aber die Verbreitung ist keine gleichmäßige; so gibt es in M.ländern auch malariafreie Plätze (Inseln, z. B. Kapverdische Inseln). Ferner nimmt die M. im Hochgebirge und im trockenen Steppenland ab bzw. fehlt daselbst völlig. Die M. ist vorwiegend eine Krankheit der warmen Küstenniederungen, namentlich der sumpfigen. So ist z.B. die Westafrikaküste von Senegambien bis zu den wasserarmen Küsten von Deutsch-Südwestafrika schwer verseucht; den Flußläufen entlang erstreckt sich die M.ausbreitung aber auch bis weit ins Binnenland hinein. Von unseren Kolonien an der Westafrikaküste leidet namentlich Kamerun, aber auch Togo sehr unter M. - In Deutsch-Südwestafrika sind größere M.gegenden nur im Norden, die Bezirke von Waterberg, Outjo, Otavi, Grootfontein und Franzfontein; auch das Ovamboland ist sehr verseucht. Von südlich gelegenen Plätzen sind nur einige, z. B. Okahandja und Gobabis infiziert. - Auch in unsern ostafrikanischen Kolonien ist die M. die, Hauptkrankheit. Statistisches Material ist überflüssig. - Von unsern Südseebesitzungen sind die meisten größeren stark mit M. infiziert, so besonders Deutsch- Neuguinea, Neupommern und Neumecklenburg. Andere, namentlich kleinere Inseln sind anscheinend malariafrei, z.B. Samoa, Marshallinseln, Karolinen, Marianen. - In dem deutschen Schutzgebiet Kiautschou kommt auch M. vor, spielt da selbst aber keine wesentliche Rolle. Von anderen stark verseuchten M.ländern seien hier nur noch genannt in Europa: Italien, Griechenland, Küste von Istrien und Dalmatien, ferner manche Gegenden in den Balkanstaaten, in Südrußland und Spanien (Ebrodelta); in Afrika auch die Nordküste (Algier usw. sowie Madagaskar); in Asien insbesondere Indien, Malaiischer Archipel, Philippinen, Formosa, Tonking, Turkestan, Palästina (Jerusalem) usw.; in Amerika außer Westindien fast alle Staaten des mittleren und nördlichen Südamerika, besonders Gnyana und Amazonenstromgebiet

4. Malariaarten und Fieberkurven. Wir kennen dreiM.arten, die sich durch verschiedene Form der Erreger (s. Farbige Tafel Erreger der Tropenkrankheiten I) sowie durch besonderen Fiebertypus unterscheiden lassen:
1. M. tertiana (Erreger: Plasmodium vivax), bei der der Anfall alle 48 Stunden, jeden 3. Tag erfolgt.
2. M. Quartana (Erreger: Plasmodium malariae), Anfälle alle 72 Stunden, jeden 4. Tag und
3. M. tropica (Erreger: Plasmodium immaculatum), Anfälle folgen sich in kurzen Pausen und dauern länger.
- Das Verhalten der durch Temperaturmessungen resultierenden typischen Fieberkurven bei den drei M.arten ist aus den Abbildungen 1-3 ohne weiteres zu ersehen. Bei Patienten, die mit mehreren Parasitengenerationen infiziert sind, die sich zu verschiedenen Zeiten vermehren, sehen die Kurven anders aus, insofern als z.B. bei Tertiana und Quartana mehr Anfälle erfolgen, so bei Tertiana duplicata (doppelt) und bei Quartana triplicata (3 fache Quart.) jeden Tag ein Anfall. - Für die richtige Konstruktion einer M.- fieberkurve ist es wichtig, daß die Temperaturen richtig, und zwar alle 2 Stunden, auch nachts gemessen werden.

