Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 503 ff.

Marianen (Ladronen, Diebesinseln, Islas de las Velas Latinas, s. Tafel 127, 188). 1. Lage und Bodengestaltung. 2. Klima. 3. Pflanzenwelt. 4. Tierwelt. 5. Eingeborenenbevölkerung. 6. Europäische Unternehmungen und Verwaltung. 7. Entdeckungsgeschichte.

1. Lage und Bodengestaltung. Die M., mit Ausnahme des amerikanischen Guam, zum Schutzgebiet Deutsch-Neuguinea gehörig, liegen in einem etwas unregelmäßigen, schwach gekrümmten, nach Osten konvexen Bogen zwischen 13°-21° n. Br. und 144 1/2° bis 146° ö. L. am Westrand des tiefen Marianengrabens. Es sind im einzelnen von Süden nach Norden die Inseln. Guam, Rota (s.' Tafel 127), Agiguan, Tinian, Saipan, Farallon de Medinilla (s. Tafel 127), Anatáhan, Sarígan, Guguan, Alamágan, Págan, Agrígan, Assongsong, Maug, Urakas. Die Inseln sind durchaus vulkanischer Entstehung, haben aber im südlichen Teil der Gruppe starke Niveauschwankungen erfahren, so daß hier Korallenkalk, vielfach terrassenförmig aufgebaut, den jungeruptiven Inselkern ganz oder teilweise verdeckt; hier finden sich auch nur mäßige Höhen (höchste Erhebung: 466 m auf Saipan). Die nördlichen M. zeigen nur wenig oder gar keinen Korallenkalk und sind wohl erst nach dem Ablauf der großen Niveauschwankungen entstanden; trotzdem sind die vulkanischen Erhebungen teilweise schon stark abgetragen, während andere noch ganz frische hohe Vulkankegel darstellen. Fumarolen sind neuerdings am Assongsong und am Südvulkan von Pagan, energische Tätigkeit am Urakas und am Nordvulkan von Pagan beobachtet, doch war auch Assongsong im 18. und 19. Jahrh. tätig. Erdbeben treten ziemlich häufig auf; starke Beben ereigneten sich 1849 und 1902. Das Meer hat vielfach die Ränder der Inseln stark angegriffen und Steilküsten geschaffen, die sehr schwer zugänglich sind; auch Riffe und Brandung erschweren an vielen Stellen die Annäherung; indes sind auch einige brauchbare Häfen vorhanden (auf Saipan und Pagan). Die Inseln nehmen 1140 qkm Fläche ein, wovon aber 510 auf die südlichste, in amerikanischem Besitz befindliche Insel Guam entfallen. Die Bewässerung ist trotz des ansehnlichen Regenfalls dürftig, da klüftige Korallenkalke und vulkanische Gesteine sowie die lockeren Auswurfsmassen das an sich reichliche Regenwasser rasch in die liefe sinken lassen. Immerhin gibt es auf einigen Inseln Bäche, die aber in der Trockenzeit häufig austrocknen, oder kleine Seen. Am wasserreichsten ist noch Rota, während auf Tinian nur drei "Lagunen" und kein Bach vorhanden sind; die Quellen zeigen zum Teil erhöhte Temperaturen, so im Norden von Alamagan.

Sapper.

2. Klima. Die Temperatur der M. beträgt nach den Beobachtungen von Guam im kältesten Monat Dezember 25,4°, im wärmsten Juni 27,9°, im Jahresmittel 26,7°. Die Jahresschwankung beträgt also 2,5°. Die absoluten Extreme sind 18,9° und 32,2°, die mittlere tägliche Temperaturschwankung 5,2°. Die M. haben also ein gemäßigtes tropisches Seeklima. Die Niederschlagsmenge nimmt von Süden nach Norden ab. Sie beträgt jährlich in Guam etwa 3000 mm, an der Westseite von Saipan 2079 mm. Die Regenzeit ist Juli bis November. Es herrschen also Sommerregen von tropischem Typus mit Verschiebung gegen den Herbst, vom Januar bis Mai dagegen trockenes Wetter unter der Herrschaft des Nordostpassats. Nur in der Regenzeit treten auch Süd-, Südwest- und Westwinde auf; im August fehlt der Passat fast ganz. Mit verheerender Gewalt brausen gelegentlich Taifune über die M. dahin (s. Wind 5). Niederschlagskarte s. Deutsch-Neuguinea.

