Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 578 ff.

Missionsschulwesen. 1. Evangelisches M. 2. Katholisches M.

1. Evangelisches M. Das von den evangelischen Missionsgesellschaften unterhaltene Schulwesen für Eingeborene hatte Ende 1912 folgenden Bestand: Deutsch-Ostafrika. Universitätenmission: 142 Schulen mit 7380 Schülern. - Church Missionary Society: 135 Schulen mit 7175 Schülern. - Afrika Inland Mission: 7 Schulen mit 100 Schülern. - Bielefelder Mission: 82 Schulen mit 3468 Schülern (Seminar in Luandai zur Ausbildung eingeborener Lehrer). - Berliner Mission: 152 Schulen mit 6350 Schülern (Mittelschule und Seminar zur Ausbildung eingeborener Gehilfen in Kidugala mit 28 bzw. mit 13 Schülern, Suaheliseminar in Schlesien bei Morogoro, 1913 begründet). - Brüdergemeine: 167 Schulen mit 8927 Schülern. - Leipziger Mission: 87 Schulen mit 8270 Schülern. - Adventisten vom siebenten Tag: 43 Schulen mit 4300 Schülern. - Es bestehen demnach insgesamt in Deutsch-Ostafrika für Eingeborene 815 Schulen mit 45970 Schülern. - Außerdem unterhält die Berliner Mission die Karlsschule in Tandala, die 1912 von 15 europäischen Zöglingen besucht wurde. - Deutsch-Südwestafrika. Rheinische Mission: 56 Schulen, 2866 Schüler (darunter in Okahandja das Augustineum, eine Erziehungsanstalt für halbweiße Kinder mit ca. 50 Zöglingen und in Gaub eine Gehilfenschule mit 25 Zöglingen). - Finnische Mission: 39 Schulen, 2228 Schüler. - Es bestehen demnach insgesamt 95 Schulen mit 5094 Schülern. - Kamerun. Basler Mission: 319 Schulen, 17833 Schüler (darunter in Buea ein Lehrerseminar mit 60 Zöglingen; höhere Anstaltsschulen in Bonaberi mit 148, in Lobetal mit 145, in Buea mit 89 Zöglingen; Knabenanstalten in Bombe mit 65, in Mangamba mit 125, in Njasoso mit 50, in Sakbayeme mit 74, in Buea mit 65 Zöglingen; Mädchenanstalten in Bonaku mit 71, in Edea mit 60 Zöglingen). Um das Schulwesen in Kamerun hat sich Missionar B. Th. Christaller (gest. 1896) besondere Verdienste erworben. - Deutsche Baptisten: 57 Schulen, 3151 Schüler. - Amerikanische Presbyterianer: 97 Schulen, 6545 Schüler. - Es bestehen also insgesamt in Kamerun 473 Schulen mit 27529 Schülern. - Togo. Norddeutsche Missionsgesellschaft: 162 Schulen, 5643 Schüler (darunter in Amedzowe ein Seminar mit 86 Zöglingen). - Wesleyaner: 6 Schulen, 575 Schüler. - Die Gesamtzahl der Schulen in Togo ist also 168 mit 6218 Schülern. - Deutsch-Neuguinea. a) Kaiser-Wilhelmsland: Neuendettelsauer Mission: 32 Schulen, 1193 Schüler (darunter 2 Gehilfenschulen in Simbang und Logaueng mit zusammen 20 Seminaristen). - Rheinische Mission: 10 Schulen, 466 Schüler. - b) Bismarckarchipel. Australische Methodisten: 203 Schulen, 5748 Schüler (darunter 1 College d. h. 1 Seminar, 6 Training institutions d. h. Seminarvorschulen mit 172 Zöglingen, 3 Boardingsschools d. h. Kostschulen mit 172 Schülern). c) Karolinen. American Board: 27 Schulen, 1619 Schüler (darunter 2 Boardings schools mit 60 Zöglingen). - Liebenzeller Mission: 39 Schulen mit 2028 Schülern. - In Deutsch-Neuguinea bestehen also insgesamt 311 Schulen mit 11054 Schülern. - Samoa. Londoner Mission: 168 Schulen, 6843 Schüler. - Australische Methodisten: 69 Schulen, 1696 Schüler. - Auf Samoa leitet also die Evangelische Mission insgesamt 231 Schulen mit 8593 Schülern. - Kiautschou. Berliner Mission: 34 Schulen, 650 Schüler. Allgemeiner Evangelisch-Protestantischer Missionsverein: 5 Schulen, 300 Schüler (darunter in Tsingtau ein Seminar mit 160 Zöglingen und eine höhere Mädchenschule mit 80 Schülerinnen). - Amerikanische Presbyterianer: 17 Schulen mit 381 Schülern. - Das Schulsystem der evangelischen Mission umfaßt mithin 56 Schulen mit 1331 Schülern. - Die Zusammenstellung der Schulstatistik der einzelnen Kolonien ergibt, daß seitens der evangelischen Missionsgesellschaften im Jahre 1912/1913 2069 Schulen unterhalten werden, die von 103473 Schülern besucht werden. Die Schulen sind ganz überwiegend Elementarschulen, die sog. Sonntagsschulen (Sunday-schools) englischer Gesellschaften sind nicht berücksichtigt worden. Die Bedeutung dieser Ziffern erhellt aus der Vergleichung mit dem Schulwesen für Eingeborene, das die Kolonialregierung und die Katholische Mission unterhalten. S. Schulen. Mirbt.