  

5. Malariaerreger. Seit der Entdeckung Laverans wissen wir, daß die Ursache der M. nicht in schlechten Bodenausdünstungen zu suchen ist, wie man früher glaubte (mal- aria, ital., heißt: schlechte Luft), sondern daß der Krankheitserreger ein kleinstes einzelliges, tierisches Lebewesen, ein Protozoon (s.d.) ist , der sog. Malariaparasit (= Mp.). Parasit heißt Schmarotzer. Die Mp. leben und schmarotzen im menschlichen Blute, und zwar auf Kosten des wichtigsten Blutbestandteiles, der roten Blutkörperchen, in die sie eindringen, so daß die von Mp. heimgesuchten roten Blutkörperchen dem Untergang verfallen sind. Die Mp. gelangen durch den Mückenstich in das menschliche Blut und befallen daselbst die roten Blutkörperchen, in denen sie sich auch vermehren. Die Vermehrung erfolgt durch Teilung, d.h. aus einem erwachsenen, reifen Parasiten entstehen nach bestimmter Entwicklungsdauer jedesmal eine Anzahl, je nach M.art meist 8-16 neue junge, die ihrerseits wieder in andere Blutkörperchen eindringen und sich in derselben Weise weiterentwickeln. Jedesmal bei der Teilung der Parasiten setzt ein neuer Fieberanfall ein, der meist mit voraufgehendem Frost oder gar mit ausgesprochenem Schüttelfrost beginnt. Frost und Fieber sind wahrscheinlich auf eine Wirkung der bei dem Zerfall der Parasiten (Teilung) freiwerdenden giftigen Stoffwechselprodukte zurückzuführen. Mikroskopische Untersuchung. Die M.erreger kann man mittelst des Mikroskopes lebend in den Blutkörperchen erkennen; sie zeigen langsame, sog. amöboide Bewegungen. Der mikroskopische Nachweis der M.parasiten geschieht für gewöhnlich, namentlich bei Massenuntersuchungen, in dünnen oder dicken Blutpräparaten. Am besten entnimmt man die Bluttröpfchen für die Untersuchung schmerzlos nach feinem Einstich mit sauberer Nadel, Impflanzette oder dgl. aus dem Ohrläppchen und bringt sie auf kleine Glasscheibchen (sog. Objektträger), läßt sie antrocknen und färbt sie dann später mit bestimmten Farbgemischen, am besten mit sog. Giemsafarblösung. Bei dieser Färbung heben sich die M.parasiten von den übrigen Blutbestandteilen deutlich ab: die roten Blutkörperchen sind rötlich, die weißen mehr violett; die M.parasiten hellblau gefärbt mit roten (Kern-) und braunen (Pigment- d.s. Blutkörperchenreste-) Einlagerugen (s. farbige Tafel Tropenkrankheiten 1). Die Formen der gefärbten Parasiten zeigen bei den drei M.- arten deutliche Unterschiede (s. farbige Tafel Tropenkrankheiten I), auf die hier nicht näher eingegangen werden kann. Allgemein sei nur darauf hingewiesen, daß die Tertianaparasiten die größeren und die Tropicaparasiten die kleineren sind; zwischen beiden stehen die Quartanaparasiten. Die Parasitenarten lassen sich auch an ihren verschieden großen Teilungsformen und der Zahl der sog. Sprösslinge unterscheiden: Bei Quartana meist 8-12, bei Tropica 12-16, bei Tertiana 16-20 und mehr junge Parasiten, die in "Maulbeerform" ange- ordnet sind.

6. Krankheitserscheinungen. Auch klinisch lassen sich die 3 M.arten zum Teil unterscheiden, nicht nur durch die Fieberkurve (s.o.), sondern auch häufig durch den Verlauf der Anfälle.