Heidke.

3. Pflanzenwelt. Die Inseln zeigen nur auf ebenem Lande und an geschützteren Stellen Bewaldung und üppigere Vegetation. Die Vulkankegel sind vielfach nur mit spärlichem Graswuchs bedeckt, stellenweise tritt das nackte Gestein zutage. Unter der Strandvegetation fällt Cycas und Casuarina auf. Das wichtigste Gewächs ist die Kokospalme, die auf fruchtbarem Boden große Bestände bildet. Zu nennen sind ferner Calophyllum, Barringtonia, Ficus und an Nutzpflanzen der Brotfruchtbaum, Orangen, Zitronen, Guayaven, Bananen, Yams, Taro, Mais, Bataten und Ananas.

Lauterbach.

4. Tierwelt. Die Tiere der M. sind, wie die der Palauinseln (s.d. und Deutsch-Neuguinea), teils weit verbreitet, teils auf Mikronesien, teils auch auf die M. oder gar auf einzelne der Inseln beschränkt. So kommen an Landvögeln ein Buschhuhn, Megapodius lapeyrousei, zwei Tauben, Ptilopus roseicapillus und Phlogoenas xanthonura, ein Eisvogel, Halcyon cinnamomina, ein Rohrsänger, Acrocephalus luscinia und andere nur auf den M. vor. Von Brillenvögeln, Zosterops, kommt Z. conspicillata auf Guam, Z. saipani auf Saipan vor. Von Fliegenfängern der Gattung Rhipidura R. uraniae nur auf Guam, R. saipaniensis nur auf Saipan. Eine zur Familie der Honigfresser gehörende Gattung, Cleptornis marchei, ist auf die Inselgruppe beschränkt.

Dahl.

