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Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 551 f. |
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Metallindustrie der Eingeborenen. Die Kenntnis der Metalle ist den Ozeaniern durch die Europäer vermittelt worden, in Afrika dagegen alter Kulturbesitz (s. Eisenindustrie der Eingeborenen). Während dort von einer M. nicht gesprochen werden kann, da gelieferte europäische Eisengeräte benutzt und höchstens aus altem Bandeisen und Nägeln durch Kaltschmieden Pfeilspitzen usw. hergestellt werden, umfaßt hier die M. die Verarbeitung des Erzes bis zum fertigen Gerät. Überall in Afrika ist das Eisen bekannt und verbreitet; nur Pygmäen und andere kleine Völker erhalten es von ihren Nachbarn, verstehen aber seine Herrichtung zu Gebrauchsgegenständen mindestens durch Kaltschmieden. Wesentlich seltener ist das Vorkommen des Kupfers, und die Orte seiner Gewinnung beschränken sich auf wenige. In Transvaal befinden sich alte Gruben, die von den Kaffern ausgebeutet wurden, auch die Hottentotten verstanden das Ausschmelzen; lange vor Eröffnung der Otavi-Minen in Deutsch-Südwestafrika (s. Kupfererzlagerstätten und Otavi- Minen- und Eisenbahngesellschaft) brachten Buschmänner das Erz den Häuptlingen von Ondonga; in Katanga wird seit langer Zeit Kupfer gewonnen; Hofrat e Nahhas im Ostsudan und das Benuegebiet lieferten es. Von diesen wenigen Orten aus entwickelte sich ein ausgedehnter Handelsverkehr zu anderen Völkern, die das Kupfer zum Schmuck ihrer Geräte verwenden. Im westlichen Sudan, der neben Kupfer auch Zinn in Nigerien besitzt, ist Bronze bekannt, doch ist die Kenntnis ihrer Herstellung auf eine alte Berührung mit der mittelländisch- orientalischen Kultur zurückzuführen. Gold, das z.B. in Togo gewonnen wird, aber auch in Kamerun vorkommt, hat für die Eingeborenen keine Bedeutung erlangt. Schon seit längerer Zeit tritt an die Stelle der alten Bronze das europäische Messing. - Die Gewinnung von Kupfer und Zinn aus den Erzen geschieht wesentlich in derselben Weise wie die des Eisens (s. Eisenindustrie der Eingeborenen). Während aber die allein bekannte Rennarbeit nur Schmiedeeisen ergibt, können Kupfer und Zinn geschmiedet und gegossen werden. Das Kupfer kommt in Drähten oder Barren verschiedener Form in den Handel (aus letzteren weiß man z. B. am Tanganjikasee Draht herzustellen), das Zinn in Form kurzer Drähte. Das Schmelzen des Kupfers geschieht in Tiegeln, an denen ein Holzkohlenfeuer mittels eines Gebläses unterhalten wird; die Herstellung der Bronze fand wohl in derselben Weise statt. - In Ost- und Südafrika ist die Verarbeitung des Kupfers auf das Ziehen von Drähten beschränkt, die als solche zu ornamentalen Umwickelungen von Speerteilen usw. verwandt oder zu Perlen umgeschmiedet werden; eine Formerei besteht lediglich in der Anlage von kleinen Mulden in der Erde (oder der Herstellung von Röhren in einem Erdhaufen mittels Stöcken), in die das geschmolzene Kupfer von der weiteren Bearbeitung gegossen wird. In Westafrika (Adamaua, Togo u.a.) dagegen ist (vielleicht mit der Bronze) die Kunst des Gusses in verlorener Form bekannt geworden: Über einen Kern aus Ton, der mit Holzkohle vermischt ist, wird das Modell in Wachs geformt und nach der Fertigstellung mit einem fest anliegenden Mantel aus Lehm versehen; ein Trichter führt durch den Mantel zu dem Wachsmodell. Diese ganze Form wird scharf getrocknet, dann erwärmt, wobei das Wachs schmilzt und aus dem Trichter fließt. An seiner Stelle wird das Metall in die Form gegossen und nimmt die Gestalt des früheren Wachsmodelles an. Darauf wird der Mantel abgeschlagen, während der Kern in dem Gußstück verbleibt, das weiterbearbeitet werden kann. Auch massiver Guß ist bekannt. Pfeifenköpfe, Glocken, Perlen, Schmuckstücke, Figuren u. a. werden einzeln gegossen, letztere wohl auch zu Gruppen zusammengestellt. Statt des Kupfers und der Bronze wird auch hier jetzt Messing verwandt die künstlerische Gestaltung der Modelle läßt außerordentlich nach, und die Sorgfalt in der Herstellung und Bearbeitung der Gußstücke ist gering geworden. Die M., die einst die Bronzen von Benin herstellte, ist heute degeneriert und liefert nur noch kleine, meist recht rohe Güsse. In Togo wird der Goldguß in verlorener Form ausgeführt, um Fingerringe, Ketten und Kleinschmuck, auch Figürchen herzustellen. Anscheinend ist hier die alte Technik unter europäischem Einfluß zum Edelmetall übergegangen, das auch im wesentlichen an der Küste bleibt. Literatur: R. Andree, Die Metalle bei den Naturvölkern. Lpz. 1884. |