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Manilahanf (s. Tafel
125), die Faser aus den Blattscheiden der auf
den Philippinen heimischen und auch heute noch dort allein in großem
Umfange
kultivierten Faserbanane, Musa
textilis.
Sie wird im Lande selbst Abaca genannt.
Die Pflanze gleicht in ihrer Wuchsform durchaus den Obst- und Mehlbananen. Die sich gegenseitig
umschließenden
Blattscheiden bilden einen Scheinstamm von 2-6 m Höhe. Die Blüten und
Fruchtstände sind ebenfalls denen der Fruchtbanane ähnlich. Die Früchte
sind aber kleiner und enthalten in einem ungenießbaren Fruchtmus
reichlich
schwarze, etwa erbsengroße Samen. Die Faser wird aus den Blattscheiden
gewonnen; die äußeren liefern kräftigeren Hanf,
der meist zu Schiffstauen verwendet wird, die inneren zartere Fasern,
die zum Teil sehr feine Gewebe liefern. Der M. liebt ein gleichmäßiges,
feuchtes Tropenklima, guten Boden und milden Schatten.
Längere Dürreperioden verträgt er nicht. Sein Anbau ist deshalb auf den
südlichen Teil der Philippinen beschränkt und hat bisher in anderen
Gebieten
der Tropen noch keine wesentlichen
Erfolge
zu verzeichnen gehabt. Die Gewinnung der Faser erfolgt in der Regel vom
2. bis 4. Jahre, indem die ganze Pflanze kurz vor der Blüte, oder
Fruchtbildung
über dem Boden abgeschnitten wird. Die Blattstiele werden von der
Blattfläche
getrennt und in Längsstreifen zerlegt. Die Entfaserung geschieht sofort
nach der Ernte auf einfachen, von den Eingeborenen hergestellten
Entfaserungsmaschinen.
Die einzelnen Streifen werden zwischen einer Unterlage und einem durch
Hebeldruck dagegen gepreßten Messer
hindurchgezogen
und so von den weicheren Gewebsteilen befreit. Die nach mehrfachem
Hindurchziehen
isolierten Faserstränge werden durch Schwingen und Schlagen von den noch
anhaftenden Schäbeteilen möglichst befreit und entweder sofort oder nach
kurzer Behandlung in Wasser getrocknet. Die Abfälle bei der
Hanfbereitung
finden umfangreiche Verwendung in der Papierfabrikation. Auch von
anderen
Bananenarten, z.B. von einigen in Ostafrika
verbreiteten Arten, und vor allem von der Obst- und Mehlbanane hat man
versuchsweise Fasern gewonnen, die aber bisher für die Industrie noch
keine Bedeutung erlangt haben. Diese Fasern sind meistens zu kurz, nicht
sauber genug aufbereitet und in der Regel sehr brüchig. Letzteres dürfte
namentlich der Fall sein, wenn die Obstbananen erst nach der Ernte der Früchte zur
Fasergewinnung herangezogen werden. Im Jahre 1910 führten die
Philippinen
160000 t aus, Hamburg importierte 1913 2235 t.
Literatur: Dr. J. Dekker, Manilahennep, in Van Gorkom's Oost-
indische Cultures,
Bd. III. Amsterdam 1913. - E. B. Copeland, Abacá: The Philippine
Agriculturist
and Forester, 1911, 64. - M. Schanz, Die Kultur des Manilahanfs auf den
Philippinen,
Tropenpflanzer VI, 175-181. - Oh.
Remery, L'Abaca aux Philippines et au Tonkin: Revue des cultures
coloniales
1903, XIII, 203 ff.
Voigt. |