Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 533 f.

Medizinalwesen. In den deutschen Schutzgebieten ist den Ksl. Gouverneuren zur Beratung in Medizinalangelegenheiten und zur Bearbeitung derselben ein Medizinalreferent beigegeben. In Kamerun und Deutsch-Ostafrika ist dieses Amt mit dem des leitenden Oberstabsarztes der Ksl. Schutztruppe verknüpft, so daß in diesen beiden Schutzgebieten die Leitung der militärmedizinischen und zivilmedizinischen Angelegenheiten in einer Hand liegt, während in Deutsch-Südwestafrika beide Ämter getrennt sind. In dem kleinen Schutzgebiet Samoa teilen sich die beiden Regierungsärzte in die Bearbeitung der amtlichen Medizinalangelegenheiten. Togo und Deutsch-Neuguinea besitzen je einen Medizinalreferenten. Die Regierungsärzte sind, soweit sie nicht besondere Aufgaben wie die Leitung eines Krankenhauses, die Bekämpfung der Schlafkrankheit oder anderer Seuchen haben, die Berater der lokalen Behörden (Bezirksämter) in hygienischen Angelegenheiten, sie sind aber den lokalen Verwaltungsbeamten nicht unterstellt, sondern direkt dem Gouvernement, welchem sie Berichte zu erstatten haben. Die militärärztliche Organisation in den 3 Schutzgebieten, welche eine Schutztruppe besitzen (Deutsch-Ostafrika, Kamerun, Deutsch-Südwestafrika) ist ähnlich wie in der Heimat, jedoch mit dem Unterschied, daß jede Kompagnie einer Schutztruppe einen Militärarzt (Assistenzarzt, Oberarzt oder Stabsarzt) besitzt. Diese Truppenärzte sind jedoch, soweit sie militärisch nicht in Anspruch genommen sind, auch zu regierungsärztlichem Dienst verpflichtet. Ein Teil der Militärärzte in Deutsch-Ostafrika und Kamerun ist ganz zum (zivilen) Gouvernementsdienst abkommandiert. Im Reichskolonialamt erfolgt die Bearbeitung der Medizinalangelegenheiten in einem zivilen und einem militärischen Medizinalreferat, jedoch ist auch hier die Leitung beider Referate in einer Hand. Das zivile Medizinalreferat im Reichskolonialamt ist in der politischen Abteilung eingegliedert, der Medizinalreferent hat direkten Vortrag beim Staatssekretär des Reichs-Kolonialamts. Das militärische Medizinalreferat bildet einen Teil des Kommandos der Schutztruppen im Reichs- Kolonialamt (s. Ärzte und Krankenhäuser).

Steudel.