Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 558

Militäranwärter. Unteroffiziere, die eine bestimmte Zeit gedient haben oder für den Militärdienst nicht mehr tauglich sind, können unter bestimmten Voraussetzungen den Zivilversorgungsschein bzw. Anstellungsschein (nur für Unterbeamtenstellen gültig) erhalten oder haben Anspruch darauf. Die Inhaber des Zivilversorgungsscheins heißen M. §§ 15-17 des Mannschaftsversorgungs-G. vom 31. Mai 1906, RGBl. S. 593. Nach § 18 desselben Gesetzes sollen vorzugsweise mit M. oder Inhabern des Anstellungsscheins besetzt werden die mittleren, Kanzlei- und Unterbeamtenstellen bei den Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden, bei den Versicherungsanstalten für die Invalidenversicherung sowie bei den städtischen oder solchen Instituten, welche ganz oder zum Teil aus Mitteln des Reiches, Staates oder der Gemeinden unterhalten werden, jedoch mit Ausschluß des Forstdienstes. Die Besetzung erfolgt nach Maßgabe der vom Bundesrat festzusetzenden allgemeinen Grundsätze. Solche sind festgesetzt für die Besetzung der bezeichneten Stellen a) bei den Reichs- und Staatsbehörden; b) bei den Kommunalbehörden (Bek. vom 20. Juni 1907, RZBl. S. 317 und 345; Bek. v. 4. Mai 1914, RZBl. S. 282). Die Kolonialverwaltung hat nun dafür Sorge getragen, daß auch der Kolonialdienst unter bestimmten Voraussetzungen für die Erteilung des Zivilversorgungsscheins in Betracht kommt. Nach den Festsetzungen des Bundesrats kann nämlich der Zivilversorgungsschein erteilt werden ehemaligen Unteroffizieren, die nach mindestens sechsjährigem aktiven Dienste im Heere, in der Marine oder in den Schutztruppen bei der Zivilverwaltung in den deutschen Schutzgebieten im Polizei-, Grenz-, Zollaufsichts-, Stations-, Expeditions- oder Sanitätsdienst verwendet werden, wenn sie aus diesen Stellen wegen körperlicher Gebrechen als dienstunbrauchbar ausgeschieden sind oder unter Einrechnung der im Heere, in der Marine oder in den Schutztruppen zugebrachten Dienstzeit eine Gesamtdienstzeit von 12 Jahren zurückgelegt haben und wenn sie zum Beamten würdig und brauchbar erscheinen. Ein auf Grund dieser Bestimmungen ausgestellter Zivilversorgungsschein hat nicht nur für den Zivildienst bei den Reichsbehörden, den Staatsbehörden aller Bundesstaaten und den Kommunalbehörden usw. des Bundesstaats, dessen Staatsangehörigkeit der Zivilversorgungsberechtigte seit zwei Jahren besitzt, Gültigkeit, sondern sein Inhaber genießt auch gewisse Vorzüge bei der Reihenfolge der Einberufung. Die Ausstellung des Scheins erfolgt durch den RK. (RKA. oder RMA.). (§ 1 Ziff. 7 d. Grundsätze a.) Ist die Erteilung des Zivilversorgungsscheins an die aus Gesundheitsrücksichten ausgeschiedenen, in den aktiven Militärdienst nicht zurückübernommenen Unteroffiziere bestimmungsmäßig nicht angängig, so kann noch die Verleihung der Anstellungsberechtigung nach § 10 Ziff. 3 der Grundsätze oder durch Erlaß des Kaisers bzw. des Landesherrn für eine bestimmte Stelle oder für einen bestimmten Dienstzweig (§ 10 Ziff. 7 der Grundsätze a) in Betracht kommen. Der Bewerber hat in diesem Falle dem RKA. oder RMA. seine Wünsche auf eine solche bestimmte Stelle oder einen bestimmten Dienstzweig darzulegen. Wegen Anrechnung der Militärdienstzeit auf das Besoldungsdienstalter vgl. § 7 f d. BesoldG. vom 15. Juli 1909, RGBl. S. 573.

Literatur: Hahn u. Nienhaber, Grunds. für d. Bes. usw. Berl. 1905 (dürfte demnächst in neuer Aufl. erscheinen). - Jahrb. für Mil.-Anw. u. Kapitulanten 1914. Begr. von Nienhaber u. Gersbach. Pr. 2 M. Verl. d. Kameradschaft, Berl., Flottwellstr. 3. - Zeitschr. Die Zivilversorgung.

v. König.