Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 552 f.

Meteorologie. 1. Definition und Elemente der M. 2. Allgemeine Organisation der Beobachtungsnetze. 3. Organisation der Beobachtungsnetze in den deutschen Kolonien. 4. Bearbeitung und Veröffentlichung der Beobachtungen.

1. Definition und Elemente der M. Aufgabe der M. ist, den Zusammenhang der Erscheinungen in unserer Atmosphäre aufzudecken, also die in derselben auf einander folgenden Veränderungen zu erklären. Die Lehre vom Wetter (s. Wettervorhersage) ist zwar noch ein Zweig der M., wird sich aber ebenso wie die Klimatologie (s. Klima) zu einer eigenen Wissenschaft entwickeln. Eine scharfe Trennung dieser drei Wissenszweige ist jedoch nicht möglich. - Als Elemente der M. sind zu betrachten Strahlung, Wärme, Wind, Wassergehalt und Luftdruck der Atmosphäre, wie ihre Änderungen mit dem Orte und der Zeit. Von besonderer Bedeutung ist im Gegensatz zur Klimatologie für die M. die Erforschung der Luftdruckgesetze.

2. Allgemeine Organisation der Beobachtungsnetze. Erst nach Erfindung von Barometer und Thermometer und der so gegebenen Möglichkeit, die meteorologischen Elemente zu Messen, erhob sich die M. zu einer Wissenschaft, und vergleichbare zahlenmäßige Werte konnten ermittelt werden. Zahlreiche Privatpersonen übernahmen und übernehmen noch heute Meteorologische Stationen. Nach dem Umfang der von ihnen angestellten Beobachtungen sind hauptsächlich zu unterscheiden: a) Die Stationen IV. Ordnung messen ein- oder zweimal täglich den Niederschlag und beobachten zum Teil Gewitter, Donner, Wetterleuchten, Nebel, Dunst, Tau, Reif usw. - b) Die Stationen III. Ordnung bestimmen außerdem täglich die Temperaturextreme. - c) Die Stationen II. Ordnung bestimmen ferner dreimal täglich zu festgesetzten Stunden (Terminbeobachtungen, am besten um 7 a, 2 p, 9 p) Luftdruck, Temperatur, Feuchtigkeit, Wind und Bewölkung. - d) Die Stationen I. Ordnung verfolgen mit Hilfe von Registrierinstrumenten laufend den Gang von einer größeren oder kleineren Anzahl dieser Elemente. e) Die Landeszentrale sammelt, prüft und bearbeitet die von den Stationen eingehenden Beobachtungen. - Die Stationsgattungen sind nicht streng getrennt, sondern gehen mehr oder weniger ineinander über.

3. Organisation der Beobachtungsnetze in den deutschen Kolonien. Meteorologische Netze sind jetzt in sämtlichen deutschen Kolonien vorhanden. - a) Deutsch-Ostafrika. Etwa 50 Stationen I. bis III. Ordnung, etwa 350 Stationen IV. Ordnung unter der Leitung eines in Daressalam befindlichen Regierungsmeteorologen. - b) Togo. 14 Stationen II. Ordnung, etwa 30 Stationen IV. Ordnung unter der Leitung des zu Lome befindlichen ksl. Vermessungsamts der Kolonie Togo. - c) Kamerun. Etwa 20 Stationen höherer Ordnung und etwa 200 Regenmeßstationen, bis 1912 unter der Leitung der Ksl. Versuchsanstalt in Victoria, seitdem unter der Leitung eines Regierungsmeteorologen. - d) Deutsch-Südwestafrika. Etwa 20 Stationen höherer Ordnung und etwa 400 IV. Ordnung bis März 1914 unter der Leitung der in Windhuk befindlichen Ksl. Bergbehörde der Kolonie Deutsch-Südwestafrika, seit April 1914 unter der Leitung der am gleichen Ort befindlichen Ksl. Hauptwetterwarte. - e) Kiautschou-Gebiet. 1 Station I., 6 II. Ordnung unter der Leitung des Ksl. Observatoriums in Tsingtau (s. Kiautschou 18). f) Deutsche Schutzgebiete der Südsee außer Samoa. Etwa 40 Stationen, von denen nur einige Stationen I. bis III. Ordnung sind, zunächst noch unter der Leitung des RKA. in Berlin. g) Samoa. Etwa 30 Stationen, fast nur Regenmeßstationen, unter der Leitung des in Apia befindlichen Samoa-Observatoriums der Kgl. Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen.

4. Bearbeitung und Veröffentlichung der Beobachtungen. Die Beobachtungen der einzelnen Stationen gehen meist an die leitende Stelle in den Kolonien, werden dort geprüft und von den Stationen I. bis III. Ordnung der Deutschen Seewarte zu Hamburg, von den Stationen IV. Ordnung dem RKA. zur weiteren Bearbeitung und Veröffentlichung zugesandt. Dieselbe erfolgt in den "Deutschen überseeischen meteorologischen Beobachtungen" und den "Mitt. a. d. d. Schutzgeb.". Ferner werden die Regenmessungen vielfach in den Amtsblättern wie auch in einzelnen Zeitungen der Schutzgebiete veröffentlicht, die der Stationen IV. Ordnung aus Deutsch-Ostafrika sogar nur in diesen und als Beilage zum "Pflanzer". S. a. Aerologische Forschungsreise. Literatur: Hann, Lehrbuch der Meteorologie, 2. Aufl., Lpz. 1906. - Trabert, Meteorologie (in Sammlung Göschen), 3. Aufl., Lpz. 1909. - Mitt. a. d. d. Schutzgeb. - Deutsche Überseeische Meteorologische Beobachtungen. - Meteorologische Zeitschrift. - Der Pflanzer, hrsgb. vom landw. Institut zu Amani.

Heidke.