2. Katholisches Missionsschulwesen (s. Tafel 137). Das Schulwesen der katholischen Mission in den deutschen Schutzgebieten für Eingeborene stellt sich Ende 1912 folgendermaßen dar: Deutsch-Ostafrika. Benediktiner von St. Ottilien: 174 Schulen mit 12206 Schülern. Väter vom heiligen Geist: 334 Schulen mit 26 438 Schülern (außerdem 2 Katechetenschulen zur Ausbildung einheimischer Gehilfen). - Die Weißen Väter: 294 Schulen mit 16431 Schülern (darunter 1 Mittelschule zu Bukoba und 2 Seminare zur Heranbildung einheimischer Lehrer und Priester in Rubia und Karema mit 156 Schülern). - Die Gesamtzahl der Eingeborenenschulen in Deutsch- Ostafrika wäre also 804 mit 55065 Schülern. - Deutsch-Südwestafrika. Hünfelder Oblaten: 27 Schulen mit 559 Schülern (darunter 1 Katechetenschule mit 12, 1 höhere Mädchenschule. in Groß-Windhuk mit 38 Schülerinnen und 1 Bastardheim mit 63 Zöglingen in Klein- Windhuk). Wiener Oblaten: 6 Schulen mit ca. 200 Schülern (darunter 1 Katechetenschule in Heirachabis). - Die Gesamtzahl der Eingeborenenschulen in Deutsch-Südwestafrika ist also 33 mit 779 Schülern. - Außerdem unterhalten die Hünfelder Oblaten 9 Europäerschulen mit 86 Kindern. - Kamerun. Deutsche Pallottiner aus Limburg: 157 Schulen mit 12521 Schülern (darunter 1 Lehrerseminar für Eingeborene mit 70 Schülern). - Väter vom heiligen Geist: 1 Schule mit 70 Schülern. - Die Gesamtzahl der Eingeborenenschulen in Kamerun beträgt also 158 mit 12591 Schülern. - Togo. Steyler Missionare: 185 Schulen mit 7539 Schülern (darunter 1 Lehrerseminar für Eingeborene in Gbin-Bla mit 42 und 1 Fortbildungsschule in Lome mit 18 Schülern). Die Gesamtzahl ist damit gegeben für Togo. - Deutsch-Neuguinea. a) Kaiser- Wilhelmsland. Steyler Missionare: 27 Schulen mit 1550 Schülern (darunter die Zentralschule in St. Michael mit 127 Kindern verschiedenster Stämme und Sprachen und 1 Katechetenschule in St. Michael mit 12 Seminaristen). - b) Bismarckarchipel. Hiltruper Genossenschaft vom heiligsten Herzen: 135 Schulen mit 4825 Schülern (darunter 3 Seminarien zur Heranbildung einheimischer Lehrer mit 68 Schülern und 1 Mischlingsschule mit 59 Zöglingen. 