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Moschi, Ort, Bahnstation und Verwaltungsbezirk in Deutsch-Ostafrika.
- 1. Der Ort M. liegt gut 300m über der den Berg umgebenden Steppe an seinem Südhang auf ziemlich
steilabfallendem
Boden (Historisches s. Kilimandscharo). Am obern Ende des Ortes, auf
1150
m Mh. liegt die Boma (s.d.), einst
Militärstation,
dann Bezirksamt. Das Klima ist gesund (Regenmenge s. Kilimandscharo,
Verteilung
über das Jahr, Temperaturen usw. s. Deutsch-Ostafrika
4, Tabellen). M. ist Sitz einer Forstverwaltung, hat Vermessungsbureau,
Post und Telegraph, Gasthof; es befinden sich hier etwa 12 Kaufläden.
1910 hatte der Ort ungefähr 800 Einwohner. Wie sich die Zukunft des
Ortes
unter dem Einfluß der benachbarten Bahnstation gestalten wird, ist noch
unklar. M. soll Sitz des Bezirksgerichts werden. - 2. Die Bahnstation
M. wird auch Neu-M. genannt; sie liegt in Luftlinie gut 6 km unterhalb
des vorigen Ortes M. und blüht, zumal als neuer Amtssitz und bisheriger
Endpunkt, künftiger Ausgangspunkt für die Verlängerung der Usambarabahn (s. Eisenbahnen 1 a) mächtig auf. Aber M. liegt mit
810 m Mh. in quellenreicher Gegend, in der Nachbarschaft des sumpfigen
Rauwaldes vorläufig wenig gesund. Doch haben sich bereits eine größere
Zahl von Firmen hier niedergelassen. - 3. Der Bezirk M. umfaßte bisher
außer dem Gebiet des Kilimandscharo den Meru und weite Gebiete im W.
Seit
der Erhebung der Nebenstelle Aruscha
(s.d.)
zum Bezirksamt am 1. April 1913 ist das Gebiet von M. nur noch 10700 qkm
groß; es umfaßt außer dem Kilimandscharo (s.d.), der südwärts an ihn
grenzenden
Steppe sowie der Massaisteppe (s.d.) bis zu 4° s. Br. auch den
größten Teil von Nord-Pare (s. Pare). Die
Einwohnerzahl von M. betrug an Eingeborenen Anfang 1913 118300, dazu
kamen
343 nichteinheimische Farbige und 467
Weiße, fast so viel wie in Aruscha (vgl. auch Gau Engare
Nairobi, unter Kilimandscharo). Auf die ganze Fläche berechnet ist
die Volksdichte etwas über 11. Der Verwaltung
dient eine farbige Polizeitruppe von 100 Mann. M. 3. hat 12
Missionsstationen.
Pflanzungsgesellschaften spielen keine Rolle, wohl aber hat 1913 M. 86
selbständige Ansiedler, darunter 29 Griechen; dazu kommen einige
europäische
Kaufleute, die allerdings meist nebenbei auch noch als Farmer tätig sind
und wenige indische Firmen. Die amtlichen Angaben über die Gesamtgröße
des in der Hand der Weißen befindlichen Landbesitzes sind nicht ganz
vollständig.
1909 dürften in M. 126 qkm, in Aruscha 327 qkm an Ansiedler verpachtet
und verkauft gewesen sein. 1910/12 wurden in M. und Aruscha zusammen vom
Gouvernement in 63 Fällen 144 qkm
Landes verkauft, in 137 Fällen 693 qkm verpachtet (angebaute Gewächse
s. Kilimandscharo und Meru). Anfang 1913 wurden im Besitz der Eingeborenen
in M. 103340 Rinder und 155 510 Stück Kleinvieh, 500 Esel
geschätzt; die Europäer besaßen in M. in 58 Betrieben 4118 Rinder, 6881
Schafe (davon fast 1/3 Kreuzungen mit importierten
Wollschafen), 1315 Ziegen, 329 Schweine,
159 Esel, 25 Pferde, 29 Maultiere, 22 Strauße. - Der früher recht bedeutende
Auslandshandel
des Bezirks über die britische Grenze nach Taveta und Voi, der
Station
der Ugandabahn (s.d.) hatte schon
während
des Baus der Bahn nach M. sehr abgenommen. 1912 betrug die Einfuhr über
M. 253000, die Ausfuhr 43000 M.
Literatur: S. Kilimandscharo, ferner: H. Adolphi, Am Fuße der
Bergriesen
Ostafrikas, Lpz. 1902 (ev. Mission!).
Uhlig. |