Bei der M. tertiana werden die Anfälle in der Regel von einem ausgesprochenen Schüttelfrost eingeleitet, dem dann ein schneller Temperaturanstieg bis 40-41° C und höher folgt. Das Hitzestadium dauert in der Regel 6-10 Stunden, dann fällt die Temperatur wieder schnell (kritisch) bis zur Norm oder unter die Norm. Ähnlich so verläuft auch der Quartanaanfall, jedoch häufig nicht so stürmisch. Der zweite Anfall erfolgt aber bei Quartana nicht am dritten, sondern am vierten folgenden Tage (Fiebertag als erster Tag gerechnet), so daß bei einfacher Quartana 2 fieberfreie Tage zwischen 2 Anfällen liegen. Bei Qu. duplicata, also bei Infektion mit zwei Parasitengenerationen, treten stets Anfälle an je zwei aufeinanderfolgenden Tagen ein, und nur ein Tag ist anfallsfrei; und weiterhin erfolgen bei Qu. triplicata ebenso wie bei Tertiana duplicata täglich Anfälle (sog. Quotidiana, latein. = täglich). In diesem Falle sind Tertiana- und Quartanainfektion meist klinisch nicht zu unterscheiden. Diesen beiden Fieberarten gegenüber zeigt die M. tropica (andere Namen: Aestivo-Autumnal- oder Sommer-, Herbstfieber, Tertiana maligna oder gravis) einen andern Verlauf. Den Anfällen geht häufig kein ausgesprochener Schüttelfrost, sondern nur ein Frösteln voraus. Der Temperaturanstieg erfolgt meist nicht so schnell. Die Anfälle dauern wesentlich länger (meist 20-50 Stunden) und sind viel schwerer. Der Temperaturabfall erfolgt auch langsamer; da bei ist das Schweißstadium nicht so aus gesprochen. Häufig geht dem definitiven Abfall ein sog. "Pseudoabfall" mit folgendem Wiederanstieg voraus. Dadurch entsteht eine sattelförmige Einsenkung in der Fieberkurve (sog. "Sattelkurve"). Die Pausen zwischen zwei Tropicaanfällen sind kürzer und unregelmäßiger. Häufig folgen die Anfälle unmittelbar oder bald aufeinander, so daß das Bild eines schweren kontinuierlichen Fiebers (Continua) entsteht. Außer den 3 genannten Hauptsymptomen Frost, Hitze, Schweiß sind für die M.Fieber noch eine Reihe anderer Symptome charakteristisch, die bei allen 3 Arten, je nach Stärke der Infektion, in verschiedener Intensität auftreten. Den M.anfällen gehen häufig, wie auch bei anderen Infektionskrankheiten allgemeine Erscheinungen, wie Unbehagen und Müdigkeit (Gähnen), ziehende Glieder- und Knochenschmerzen u. dgl. voraus. Zugleich mit dem Fieberanstieg setzen meist heftige Kopfschmerzen ein, die sich bis ins Unerträgliche steigern und an die sich namentlich bei M. tropica Bewußtlosigkeit und Delirien anschließen können. Weitere Symptome sind: Häufig, namentlich zu Anfang, Erbrechen, ferner stechende Schmerzen in der Milzgegend, Schlaf- und Appetitlosigkeit, bei Kindern nicht selten Krämpfe. - Die Folgen wiederholter M.anfälle sind: zunehmender Verlust von roten Blutkörperchen und dadurch Blutarmut (s.d.) mit ihren Folgeerscheinungen; ferner Milz- und häufig auch Lebervergrößerung. Der bisher geschilderte typische Verlauf der Anfälle gilt hauptsächlich für Neuerkrankungen und frische, akute Rückfälle; bei ehronischem Verlauf und bei wiederholten Rückfällen verwischt sich das Krankheitsbild mehr oder weniger; dasselbe gilt bei Mischinfektionen. Schließlich können in alten M.fällen die Anfälle gänzlich ausbleiben und doch Parasiten dauernd längere Zeit oder zeitweilig im Blute vorhanden sein (sog. Parasitenträger). Diese Parasitenträger, die nur durch Blutuntersuchung als solche erkannt werden können, sind in M.ländern, namentlich unter den Eingeborenen sehr zahlreich. Sie bilden die Hauptgefahr für das Weiterbestehen und die Ausbreitung der M., insofern als sich die übertragenden Mücken immer wieder an ihnen infizieren können. Manche Menschen sind jahrelang Parasitenträger. Dabei halten sich die Parasiten zeitweilig in den innern Organen (namentlich Milz- und Knochenmark) verborgen, um dann plötzlich im Anschluß an eine Gelegenheitsursache (Blutdruckstörung, Erkältung, Alkoholexzeß u. dgl.) wieder in den Blutkreislauf gelangen zu können. Dabei treten dann auch mitunter Anfälle (Rückfälle) auf.

