Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 593

Moschi, Ort, Bahnstation und Verwaltungsbezirk in Deutsch-Ostafrika. - 1. Der Ort M. liegt gut 300m über der den Berg umgebenden Steppe an seinem Südhang auf ziemlich steilabfallendem Boden (Historisches s. Kilimandscharo). Am obern Ende des Ortes, auf 1150 m Mh. liegt die Boma (s.d.), einst Militärstation, dann Bezirksamt. Das Klima ist gesund (Regenmenge s. Kilimandscharo, Verteilung über das Jahr, Temperaturen usw. s. Deutsch-Ostafrika 4, Tabellen). M. ist Sitz einer Forstverwaltung, hat Vermessungsbureau, Post und Telegraph, Gasthof; es befinden sich hier etwa 12 Kaufläden. 1910 hatte der Ort ungefähr 800 Einwohner. Wie sich die Zukunft des Ortes unter dem Einfluß der benachbarten Bahnstation gestalten wird, ist noch unklar. M. soll Sitz des Bezirksgerichts werden. - 2. Die Bahnstation M. wird auch Neu-M. genannt; sie liegt in Luftlinie gut 6 km unterhalb des vorigen Ortes M. und blüht, zumal als neuer Amtssitz und bisheriger Endpunkt, künftiger Ausgangspunkt für die Verlängerung der Usambarabahn (s. Eisenbahnen 1 a) mächtig auf. Aber M. liegt mit 810 m Mh. in quellenreicher Gegend, in der Nachbarschaft des sumpfigen Rauwaldes vorläufig wenig gesund. Doch haben sich bereits eine größere Zahl von Firmen hier niedergelassen. - 3. Der Bezirk M. umfaßte bisher außer dem Gebiet des Kilimandscharo den Meru und weite Gebiete im W. Seit der Erhebung der Nebenstelle Aruscha (s.d.) zum Bezirksamt am 1. April 1913 ist das Gebiet von M. nur noch 10700 qkm groß; es umfaßt außer dem Kilimandscharo (s.d.), der südwärts an ihn grenzenden Steppe sowie der Massaisteppe (s.d.) bis zu 4° s. Br. auch den größten Teil von Nord-Pare (s. Pare). Die Einwohnerzahl von M. betrug an Eingeborenen Anfang 1913 118300, dazu kamen 343 nichteinheimische Farbige und 467 Weiße, fast so viel wie in Aruscha (vgl. auch Gau Engare Nairobi, unter Kilimandscharo). Auf die ganze Fläche berechnet ist die Volksdichte etwas über 11. Der Verwaltung dient eine farbige Polizeitruppe von 100 Mann. M. 3. hat 12 Missionsstationen. Pflanzungsgesellschaften spielen keine Rolle, wohl aber hat 1913 M. 86 selbständige Ansiedler, darunter 29 Griechen; dazu kommen einige europäische Kaufleute, die allerdings meist nebenbei auch noch als Farmer tätig sind und wenige indische Firmen. Die amtlichen Angaben über die Gesamtgröße des in der Hand der Weißen befindlichen Landbesitzes sind nicht ganz vollständig. 1909 dürften in M. 126 qkm, in Aruscha 327 qkm an Ansiedler verpachtet und verkauft gewesen sein. 1910/12 wurden in M. und Aruscha zusammen vom Gouvernement in 63 Fällen 144 qkm Landes verkauft, in 137 Fällen 693 qkm verpachtet (angebaute Gewächse s. Kilimandscharo und Meru). Anfang 1913 wurden im Besitz der Eingeborenen in M. 103340 Rinder und 155 510 Stück Kleinvieh, 500 Esel geschätzt; die Europäer besaßen in M. in 58 Betrieben 4118 Rinder, 6881 Schafe (davon fast 1/3 Kreuzungen mit importierten Wollschafen), 1315 Ziegen, 329 Schweine, 159 Esel, 25 Pferde, 29 Maultiere, 22 Strauße. - Der früher recht bedeutende Auslandshandel des Bezirks über die britische Grenze nach Taveta und Voi, der Station der Ugandabahn (s.d.) hatte schon während des Baus der Bahn nach M. sehr abgenommen. 1912 betrug die Einfuhr über M. 253000, die Ausfuhr 43000 M.

Literatur: S. Kilimandscharo, ferner: H. Adolphi, Am Fuße der Bergriesen Ostafrikas, Lpz. 1902 (ev. Mission!).

Uhlig.