5. Eingeborenenbevölkerung. Die deutschen M. werden von 3500 Eingeborenen bewohnt, von denen 2500 auf Saipan, 500 auf Rota in festen Siedelungen leben. Die übrigen verteilen sich auf die anderen Inseln, von denen eine Reihe allerdings unbewohnt ist. Diese Bevölkerung setzt sich aus der ursprünglichen Bevölkerung, eingewanderten Karolinern, Tagalen und strafverbannten Samoanern zusammen. Die ursprüngliche Bevölkerung ist ein Mischvolk, dem man den Namen der alteingesessenen Bevölkerung der Chamorro belassen hat. Von diesem einst mächtigen, starken, kulturtüchtigen Volke ist heute nicht mehr viel vorhanden; nur auf der Insel Rota sollen sich Reste rein erhalten haben. Die mit Feuer und Schwert durchgeführte Christianisierung der Spanier hat sie vernichtet; mit den Trägern der alten Kultur ging diese selbst fast zugrunde. Von den alten Tugenden der Chamorros, Tapferkeit, Kriegstüchtigkeit, Wagemut und Unternehmungsgeist, ist nichts oder nur sehr wenig übrig geblieben. Im letzten Jahrzehnt hat sich manches geändert. Das für die Marianen bewährte Organisationstalent des ehemaligen Bezirksamtmannes Georg Fritz (s.d.) hat bisher nur gute Früchte gezeitigt, und es ist zu hoffen, daß aus den kümmerlichen Resten eines nahezu vernichteten Volkes ein neues, kräftiges, wirtschaftlich tätiges Volk entsteht. Nur wird man Zeit und Geduld besitzen müssen. Die Eingeborenen sind hellbraunfarben; Blutmischungen mit Tagalen, Negritos ergeben eine dunklere Hautfarbe, Mischungen mit Mongolen, Europäern eine hellere. Sie erscheinen stärker, kräftiger als Europäer, doch ist das Täuschung, die auf außergewöhnlich entwickelten Fettpolster beruht. Das Haar ist schwarz, schlicht, straff; die Backenknochen sind wenig hervorstehend, doch ist das Gesicht breit, kurz; die Nase ist stumpf, breit; die Augen sind häufig geschlitzt, schräge gestellt und wenig ausdrucksvoll. - Im Charakter sind die Leute gutmütig; sie neigen zu stumpfsinnger Träumerei und sind außerordentlich bequem. - Von der alten Ständegliederung in Priester, Adel, Freie und Sklaven ist heute nichts mehr zu spüren. In dieser Beziehung herrscht Gleichheit. Die Siedelungen, kleine und große Dörfer, sind nach deutschem Muster organisiert; die Einwohnerschaft untersteht dem Dorfschulzen, dem Alkalden. Der Adel war früher so exklusiv, daß eine Heirat eines seiner Angehörigen mit einem Mädchen aus dem Volke seinen unbedingten Tod zur Folge hatte. Dem Adel gehörte auch das meiste Land, das er an die anderen Klassen verpachtete. Ihr Besitz waren Majoratsgüter, die in männlicher Linie der Reihe nach an die Brüder und Neffen fielen, die gleichzeitig dann auch den Namen dieses Familienoberhauptes annahmen. Noch bis vor kurzem bestand ein Abglanz dieses Erbrechtes, indem der älteste Sohn allein den Besitz erbte. Heute wird er unter alle Kinder gleichmäßig verteilt; die Mutter hat bis zum Tode den Nießbrauch des Vermögens, und der älteste Sohn ist seinen Geschwistern gegenüber der pater familias. - Die Ehe wird heute in europäischer Weise geschlossen nach katholischem Ritus. Ehemals konnten die Männer so viel Frauen nehmen, wie sie Lust hatten resp. umgekehrt, denn auf den M. heiratet die Frau eher den Mann. Die alten Ansichten über die Ehe haben auch heute noch nicht die Geltung ganz verloren. Sie ist lösbar und dauert so lange, als beide Teile miteinander zufrieden sind. Man trennt sich, wenn es der Frau gefällt. Viele Männer heirateten daher überhaupt nicht. Sie lebten im Konkubinat mit fremden Ehefrauen oder kauften sich ein Mädchen, das sie in ihren Versammlungshäusern aushielten. Wilde Ehen sind zahlreich; auch ist der freie Verkehr zwischen der Jugend beiderlei Geschlechts vom 16. Lebensjahre ab etwas so Selbstverständliches, daß niemand ein Wort darüber verliert. Man heiratet im Alter von 18-23 Jahren. In den Zeremonien ist noch ein gut Teil der alten erhalten. Der Jüngling hält um die Hand seiner Erwählten an oder schickt ein weibliches Familienmitglied als Freiwerber. Für gewöhnlich bekommt er nicht gleich eine Zusage, sondern muß sie sich erst verdienen. Bis zum Hochzeitstage dient er dann bei seinem Schwiegervater oder, falls er reich und vornehm genug ist, sucht er ihn mit Geschenken - Schweine sind sehr beliebt - für sich zu gewinnen. Dreimal wird das künftige Paar aufgeboten; jedesmal hat der Verlobte dann Sondergeschenke an den Schwiegervater zu senden. Solange man kein eigenes Heim besitzt, wohnt man bei den Eltern und haust mit ihnen gemeinsam. Das Erstgeborene trifft nicht selten unerwartet früh ein, oft auch zum Erstaunen des Mannes. Den Namen erhält es nach dem Tagesheiligen und wird möglichst bald nach der Geburt getauft. - Die Trauer um Verstorbene sucht man durch Tränenströme und fast nicht enden wollendes Wehklagen zu verstärken. Das Begräbnis wird nach europäischer Sitte gehalten. - Die