7. Krankheitsverlauf. Der Verlauf hängt ab von der Schwere der Infektion, der Widerstandsfähigkeit des Patienten, dem ev. Hinzutreten von Komplikationen (Lungenentzündung, Darmruhr, Nierenentzündung, Schwarzwasserfieber [s.d.] oder dgl.) sowie von der Art der Behandlung. Im allgemeinen ist die M., wenn sie gleich in sachgemäße Behandlung kommt, keine schwere Krankheit. Unbehandelte oder mit andern Krankheiten komplizierte M. endet nicht selten tödlich. So verursacht die unbehandelte M. in vielen Tropenländern unter den Eingeborenen arge Verwüstungen. In Indien allein sollen jährlich 5 Millionen Menschen an Fiebern sterben, und auch für Afrika schätzt man die Zahl der jährlichen M.todesfälle auf mehrere Millionen. Die gefährlichste der 3 Arten ist die M.tropica, die schwere Formen annehmen kann, die man allgemein als perniziöse Fieber (M. perniciosa) bezeichnet. Das beste Vorbeugungsmittel gegen solche Zustände ist die frühzeitig eingeleitete sachgemäße Chininbehandlung. Sie verhütet auch am besten das Auftreten von langwierigen Folgezuständen, von denen zu nennen wären: dauernde Rückfälle, starke Milzschwellung, schwere Blutarmut und schließlich sog. Gekachexie, d. i. M.siechtum.

8. Die Diagnose stellt auf Grund der klinischen Symptome und des Blutbefundes der Arzt, der auch die Art der Behandlung festsetzt. Nur wenn kein Arzt zu haben ist, dann soll auch der Laie in verdächtigen Fällen zur Sicherheit eine Chininbehandlung einleiten.

9. Behandlung. Das Spezifikum gegen die K. ist Chinin (s.d.), das im menschlichen Körper ein Zugrundegehen der Mp. herbeiführt. Für die Chininanwendung gelten folgende Hauptregeln: so früh als möglich, genügend lange und genügend große Dosen. Unter "genügend großen Dosen" versteht man im allgemeinen für Erwachsene je 1 g pro Tag, für Kinder so viel Dezigramm, als die Kinder Jahre zählen. Selbstverständlich kann man nur von guten, einwandsfreien Chininpräparaten eine sichere Wirkung erwarten. Die Präparate (Pillen, Kapseln, Tabletten) müssen vor allen Dingen schnell und gut löslich sein und die angegebene Chininmenge enthalten. Ein Schluck salz- oder zitronensäurehaltigen Wassers befördert die Chininauflösung im Magen. - Am sichersten wirkt das salzsaure Chinin (Chinin. hydrochloricum). Chinin. tannicum und Euchinin, ferner ein neues, geschmackloses Präparat "Insipin" (s. Chinin) müssen in 11/2 bis 2fach größeren Dosen gegeben werden. Chininschokoladentabletten eignen sich hauptsächlich für die Kinderpraxis, wirken aber bei Tropica und Quartana nicht absolut sicher. Man gibt das Chinin entweder in Substanz wie angegeben oder in Pulverform in Oblaten (nicht in Zigarettenpapier eingewickelt), ferner in Lösung (namentlich bei Kindern) oder in Form von Einspritzungen unter die Haut, in Muskulatur oder in Blutgefäße, endlich in Form von Darmeinläufen oder - suppositorien. Die erforderliche Chinindosis kann auf einmal oder (nach Nocht) in mehreren kleinen Dosen verteilt (5 x 0,2 g oder 10 x 0,1 g pro Tag) gegeben, werden. Bei der letzteren Form der Darreichung sind die für manche lästigen Chininbeschwerden (Ohrensausen, Herzklopfen und dgl.) wesentlich geringer. Mit dieser Behandlung kann man jederzeit, auch im Anfall beginnen. Bei der Behandlung mit großen Dosen gilt im allgemeinen für den Beginn der Behandlung das Prinzip: bei Tertiana und Quartana erste Chinindosis 4-4 Stunden vor dem zu erwartenden nächsten Anfall, bei Tropica gleich nach dem Abfall. - In schweren Fällen mit Benommenheit, Delirien usw. soll auf keinen Fall mit der Behandlung gewartet werden; am sichersten wirken dann Chinineinspritzungen durch den Arzt. Sterilisierte, sofort gebrauchsfertige Chininlösungen sind in jeder Tropenapotheke vorhanden. Für den Dauererfolg einer M.behandlung genügen nicht einige wenige Chinindosen, sondern das Chinin soll bei jeder M.erkrankung systematisch mindestens 2-3 Monate lang