Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 591

Morogoro, früher Mrogoro geschrieben, ein Ort und Verwaltungsbezirk in Deutsch-Ostafrika.

1. Der Ort M. liegt am Nordhang des Uluguru- (s.d.) Gebirges in der Landschaft Ukami (s d.) 520 m ü. d. M. bei Kilometer 209 der Zentralbahn (s. Eisenbahnen I b). Die Lage ist hübsch, zumal durch den Hintergrund, die hohen Berge. Diese geben etwas Regenschatten, so daß M. im Jahre nur 1109 mm Niederschlag (siebenjähriges Mittel) hat. Die Regenpause zu Beginn des Jahres ist oft undeutlich, die Lage des wärmsten Monats unsicher: wir sind auf der Grenze zwischen Monsun- und kontinentalem Passatklima. Seit 1904 das Bezirksamt von Kilossa nach M. verlegt wurde, noch mehr seit die 1905-1907 gebaute Bahnstrecke M. mit Daressalam verband, ist es kräftig gewachsen. 1913 hatte M. ungefähr 3000 Einwohner, darunter etwa 60 Europäer. 1918 hatten 26 europäische und etwa 35 indische Firmen ihren Sitz in M., das Post, Telegraphen und Ortsfernsprechnetz besitzt. M. ist ferner Fruchtkulturstation, begründet 1910: Anzucht von Obstbäumen, Abgabe von Saat und Pflänzlingen an Europäer und Eingeborene. Weißes Personal: 1 Leiter.

2. Der Bezirk M. ist 30800 qkm groß, umfaßt die Landschaften Kutu, Uluguru, die größere Hälfte von Ukami, SW-Usigua nebst Mkata- Senke, die größten Teile von Ussagara und Kaguru (s.d.). Bezirksnebenstellen liegen in den Orten Kilossa (s.d.) und Kissaki (s.d.). Die Polizeitruppe besteht aus 4 Europäern und 108 Farbigen. Die eingeborene Bevölkerung wurde Anfang 1913 auf 158400, die nichteinheimische Farbige auf 601, die weiße auf 278 Köpfe berechnet; das ergibt die Dichte von etwas über 5, gering für Fruchtbarkeit und Lage des Bezirks. M. hat, abgesehen von Kaguru (s.o.), wenig Vieh. 1911 wurden insgesamt im Besitz der Eingeborenen 12610 Rinder, 77 790 Ziegen und Schafe, 240 Esel gezählt. In 27 europäischen Betrieben gab es 325 Rinder, 658 Stück Kleinvieh, 484 Schweine, 109 Esel und Maultiere. Die Zentralbahn gab Anstoß zur Anlage vieler Pflanzungen. Die so bebaute Fläche war 1908 14,4 qkm groß, das Gesamtareal der Plantagen betrug 359,6 qkm. 1909/12 wurden 27 Landverkäufe mit 124,4 und 29 Verpachtungen mit 141,3 qkm vom Gouvernement genehmigt. Baumwolle, Sisal, Manihot-Kautschuk, Kaffee werden hauptsächlich gepflanzt. 11 Pflanzungsgesellschaften, 35 einzelne Pflanzer sind 1913 im Bezirk tätig. Das wirkt natürlich auch auf den Kleinhandel. 1913 gab es 36 weiße und etwa 94 indische Handelsfirmen, wozu noch eine Anzahl von eingeborenen kamen.

Uhlig.