Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 492

Mamfe, Ort am Kreuzfluß in Kamerun, wenig unterhalb der Mündung des Bali in denselben, gehört zum Bezirksamt Ossidinge (s.d.). Früher war dort ein Truppenteil stationiert, und die Gesellschaft Nordwestkamerun (s. d.) hat dort Plantagen und eine Ölfabrik. Die Vorzüge der Lage M.s gegenüber der alten Station Ossidinge liegen einmal darin, daß der Kreuzfluß hier schiffbar wird, sodann bildet es den Mittelpunkt einiger natürlicher Handelswege und liegt nicht so nahe der englischen Grenze, sondern ungefähr im Zentrum des Bezirks. In der Nähe von M. befinden sich nach Mansfeld Kohlenlager, deren Abbau dem Orte weiteren Aufschwung verleihen würde. Die Einwohner sind Banjang (s.d.), die den Plantagenbau mit Geschick betreiben, außerdem auch Kleinvieh züchten. Als Handelsartikel kommen vor allem Gummi und Palmkerne in Betracht. Aus einer in M. entspringenden Solquelle wird Salz gewonnen. Die Handelswege folgen nach Westen dem Kreuzfluß, ebenso nach Osten bis Tinto am Zusammenfluß der Quellflüsse desselben. Nach Süden führt eine Straße über das Obangbergland nach Johann-Albrechts-Höhe, und nach Norden kann das offene Grasland des Baliplateaus leicht erstiegen werden. Der Handel des Bezirks Ossidinge wird jetzt zum großen Teil noch auf englisches Gebiet, nach Calabar, abgelenkt, aber es ist das Bestreben vorhanden, ihn der Kolonie Kamerun selbst nutzbar zu machen.

Literatur: Mansfeld, Urwalddokumente. Berl. 1908.

Passarge-Rathjens.