genommen werden. Die Methoden der sog. Nachbehandlung sind verschieden. Eine der empfehlenswertesten für Erwachsene ist folgende: Zunächst an sieben, aufeinanderfolgenden Tagen je 1 g Chinin, dann 2 Tage Pause; an 2 Tagen wieder je 1,0 g Chinin, 3 Tage Pause; 2 Tage Chinin, 4 Tage Pause; 2 Tage Chinin, 5 Tage Pause; alsdann an jedem 6. und 7. Tage Chinin. Im ganzen wurden dann im Verlaufe von 3 Monaten etwa 30 g Chinin gebraucht. - Eine andere bekannte Methode ist die, nach Behandlung an 5-7 aufeinanderfolgenden Tagen jeden 4. Tag 1 g. Chinin zu geben oder jeden 4. und 5. Tag je 1/2 g. Diese letztere Methode genügt aber häufig nicht. Andere Behandlungsmittel sind Methylenblau (s.d.) und Arsenpräparate, insbesondere Salvarsan (s.d.). Sie kommen namentlich dann in Anwendung, wenn Chinin versagt (es gibt sog. "chininfeste" M.parasiten, z. B. am Amazonenstrom), oder wenn Chinin absolut nicht vertragen wird, z. B. bei Schwarzwasserfieberkandidaten. Leider wirkt Salvarsan, das vom Arzt eingespritzt werden muß, nur bei M. tertiana mit einigermaßen sicherem Erfolg. - Bei einer Methylenblaukur maß man gleichzeitig mit den Kapseln à 0,2 g (fünfmal täglich) immer eine Messerspitze voll Muskatnußpulver nehmen, damit keine Harnbeschwerden (Strangurie) auftreten.

10. Malariaübertragung. Außer den schon beschriebenen M.formen, die sich im menschlichen Blute fortwährend durch ungeschlechtliche Teilung vermehren (sog, Schizonten) gibt es auch solche, die im Blute keine Veränderungen mehr durchmachen. Das sind die sog. Gameten (Gatten), die männlichen und weiblichen Geschlechtsformen, die für die Entwicklung in der übertragenden Anophelesmücke bestimmt sind. Die Entwicklungsvorgänge in der Mücke sind geschlechtlicher Natur. So findet also die für die Erhaltung der Art wichtigste Entwicklung des M.erregers in der Mücke statt. Sie beginnt bald, nachdem die Anopheles von einem Kranken parasitenhaltiges Blut gesogen hat, im X a g e n der Mücke in folgender Weise (Mückenanatomie s. Stechmücken und Anophelesmoskiten): Entwicklung. im Mückenmagen. Zunächst runden sich die weiblichen Geschlechtsformen ab, während die männlichen plötzlich lebhaft bewegliche geißelartige Fortsätze treiben, die sich nach einiger Zeit loslösen und nach Art von Samenfäden in die weiblichen Zellen eindringen, um sie zu befruchten. Der so befruchtete Parasit bildet sieh zu einem beweglichen, würmchenartigen Gebilde ("Würmchen") um, das in die Magenwand eindringt und sich daselbst einkapselt. So entsteht eine sog. Zyste. In der Zyste finden nun verschiedene Teilungsvorgänge statt mit ,dem Resultat der Entstehung von unzähligen feinsten tannennadelähnlichen Gebilden (sog. Sichelkeimen). Die Zysten sind je nach der Außentemperatur in etwa 12-24 Tagen reif; dann platzen sie; die Sichelkeime werden frei und werden durch den Saftstrom der Mücke schließlich in die Speicheldrüsen transportiert, wo sie sieh hauptsächlich im mittleren, dem sog. "Giftlappen" ansammeln. Von hier werden sie mit dem Sekret beim Stich dem gestochenen Menschen eingeimpft. Im menschlichen Blute dringen sie in rote Blutkörperchen ein, und dann vermehren sie sich daselbst, wie schon geschildert. Nach 6-10 Tagen sind sie so zahlreich, daß bei jedesmaliger Vermehrung (Teilung) ein typischer Anfall auftritt (s. Tafel 119). Nur solche Anophelen können M. übertragen, die vorher an einem M.kranken parasitenhaltiges Blut gesogen haben, und in denen die vollständige Entwicklung bis zu den Sichelkeimen in den Speicheldrüsen stattgefunden hat. Die M.parasiten sind also nicht durch den Mückenstich unmittelbar von Kranken auf gesunde überimpfbar. - Die Entwicklung in der Anophelesmücke findet nur bei günstigen Temperaturbedingungen sicher statt (Minimum 16-200 C, je nach M.art). Nur die eine Mückengattung "Anopheles", zu der allerdings sehr viele Arten gehören, kann 31. übertragen (s. Anophelesmoskiten).