18 Schulen sind zugleich Internate). - c) Karolinen und Marianen. Deutsche Kapuziner: ca. 27 Schulen mit 1434 Schülern (darunter 6 Internate und 1 Gemeindeschule mit 75 Schülern). Deutsch-Neuguinea zählt also insgesamt 189 Schulen mit 7759 Eingeborenenkindern. Marshallinseln. Hiltruper Genossenschaft: 12 Schulen mit 252 Schülern (darunter 8 Internate und 1 Deutschschule für Externe in Jaluit mit 25 Schülern). - Nordsalomoninseln. Missionare der Gesellschaft Mariens: 12 Schulen mit 443 Schülern (meist Internate). - Samoa. Missionare der Gesellschaft Mariens: 108 Schulen mit 1945 Schülern (darunter 11 Höhere Schulen und 1 Katechistenseminar in Maomao mit 30 Schülern. - Kiautschou (umfassend Pachtgebiet und Interessensphäre). Steyler Missionare: 128 Schulen mit 2300 Schülern (darunter Fallen: 1 höheres Seminar mit 89, 6 Schulen zur Heranbildung einheimischen Lehrpersonals beiderlei Geschlechtes mit 231 Schülern, 11 höhere Schulen für Knaben (6) und Mädchen (5) mit 676 Schülern, 1 Mädchenpensionat mit 93 Schülerinnen, sowie 109 Volksschulen mit 12 Kindern. Nicht miteingerechnet sind Gebets- und Winterschulen mit 5167 Kindern). Ziehen wir die einzelnen Zahlen zu einer Gesamtstatistik über die von der katholischen Mission in den deutschen Schutzgebieten unterhaltenen Eingeborenenschulen zusammen, so ergeben sich 1629 Schulen mit 88673 Besuchern. Diese Schulen sind selbstverständlich der großen Mehrzahl nach Elementarschulen. Höhere Schulen sind in Klammern überall angegeben worden. Handwerks-, Haushalts-, Sonntagsschulen u.a. sind nicht berücksichtigt worden. Vgl. zur Übersicht die Regierungs- und evangelischen Missionsschulen.

Schmidlin.

Literatur: Zu 1: C. Mirbt, Mission und Kolonialpolitik in den deutschen Schutzgebieten. Tübing. 1910, 122 -158. - v. König, Die Eingeborenenschulen in den deutschen Kolonien Afrikas und der Südsee: Koloniale Rundschau 1912, 257-268, 405-417, 529-543, 616-624, 721-733. - L. Weichert, Das Schulwesen deutscher evangelischer -Missionsgesellschaften in den deutschen Kolonien. Berl. 1914. M. Schlunk, Das Schulwesen in den deutschen Schutzgebieten. Hamb. 1914. - Ders., Die Schulen für Eingeborene in den deutschen Schutzgebieten (Abhandlungen des Hamburgischen Kolonialinstituts Band XVIII). Hamb. 1914. - Zu 2: Schmidlin, Die Kath. Missionen in den deutschen Schutzgebieten. Münster 1913. S. Schulwesen unter den einzelnen Gebieten. - Henninghaus, Neujahrsgruß an unsere Freunde und Wohltäter. Aus d. Mission Süd-Schantung 1914, S. 8 u. 12-17.