Stellung der Frau ist eine recht unabhängige und sehr freie. Sie führt die Wirtschaft, besorgt den schweren Landbau, während der meist recht schläfrige Mann besonders ermuntert werden muß, um seiner Arbeit nachzugehen, das Vieh zu besorgen, zu fischen und zu jagen. - Aus alter Zeit hat sich bis heute erhalten und vererbt, daß die Frau das erste Wort im Hause hat und in allen Erziehungsangelegenheiten den Ausschlag gibt. Ist aber eine Schwiegermutter im Hause, so hat sich alles ihr zu fügen. - Im Verkehr untereinander ist man sehr höflich, zeremoniell. - Eigentümlich ist auf den M. das Bestehen einer freiwilligen Sklaverei. Kinderreiche arme Familien geben Söhne und Töchter in ein befreundetes Haus, wo sie, ohne Lohn zu empfangen, gegen Nahrung, Kleidung und etwas Taschengeld zur Verfügung ihrer Dienstherrschaft stehen. Solch ein Sklave dient im Recht und Unrecht seinem Herrn. Eine Lösung dieses Dienstverhältnisses ist sehr schwer. - Die Kleidung der Chamorros ist rein europäisch und lehnt sich an die spanische an, namentlich die der Frau. - Man wohnt in Dörfern, die durch rechtwinklig sich schneidende Straßen durchzogen sind. Die Breitseite der Häuser zeigt nach der Straße; vor dem Hause stehen grüne, kurz geschnittene Hecken. Hinter dem Hause liegt der Hofplatz, eine Wasserstelle und das Kochhaus. Gelegentlich stoßen an das Wohngehöft auch noch kleine Küchen- und Tabakgärten, denn Tabak zu bauen (für den eigenen Gebrauch allerdings nur), gehört mit zu den ersten Pflichten des Chamorro. Das Chamorrohaus steht auf Holzpfählen; es hat einen rechteckigen Grundriß und besteht aus Rahmenwerk mit geflochtenen Wänden. Im Innern des Hauses teilen gleiche Zwischenwände die Räume ab. Das Haus hat Türen, Fenster und ein winkliges Mattendach. Die Inneneinrichtung ist einfach. Ein Tisch, eine Bank, 2-3 Stühle, eine Petroleumlampe, eine Nähmaschine, einige Kisten, Eßgerät, Heiligenbilder usw. machen sie aus. Man schläft auf Matten auf dem Fußboden und deckt sich mit einer Wolldecke zu; der Kopf ruht auf einem Kissen oder auf einer Nackenstütze. - In der Nähe der Wohnsitze liegen die Pflanzungen mit einer Laubhütte, in der sich der Chamorro mit Vorliebe einem möglichst langen, ungestörten Nichtstun hingibt. Jede Ortschaft hat außerdem noch eine Kirche nach europäischem Muster, rot, weiß, blau ausgemalt und mit dem üblichen naiven Schmuck aus künstlichen Blumen, Spiegeln, Bildern und farbigem Papier ausgeziert. - In alter Zeit waren die Häuser der Adligen auf hohen Korallensteinsäulen, die oben ein Kapitäl trugen, errichtet. In den Wäldern trifft man noch vielfach die Reste solcher Säulen an, von denen die best erhaltenen heute noch an der Südwestküste von Tinian stehen. Im Kapitäl wurden gelegentlich besonders liebe Tote beigesetzt (s. Tafel 188). - Der Landbau beschränkt sich auf die Pflege der Kokospalme, Banane, Reis, Brotfrucht, Kartoffeln, Taro, Yam, Tabak, Betel. Auch beschäftigt man sich mit der Viehhaltung: Rindvieh, Ziegen, Hühner, Hunde, Katzen, Schweine. Das Rindvieh ist zum Teil verwildert, wie auch die Schweine. - Handel und Gewerbe haben eine geringe Bedeutung bisher bei den Chamorros erlangt. Der Handel ist aber sehr entwicklungsfähig, denn allmählich hat die erzieherisch wirkende, anspornende deutsche Regierung den Eingeborenen aus seiner Faulheit und Träumerei aufgerüttelt. Kopra ist das Haupthandelsprodukt, ferner im Binnenhandel der Tabak. - Handwerker sind in allen Berufsarten vertreten, doch betreibt niemand seinen Beruf energisch. Geld wird nicht besonders eingeschätzt, und man tischlert, schlossert, schneidert, schustert, um gelegentlich vom Auftraggeber eine Gegenleistung in irgendeiner Art zu erhalten. Das Geld wird in erster Linie verspielt beim Kartenspiel und im Hahnenkampf, die den Eingeborenen aus seiner Lethargie herauskommen lassen. Spiele und Tänze sind sehr beliebt. Es sind die großen Spiele und Tänze wie bei uns. Mund- und Ziehharmonika sind die bevorzugten Instrumente, die keinem Chamorro fehlen. - Verkehrsmittel sind Kanus (Einbaum), europäische Boote, auf dem Lande der Reitochse und die mit den Ochsen bespannte careta, die als Personen- und Lastenfahrzeug verwendet wird. - Das Bild der Chamorro wäre nicht völlig gezeichnet, wenn man ihren Aberglauben wegließe. Trotz der mehr als 250jährigen intensiven Berührung mit den Spaniern und dem Katholizismus sind die alten heidnischen religiösen Anschauungen nicht ausgestorben. Wald und Feld, Höhle, Riff, Wasser sitzen voll von Geistern (anite), die nur darauf sinnen, Unheil zu stiften und den Eingeborenen zu schaden. Es sind die Seelen der Abgestorbenen, die hier hausen. Kein Chamorro, und sei er der überzeugteste Christ, wird nachts zu einem längeren Wege außerhalb des Hauses zu haben sein. Die Geister spuken überall, er würde niemals unbeschadet nach Hause kommen.

