Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 519

Marua (s. Tafel 58, 83, 126), Hauptort des gleichnamigen und bedeutenden Lamidats der Residentur Garua im nördlichen Kamerun. Die Stadt liegt östlich vom Mandaragebirge am Tsanaga, der in den Logone fließt. Der Distrikt von M. ist einer der am dichtesten besiedelten, die Stadt die größte des Fulbereiches Adamaua. Die Bewohner sind Funange-Fullahs (s. Fulbe u. Tafel 58, 83); seit den Kriegszügen Rabehs (s. d.) haben sich auch viele Bornuleute hier angesiedelt. Von ihnen stammt der Lehmbau der Häuser. Diese haben flache Dächer, mit trocknem Kuhmist gedeckt. Andere zeigen die Kegeldachform der Musguleute. Die Einwohner sind Ackerbauer und Viehzüchter; ihre Felder sind vortrefflich gehalten, die Pferde die schönsten in Nordkamerun. Die Stadt ist sehr weitläufig, da sich immer mehrere Häuser zu Gehöften zusammenschließen, die mit Lehmmauern umgeben sind. Im Umkreis liegen eine Anzahl größerer Fulbestädte, deren Einwohnerzahl mit der von M. 100000 übersteigt. M. ist ein Handelszentrum der Fulbe und liegt an der Straße von Garua am Benue zum Schari. Die Besitznahme von M. war mit schweren Kämpfen verbunden: 20. Jan. 1902 Gefecht bei M.: Sieg des Oberleutnants Dominik über die Scharen des Suberu, früheren Emirs von Jola; der Angriff des weit überlegenen Gegners scheiterte an dem wirksamen Feuer des vom Oberleutnant v. Bülow bedienten Maschinengewehrs. 5. Febr. 1903 Oberleutnant Graf Fugger v. Glött der Schutztruppe für Kamerun, auf dem Markt in M. vor seinem Zelt sitzend, von einem Fanatiker meuchlings mit vergiftetem Pfeil erschossen. Der Lamido hat seine alten Rechte behalten, zahlt aber jetzt Tribut an den Residenten in Garua.

Literatur: Dominik, Vom Atlantik zum Tsadsee.

Passarge-Rathjens, Zimmermann.