11. Bekämpfung und Verhütung (M.-Prophylaxe). Will man gegen den M.parasiten vorgehen, so muß man seinen Entwicklungsgang an irgendeiner Stelle unterbrechen, also entweder im menschlichen Blute oder in der Mücke.
a) Die Vernichtung der Parasiten im Menschenblut geschieht durch Chinin. Theoretisch kann man also eine M.gegend von der Krankheit befreien, wenn man alle Leute mit Parasiten in regelrechte, systematische, d.h. monatelange Chininbehandlung nimmt. Sobald die Mücken keinen Infektionsstoff im Menschenblut mehr finden, können sie auch keine M. mehr übertragen. In der Tat haben wir Beispiele, daß eine solche M.bekämpfung in abgeschlossenen Bezirken möglich ist (R. Koch [s.d.] in Stephansort, P. Frosch in Brioni, Vagedes in Südwestafrika). Auch bei uns in Nordwestdeutschland (Bant bei Wilhelmshafen) ist die Beseitigung eines M.herdes auf diese Weise gelungen (Mühlens). Wenn bei dieser Methode nicht gleichzeitig auch die Anophelen bekämpft werden, dann bleibt allerdings die Gefahr, daß bei Einschleppung von neuen M.fällen die Krankheit sich wieder ausbreitet. So war es in Stephansort der Fall, weil nach dem Versuch keine weiteren Kontrollen ausgeübt wurden. Aber selbst wenn durch systematischen Chiningebrauch auch nicht immer eine vo1lständige Ausrottung in einer M.gegend gelingt, so geschieht dadurch doch viel Gutes, indem jedenfalls eine große Zahl von Ansteckungsquellen für die Mücken unschädlich gemacht wird, womit natürlich auch die M.gefahr dauernd abnimmt. Ein glänzendes Beispiel hierfür zeigt die italienische M.statistik (s. Abb. 4).

In demselben Maße, wie der Chininkonsum in Italien in den letzten 15 Jahren zunahm, hat die M.Sterblichkeit abgenommen. - Auch die allmähliche Abnahme bzw. das völlige Verschwinden der M. bei uns wird mit der Zunahme des (früher so teueren) Chininverbrauchs in Zusammenhang gebracht. Ein systematischer Chiningebrauch bei der M.bekämpfung ist nur dann erfolgreich, wenn die. für die Behandlung gegebenen Regeln genau befolgt werden (s. Chininprophylaxe und Behandlung).