Thilenius, Hambruch.

6. Europäische Unternehmungen und Verwaltung. Von der Erwerbung der M. durch Deutschland im Nov. 1899 bis zum Jahre 1907 bildeten die M. einen selbständigen Verwaltungsbezirk unter der Leitung eines Bezirksamtmanns, der seinen Sitz auf der Insel Saipan hatte. In dem genannten Jahre wurden sie sodann mit den Westkarolinen und Palauinseln zu einem einzigen Bezirk vereinigt und unterstehen seitdem dem Ksl. Bezirksamtmann in Jap. Die lokale Verwaltungstätigkeit auf den Marianen selbst übt seitdem ein Stationsleiter aus, der seinen Sitz ebenfalls in Saipan hat. Der Stationsleiter hat auch die standesamtlichen Geschäfte und die Eingeborenengerichtsbarkeit wahrzunehmen. Außer dem nötigen Unterpersonal verfügt die Station noch über einen Regierungsarzt und Lazarettgehilfen. Hinsichtlich der Fremdengerichtsbarkeit sind die M. dem Bezirksgericht in Jap und dem Obergericht in Rabaul zugeteilt. Was das Schul- und Missionswesen anbelangt, so besteht auf Saipan selbst eine gutbesuchte Regierungsschule (s. Deutsch-Neuguinea, Schul- und Missionswesen). Die Missionierung liegt in den Händen der Rheinisch-Westfälischen Ordensprovinz der Kapuziner (s.d.), die, soweit erforderlich, auch Eingeborenenschulen unterhält (s. Karolinen [Apost. Vikariat]). - Die Hauptinseln sind Saipan, Tinian, Rota, und sodann kommen für den Handel noch Anatahan, Alamagan, Pagan und Agrigan in Frage. Der Haupthandelsartikel in den Marianen ist, wie überall in der Südsee, die Kopra. (Wegen der Handelsstatistik, die für die Marianen nicht besonders geführt wird, sondern nur für den ganzen Bezirk der Westkarolinen, s. unter Westkarolinen, Handel). Der Hauptort für den Handel ist Garapan auf der Insel Saipan, dort sind 4 Handelsfirmen und zwar 1 deutsche, 2 japanische und 1 spanische tätig. Für die Einfuhr kommen dieselben Artikel in Frage, wie in den Karolinen. Es sind vor allen Dingen Nahrungsmittel, Konserven, Kleiderzeuge, Haus- und Wirtschaftsgegenstände, Handwerkszeuge u. dgl., die von den Eingeborenen gekauft werden. Außer den erwähnten Handelsgesellschaften befinden sich europäische Unternehmungen auf den Inseln nicht. - Die Eingeborenen kultivieren außer der Kopra vor allem Süßkartoffeln, Taro, Yams, Bananen sowie auch Orangen, Mais, Tabak, Erdnüsse, Zuckerrohr, Brotfrucht und etwas Kaffee. - Die weiße Bevölkerung auf den Marianen ist unbedeutend; abgesehen von denBeamten und Missionaren umfaßt sie die wenigen auf der Insel tätigen weißen und japanischen Angestellten der oben genannten Firmen. Die farbige Bevölkerung setzt sich zusammen aus Chamorros, Karolinern, Malaien, Tagalen (s.d. betr. Artikel), ferner den im Jahre 1909 dorthin verbannten samoanischen Häuptlingen nebst ihren Angehörigen und einigen Negern und Mischlingen. Die Zahl der Farbigen wird im ganzen auf rund 2000 Seelen geschätzt. Den Verkehr mit der Außenwelt vermittelt der Reichspostdampfer "Germania", der jährlich sechsmal in Saipan vorläuft (s. auch Deutsch-Neuguinea, 16. Verkehrswesen). Eine Postanstalt befindet sich in Garapan (Saipan). An das Welttelegraphennetz ist die Gruppe noch nicht angeschlossen.

