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Massai (s. Tafel
118, 171), große hamitische Völkergruppe im nordöstlichen
Deutsch-Ostafrika und dem benachbarten Britisch-Ostafrika. Zu den M. zählt man außer den M. im
engeren
Sinne die Asá oder Wandorobbo (s.d.)
und die Wakuafi (s.d.). Nach Merker sind zuerst die
Wandorobbo
von Norden her in das Steppengebiet zwischen Kilimandscharo und Victoria Njansa eingedrungen. Ursprünglich
viehzüchtende
Nomaden, wurden sie durch die
nachfolgenden
Elkuafi oder Wakuafi verdrängt und
wurden
in Busch und Steppe zu elenden Jägern. Die Wakuafi ihrerseits
verarmten
dann durch die Rinderpest und Kämpfe
mit den Wataturu (s.d.), so daß sie den
zuletzt herandrängenden M. in der ersten Hälfte des 19. Jahrh. endgültig
unterlagen. Sie sind zum großen Teil am Meru,
in Taweta, Kahe, Aruscha tschini, Gedja, Nguruman und anderen Orten seßhafte Ackerbauer
geworden, während der kleinere das alte, freie Leben als Viehzüchter und
Viehräuber in derselben Weise weiterführt wie die M., oder sich den
Wandorobbo angeschlossen hat und zu Jägern geworden
ist. Die M. sind seither bis zur großen Viehsterbe am Beginn der 1890er
Jahre die unumschränkten Herren des ganzen weiten Gebietes der Massaisteppe (s.d) und seiner Umgebung
gewesen.
Sie unterschieden verschiedene Provinzen und Bezirke, deren jeder ein eigenes Wappen auf dem
Schild
des Kriegers besaß (s. Farbige Kulturtafel von Deutsch-Ostafrika
Abb. 1 u. 9). Oberhaupt aller M. war der el oiboni, der Oberpriester,
dessen Sitz stets am Westfuß des Kilimandscharo war. - Körperlich weicht
der M. vom Bantu stark ab. Er ist groß, schlank und mager (s.
farbige Kulturtafel von Deutsch-Ostafrika Abb. 1 und Tafel 118), die Hautfarbe,
kaffee- bis hellschokoladenbraun, das Gesicht oval und wenig prognath,
die Augen etwas geschlitzt, das Haar leicht gekräuselt. M. und Wakuafi
ist dieselbe Sprache gemeinsam; die Wandorobbo besitzen einen eigenen
Dialekt. Allen dreien gemeinsam sind dieselbe Art einer unvollkommenen
Beschneidung, bis zu einem gewissen Grad auch
die Hüttenformen und die religiösen Anschauungen. Die Bekleidung der M.
bestand ursprünglich nur aus Leder; heute hat der Kattun auch hier
gesiegt.
Im Kriegsschmuck ist gleichzeitig an die Stelle der früheren Helme aus
Löwenmähne u. dgl. die Vorliebe für die Straußenfeder getreten (s.
farbige
Kulturtafel von Deutsch-Ostafrika Abb.
2 und Tafel 118). Für
die Frauen bezeichnend sind große, tellerförmige
Halskrausen aus Eisen-, Kupfer- oder Messingdraht, die bis über die
Schultern
hinüberreichen, und lange, schwere Drahtmanschetten aus den gleichen
Metallen
um Ober- und Unterarm und die Unterschenkel. Viele Frauen schleppen
dergestalt
viele Kilogramm Metall mit sich herum, des mannigfachen Ohrschmucks gar
nicht zu gedenken. - Siedelungsform der M. ist der von einem Dornverhau
kreisförmig umgebene Kraal mit dicht aneinander gereihten Hütten.
Diese sind 1,50-1,75 m hoch, 4-5 m lang und 3 m breit und bestehen aus
einem von Pfählen gestützten und mit Ruten durchflochtenen Gitterwerk
mit abgerundeten Kanten, das vor 1891 mit Rinderhäuten überdeckt wurde,
während man sich seither mit einer 15-20 cm dicken Strohschicht behilft,
die zolldick mit frischem Kuhmist bestrichen wird. Die unverheirateten
Krieger (el moran) und die jungen Mädchen (ndito) wohnen gemeinsam in
besonderen Kraalen, wo es meist recht fröhlich hergeht.
Hauptbeschäftigung
der Männer ist die Viehzucht; die der Moran die Vergrößerung der
Herde
durch Raub. Hauptwaffe ist dabei der 2 m lange, fast ganz aus Eisen bestehende Stoßspeer und der feste, bemalte
Lederschild.
Waffe der verheirateten Männer (el moruo) ist ein leichter Bogen mit Pfeilen. - Die große Rinderpest (s.d.) am
Beginn der 90er Jahre hat der alten M.herrlichkeit für lange Zeit ein
Ende bereitet. Viele sind damals zugrunde gegangen, andere völlig
verarmt
und verelendet. Nur etliche Stämme am
Meru, am Kilimandscharo und am Paregebirge, wie auch solche auf
englischem
Gebiet, haben sich allmählich wieder erholt, so daß 1909 die alten
Viehräubereien
von neuem einzusetzen begannen. - 1904 behauptete Hauptmann Merker die direkte Abstammung der M. von den alten
Hebräern, indem er sie noch vor 5000 v. Chr. Geb. direkt aus Vorderasien
herüberwandern ließ und sie gleichzeitig als Semiten ansah. Diese Hypothese ist durch nichts
begründet
und allseitig zurückgewiesen worden.
Literatur: Merker, Die Massai. Berl. 1904; 2. Aufl. 1910. -
Reichard, Deutsch-Ostafrika. Lpz. 1892. - G. A.
Fischer, Das Massailand. Mitt. d. Hamb. Geogr. Ges.
Hamb. 1885. Thomson, Through Massailand.
Dtsch.: Lpz. 1885. - v. Höhnel, Zum Rudolfsee und Stephaniesee. Wien
1891.
- Baumann, Durch Massailand zur Nilquelle.
Berl. 1894. Kaiser, Rassenbiologische Beobachtungen über das Massaivolk.
Arch. f. Rassen- u. Ges.-Biologie. Berl. 1906. - Stuhlmann, Beiträge zur
Kulturgeschichte von Ostafrika.
Berl. 1909.
Weule. |