b) Der Kampf gegen die Anopheles geschieht:
a ) Gegen das geflügelte Stadium durch Totschlagen, Ausräuchern, Ausspritzen sowie Mückenfallen. An ihren Aufenthaltsorten in dunkeln Winkeln, Ställen, Eingeborenenhütten, Zimmerecken u. dgl. kann man gegen die Anophelen am Tage vorgehen. Weinland (Schussenried i. Wü.) empfiehlt eine "Moskitofangschere" zum Totschlagen der Mücken; sie ist brauchbar gegen die Mücken im einzelnen. Auch die sog. "Mückenfallen", das sind Holzkästen mit Schiebetür, die am Tage in dunklen Zimmerecken aufgestellt und abends geschlossen werden, sind kein Radikalmittel. - Die Franzosen empfehlen den Mückenfang in den sog. trous-pièges (Lochfallen), das sind ca. 50 cm lange, schräge, mit Spaten gestochene Erdlöcher, windgeschützt angelegt, in denen sich am Tage die Anopholen sammeln und nachmittags mit Petroleumfackeln ausgebrannt werden. - Am sichersten geschieht die Vertilgung aller Mücken in gut abschließbaren Räumen durch Räucherungen. Mühlens empfiehlt folgende Methodik: Abdichten des Raumes wie bei Formalindesinfektionen, so daß kein Rauch entweichen kann. Ausbreiten von weißer Watte in lockerer Schicht auf einer feuersicheren Unterlage am Boden (Stein, Blech u. dgl.), in großen Räumen an mehreren Stellen. Aufschütten der notwendigen Mengen frischen Dalmatiner Insektenpulvers (Firma J. D. Riedel, Berlin N 39), pro Kubikmeter Raum 3-6 g je nach Abdichtungsmöglichkeit. Anzünden der Watte an den Randpartien. Der bei der restlosen Verbrennung des Pulvers entstehende Rauch betäubt die Mücken zunächst und tötet sie dann nach genügend langer Einwirkung (über Nacht.). Auch Schwefe1 und andere Räuchermittel finden Anwendung, wirken aber zum Teil weniger sicher (Zusammenkehren und Verbrennen der Mücken notwendig!) oder belästigen in menschlichen Wohnungen mehr durch ihren Rauch. Bei dem Sprayverfahren (nach Giemsa) werden die in Räumen, z. B. in Ställen, Eingeborenenhütten, Kellern, an Wänden sitzenden Mücken mit einer in feinem Sprühregen unter Druck verteilten, mückentötenden Flüssigkeit bespritzt (s. Tafel 120). Die Stammflüssigkeit "Mückenfluid" ist von Dr. Kade, Berlin und Firma Riedel, Berlin N 39 zum Preise von 2,38 M bzw. 2,65 M pro Kilo zu beziehen. Sie wird vor dem Gebrauch mit der zwanzigfachen Menge Wassers verdünnt. - Sprayapparate (Handspray, Preis 9 M; automatischer Spray, Preis 60 M und fahrbarer automatischer Spray, Preis 150 M) sind von der Firma L Schmidt, Hamburg, Gr. Burstah 46, zu haben. Denselben Zweck verfolgen Ausspritzungen mit "Floria- Insektizid" (Dr. Noerdlinger, Flörsheim a. M.), Saponinen, vielleicht auch mit Formalinlösungen. Als Sprayapparat kann auch eine gute Obstbaumspritze Verwendung finden.
b ) Gegen die Anopheleslarven. Hierbei kommen in Frage: 1. Beseitigung von Brutstätten, z.B. durch Zuschütten von Tümpeln, oder Entwässerungsanlagen. Die Dränagearbeiten in Ismailia sind z.B. mustergültig (s. Tafel 120). In fließendem Wasser werden die Larven weggeschwemmt. - 2. Vernichtung der Larven in den Brutstätten durch Übergießen mit einer öligen Flüssigkeit (Petroleum, Saprol der Firma Noerdlinger, Flörsheim). Werden derartige Flüssigkeiten in dünner, zusammenhängender Schicht auf der Wasseroberfläche ausgebreitet, dann können die Larven nicht mehr atmen und ersticken. Eine feine Verteilung der Flüssigkeit im Sprühregen kann man mit einem Sprayapparat (s. Tafel 121) oder im Notfalle auch mit einer Gießkanne vornehmen. In Port Said werden sog. "automatic oilers" verwendet. Die gleichmäßige Ausbreitung kann durch Bestreichen der Wasseroberfläche mit einem an langer Stange befestigten Leinenlappen