Krauß.

7. Entdeckungsgeschichte. Die Marianen wurden bereits am 6. März 1521 von Magalhães entdeckt, der Guam und Rota (oder etwa Saipan, Tinian und Agiguan?) sah und die Eilande zunächst Islas des las velas oder S. Lazarusarchipel nannte, nach dem diebischen Benehmen der Eingeborenen aber in Ladronen (Diebesinseln) umtaufte. 1668 wurden sie von den Spaniern in Besitz genommen und in M. umgetauft. Die Reisen von Anson, 1742, Byron 1765, Wallis 1767, Crozet 1772, La Pérouse 1787, L. C. Desaulses de Freycinet 1819 und Eug. Sanchez y Zayas 1864/65 machten sie etwas besser bekannt; in neuester Zeit haben hauptsächlich A. Knorr (1874) und Bezirksamtmann Fritz unsere Kenntnisse erweitert. Die M. wurden 1899 durch Kauf vom Deutschen Reich von Spanien erworben (mit Ausnahme von Guam); am 17. Nov. 1899 erfolgte die feierliche Besitzergreifung für das Deutsche Reich.

Sapper.

Literatur: Zu 1 und 7: Ch. de Gobien, Histoire des Isles Marianes. Paris 1700. - L. C. Desaulses de Freycinet, Voyage autour du monde 1817-1820. Paris 1824/44. - Felipe de la Corte y Ruano Calderon, Memoria descriptiva é histórica de las Islas Marianas. Madrid 1875. - A. Knorr, Aus den Reiseberichten S. M. S. "Hertha". Ann. d. Hydrographie IV. 1876. - F. Fritz, Reise nach den nördlichen Marianen. Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1902, 96-118. - S. v. Prowazek, Die deutschen Marianen. Ihre Natur und Geschichte. Lpz. 1913. - Zu 2 und 3: S. Deutsch-Neuguinea. - Zu 4: E. Oustalet, Les mammifères et les oiseaux des Iles Mariannes in Arch. Mus. Paris (3) 7, 1896, 141 ff. u. 8, 25 ff. - E. Hartert, On the birds of the Marianne Islands in. Nov. Zool. V, 1898, 51 ff. - Zu 6: G. Fritz, Die Chamorro, Ethnol. Notizblatt Bd. III Heft 3.