Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 493

Mandaragebirge (s. Tafel 85, 122/23), das nördlichste große Massiv der Massivregion von Adamaua in Kamerun. Es liegt im nördlichsten Teil von Kamerun zwischen dem Tiefland des Benue im Süden und dem Tsadseebecken im Norden. Es hat eine Streichrichtung von Südwesten nach Nordosten und erreicht eine Höhe von durchschnittlich 800-900 m Höhe und nur an einzelnen Stellen eine solche von 1200 m. Das M. bildet eine Hochfläche, dessen Ränder teilweise erhöht sind und ist durch Täler tief zerrissen. Nach den Seiten zu löst es sich mehr und mehr in Einzelberge auf, das Bergland wird allmählich zu einer Inselbergplatte und noch weiter geht es dann in die weite Ebene über, aus der aber von Zeit zu Zeit noch einzelne isolierte Inselberge hervorragen. Auf der Westseite scheint diese Auflösung geringer zu sein als auf der Ostseite, dort fällt vielmehr das Plateau ziemlich steil ab. Die Inselbergebenen gehen dann allmählich in die Tiefländer im Nordosten und im Süden über. Eine ganze Anzahl von bequemen Pässen führt über das Gebirge hinüber. Die wichtigsten Inselbergmassive im Süden des M. sind die Hossere Holma, Hossere Baburei, Hossere Ssorau und andere. Im Westen sind dem Abfalle vorgelagert die Hossere Kilba, Hossere Uba, Hossere Womdio. Im Norden sendet das M. zwei schmale Bergzungen heraus, das Seledebagebirge und Padogogebirge. Dagegen ist im Osten das Gebirge in eine Unzahl von kleinen Massiven und Einzelbergen aufgelöst, von denen zu erwähnen sind: Hossere Bori, Kumnoro, Ndili, Musogeu, Lulu und Marua, die in südsüdwestlich-nordnordöstlicher Richtung parallel zum Gebirge streichen, ferner fast ganz isoliert die Hossere Hoftaka, Mukia und eine Menge andere und noch weiter östlich endlich in der weiten Ebene als völlig isolierte Berge die Hossere Balda, Mendif, Jakang, Mada, Kilgim, Lam Bidjar und andere. - Die Entwässerung des M. findet statt einmal zur Hauptsache durch die Nebenflüsse des Benue (s. Kamerun), besonders den Mao Kebbi und den Mao Lue, ferner im Nordwesten durch die Nebenflüsse des Logone, Tsanaga, Balda und Jegoa und endlich im Westen durch den Jadseram, der in den Tsadsee fließt. - Die Vegetation des M. ist im wesentlichen Buschwald und Dornsteppe; Wälder sind nicht vorhanden. Die Völker M. sind eine ganze Anzahl von Heidenstämmen (s. Tafel 122), die dort durch die Hamiten (s.d.) und Fulbe (s.d.) hingedrängt worden sind. Man hat die Bevölkerung des M. auf 250000 Seelen geschätzt, und damit wäre also das M. sehr dicht besiedelt. Im Nordosten sitzen Margistämme (s.d.), die noch weit in die Ebene hineinreichen, weiter im Süden die Ndaien (s.d.), und im Osten sitzen die Fallistämme, die bis zum Benue nach Süden reichen. Im Norden wohnen um Mora die eigentlichen Mandara (s.d.). Bis Gidr im Osten und Uba im Westen sitzen außerdem Fulbe im M. Im Norden liegen nur zwei bedeutende Plätze, Mora (s.d.) und Doloo, das aber von Rabeh zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde. Die wichtigste Straße geht über Mimeh nach Mora und vermittelt den Handelsverkehr von den Fulbe zu den Bornuleuten. Das Sultanat Mandara war ein Vasallenstaat von Bornu, stand aber immer in losem Abhängigkeitsverhältnis zu letzterem. Seine ganze Kultur stammt von Bornu.

Passarge-Rathjens.