Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 584 f

Mlagarassi, der wichtigste Zufluß des Tanganjika (s.d.) in Deutsch-Ostafrika. Nur 13 km vom See und 82 km von der eigenen Mündung entspringend, ist sein rund 540 km langer Lauf ungemein gekrümmt. Der Fluß entspringt in etwa 1500 m Mh. und fließt nach NO durch gebirgiges Land. Wo er nach SO umbiegt, mündet von NO der Lumpungu mit tektonisch bedingter Richtung. Der M. erreicht die zentrale Hochfläche von D.-O., fließt an ihrer Grenze südwärts mit geringem Gefälle auf seinen Alluvien. Etwa in 1070 m Mh. wendet er sich nach W und tritt wieder in den Gebirgsrand ein, der den Tanganjika ostwärts begrenzt. Diese Laufstrecke ist jugendlich, tief eingeschnitten, erst durch den überlagernden, nach W sanft einfallenden Sandstein bis in den Gneisgranit hinein; schließlich verläuft die Talsohle im Sandstein selbst zur Mündung (Aufbau s. Tanganjika). Unter den Schnellen und Fällen sind die 18 m hohen von Goma-Itale die größten. Der bedeutendste Nebenfluß auf dieser Strecke ist der Rutschugi (nahe seiner Mündung früher der R.- Posten); wo er sich mit dem M. vereinigt, entspringen in den Betten beider etwa 16 Soolquellen, deren eine durch die Saline Gottorp der Centralafrikanischen Seengesellschaft (s. d.) erfolgreich ausgebeutet wird (s.a. Salz). Nur in den obersten Teilen seines Laufes, dann wieder in dem unteren von O nach W verlaufenden, fährt der M. das ganze Jahr hindurch reichlich Wasser. Sein mittlerer Lauf fällt ebenso trocken, wie die beiden langen, dem M. tributären Flüsse, der (Nkurulu-)Ugala und der Gombe-Mkombo sowie ihre zahlreichen Nebenflüsse. Sie allesamt fließen mit ganz geringem Gefälle auf der Hochfläche dahin, vielfach mäandrierend, von Sümpfen begleitet oder unterbrochen. Besonders ausgedehnt ist in der Regenzeit das Sumpfgebiet nördlich der Zentralbahn zwischen 31° und 31° 30' ö. L. Der Ugala, der vor der Mündung den Namen Sindi annimmt, ist rund 580 km lang, mit dem Unterlauf des M. 715 km. Während das Stromgebiet des M. selbst nur 23 100 qkm groß ist, steigt es einschließlich der Nebenflüsse auf 124800 qkm, reicht dicht an das S-Ufer des Victoriasees, ostwärts bis über 34° ö. L. hinaus.

Literatur: (H.) Fonck, Über eine Erforschung des Mlgarassiflusses, Kolbl. 1897 - F. Tornau, Zur Geologie d. mittleren und w. Teiles von D.-O., Beitr. z. geol. Erforsch. d. d. Schutzgeb., H. 6. Berl. 1913.

Uhlig.