herbeigeführt werden. Bei großen Wasserflächen geht das natürlich nicht; überhaupt ist auf größeren Flächen eine gleichmäßige Verteilung nicht möglich, da auch der Wind leicht die ölige Flüssigkeit nach einer Seite hin zusammentreibt. - In manchen, namentlich englischen Kolonien existieren nach dem Vorschlage von Ronald Ross (s.d.) sog. "Moskitobrigaden", die alle Antimoskitomaßnahmen regelmäßig ausführen. Auf diese Weise sind in manchen Orten die Moskitos fast ausgerottet und die M.zahlen ganz bedeutend vermindert (z. B. in Ismailia und Port Said). - 3. Larvenvernichtung durch larvenfeindliche Pflanzen und Tiere. Verschiedene Wasserkäfer und Fische fressen mit Vorliebe Mückenlarven. So werden namentlich gewisse kleine Fische, die "Barrigudos", "Millionenfische" (millions) in Brasilien und Italien bei der Larvenvertilgung verwendet. Auch Karpfen, Stichlinge und Goldfische (in Gartenbassins) sind Larvenfresser. –
c) Der Schutz vor Mückenstichen ist ein weiteres Malariaverhütungsmittel. Zu. diesem Zwecke kommen in Anwendung: 1. Einreibungen der Haut mit mückenabhaltenden Riechmitteln. Wirkung meist nur kurz und unsicher, außerdem schädlich für die Haut. 2. Mechanischer Schutz. Das beste Schutzmittel ist das Moskitoschutznetz (s.d.). - In Fiebergegenden schlafe man nie ohne richtig angewendetes Moskitonetz: Das Netz (Maschenweite 1,5-2 mm) darf keine Löcher haben; es muß immer im Gestell aufgehängt sein (s. Abb. 5)

und muß abends von allen Seiten sorgfältig unter die Matratze, gesteckt werden, so daß es ringsum dicht abschließt. Vor dem Schlafengehen ist das Netz von innen nach Moskitos sorgfältig abzusuchen. Beim Abfangen bewährt sich die Weinlandsche Fangschere (s.o.). - Andere mechanische Schutzmittel sind: Moskitoschleierhüte, Handschuhe und hohe Stiefel bzw. Gamaschen (auf Expeditionen!). Gerade abends soll man in Fiebergegenden keine Halbschuhe mit durchbrochenen Strümpfen tragen. Als Hausschuhe sind leichte hohe Saffianlederschuhe (Dingeldey & Werres, Berlin) zu empfehlen, in die man die Beinkleider hineinsteckt (s. Moskitoschutzstiefel). – Ganze Räume schützt man durch Moskitodrahtgazeeinsätze in Fenstern und durch entsprechende Türen; auch Veranden und ganze Häuser können so geschützt werden. An den Hauseingängen bringt man dann automatisch schließende Doppeltüren mit Vorbau an (s. Tafel 121). Eisendrahtnetz kostet ca. 1 M pro Quadratmeter, das haltbarere Kupferdrahtnetz ist um etwa die Hälfte teurer. - In Italien bei den Bahnwärterhäusern, in der Kampagna und auch in anderen Ländern sind mit solchen Moskitoschutzmaßnahmen gute Erfolge erzielt worden. Auf Expeditionen kann man sich auch in Zelten mit Gazeschutz nach Fülleborn (s. Tafel 120) vor Mückenstichen bewahren. Der Schutz geschieht durch feste Moskitogaze.
d) Die Trennung der Europäer von den Eingeborenen-Niederlassungen in Fiebergegenden ist sehr wichtig, um so möglichst infizierte Mücken von den Europäerwohnungen fern zu halten. Die Mücken infizieren sich ja hauptsächlich an den kranken Eingeborenen. Aus demselben Grunde soll man darauf achten, daß im Hause keine Eingeborenen mit Malariaparasiten sind.

Literatur: Ruge, Malariakrankheiten. Jena, G. Fischer, 1906. - Scheube, Tropenkrankheiten. Jena 1911, G. Fischer. - Ziemann, Malaria, Menses Handb. d. Tr.-Kr. Leipzig 1906, J.A.Barth. - Plehn, Tropenhygiene. O. Fischer, Jena.- Mühlens Mückenvertilgung, u. Malariabekämpfung in Bant b. Wilhelmshaven. 1. Beiheft z. Arch. i. Schiffs- u. Trop-Hyg. 1912. – Giemsa Sprayverfahren, Arch. f. Sch.- u. Trop- Hyg. 1913. H. 6. - R. Row, Prevention of Malaria. London 1910, J. Murray.

Mühlens.