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Muansa, wichtigster Ort an der deutschen Südhälfte des Victoriasees
(s.d.) in Deutsch-Ostafrika, zugleich Name, des großen Bezirks, der O-
und S-Ufer des Sees umspannt.
1. Der große M.-Golf erstreckt sich vom See mit
durchschnittlich
5 km Breite 40 km südwärts, um sich dann noch in die 15-20 km langen
Zipfel
des Smithsundes (nach SW) und des Stuhlmannsundes (nach SO) zu
verzweigen.
In einer kleinen, noch durch Inseln geschützten, östlichen Seitenbucht
des M.-Golfes liegt der Ort M. im gleichnamigen Gau von Ussukuma (s.
d.).
Die Bucht hat noch 11 m Tiefe; auch die großen britischen Dampfer (s.
Victoriasee) legen seit 1906 am Pier von M. an. Der große Ort M. ist nur
wenige m über dem 1134 m hohen Seespiegel auf kleiner Alluvialebene
gelegen.
Hochragende Felshügel bilden einen auffallenden Zug des
Landschaftsbildes.
Der rosafarbene Granit (nicht Gneis)
verwittert, zumal unter dem Einfluß der tropischen Sonne, in Formen, die
oft gewaltigen Rundhöckern bepackt mit Wollsäcken gleichen. An anderen
Stellen wirrt ein Durcheinander von Blöcken, über das einzelne gewaltige
Felsnadeln, Menhirs ähnelnd, emporragen (s. Tafel 196). Das Klima
ist äquatorial (s.Deutsch- Ostafrika 4). Die Regenmenge beträgt 1001 mm
(10jähr. Mittel). Dank eifriger Sanierungsarbeiten ist der Ort jetzt
ziemlich
gesund. Seit die Ugandabahn (s. d.) 1903 vollendet war, ist M. aus
kleinen
Anfängen 1913 eine Stadt von etwa 6000 Einwohnern geworden. Es ist das
Tor des zentralen Hochlandes nach dem Indischen Ozean. 1913 hatte M.
etwa
85 weiße Einwohner, 15 Goanesen, 300 andere Inder, 70 Araber. Es
gab 12 (4 größere) europäische, etwa 50 indische und 20 andere Farbige
Firmen, durchweg Handelsunternehmungen. Im Außenhandel stand M. bis 1911 in Deutsch-
Ostafrika
nur unter Daressalam und Tanga; 1912 wurde
es von Bukoba (s.d.) überholt. Der Wert
der Einfuhr war 1910 3,273, der der
Ausfuhr
2,959 Mill. M; die Zahlen für 1912 sind 2,434 und 2,941. Bedeutend ist
die Ausfuhr von Häuten (etwa 1 Mill. M), Erdnüssen (etwa 3000 t i. W.
von 600000 M), Baumwolle (370 t i. W. von 370000 M), Gold
von Sekenke (s.d., etwa 350000 M), Reis (fast 200 000 M), Samli (s.d., etwa 175 000 M), Wachs, Sesam. Bei der
Einfuhr waren Textilwaren mit 1582, Metallfabrikate mit 0,382 Mill. M.
Der Verkehr von und nach Sekenke geht seit Vollendung der Eisenbahn
Daressalam-Tabora
(Mitte 1912) nicht mehr über M. M. ist Sitz eines Bezirksamts,
Bezirksgerichts,
Zollamts, Post, Telegraphen (Draht über Tabora), drahtlosen Verkehr mit Bukoba und Daressalam, Heliographenverkehr mit Schirati und
lkoma. Zwei der drei Züge der 14. Kompagnie der Schutztruppe liegen hier
in einem Fort auf beherrschendem Hügel (s. Tafel 91). Ferner hat M. 85
Mann Polizeitruppe.
2. Der Bezirk M. ist mit 63800 qkm, wozu ungefähr 30000 qkm
Seefläche
kommen, einer der großen Bezirke von Deutsch-Ostafrika, er umschließt den
größten
Teil von Ussukuma, die größere, östliche Hälfte von Usindscha, Uschaschi, den deutschen südlichen
Teil
von Ugaia, ferner die ganz dünn bewohnten
Landschaften der Hochländer im O bis zu einer Linie etwa 70 km w. von
der Ostafrikanischen Bruchstufe; dazu kommen viele Inseln des
Victoriasees:
die größten sind Ukerewe, Luwondo, Kome, Meissome und Ukara
(s. alle diese). Die Zahl der Eingeborenen erreichte Anfang 1914 nach
sorgfältigen Schätzungen 625000. Zwei Drittel davon entfallen auf die
Wassukuma (s.d.). Weitere hier zahlreich
vertretene
Stämme sind die Wassindja (s.d.), Wakerewe
(s.d.), Waschaschi (s.d.), Waruri, Bakulia;
dazu
kommen noch kleinere Gruppen der hauptsächlich in Tabora (s.d.)
beheimateten
Stämme, schließlich die Wandorobbo (s.d.) im O. des Bezirks. Die
Volksdichte
von M. ist 9,9; für die Gebiete in gegen 100 km breitem Streifen um den
See ist sie doppelt so groß. M. hatte Anfang 1913 783 nicht einheimische
Farbige und 231 Weiße. 1908 waren in M. 17,4 qkm an Plantagen- und
Farmland
vergeben, 1909/12 wurden 2,9 qkm vom Gouvernement verkauft, 29,6 qkm verpachtet.
Der Viehstand wurde 1913 zu 1080900 Rindern ermittelt, wozu 1171970
Stück
Kleinvieh, 1520 Esel
kommen. Im Besitz der Europäer waren 3441 Rinder,
907 Schafe, 591 Ziegen und einiges andere
Vieh. Die 6 Farmbetriebe (1913) beschäftigten sich mit Viehzucht, etwas Sisal- mehr Baumwollbau. Viel wichtiger waren die Eingeborenenkulturen der Baumwolle (s.o.), die vom Bezirksamt seit langem
planmäßig gefördert wurden; bei weitem der größte Teil der 650 t = 2600
Ballen, die 1913 aus dem Bezirk ausgeführt wurden, rührt hierher. Auch
die 5700 t Erdnüsse, 458 t Sesam und 995 t geschälter Reis
der Ausfuhr des Jahres 1913 wurden in Eingeborenenkulturen erzeugt. -
Bezirksnebenstellen in M. sind Ikoma (s.d.) und Musoma (s.d.), in einer Hinsicht auch Schirati (s.d.). - Die menschenarmen,
hochgelegenen,
gesunden Gebiete im ferneren Osten von M. (s. Ikoma), ebenso die
benachbarten
Teile des Bezirks Aruscha (s.d., Iraku
und Ostafrikanische Bruchstufe),
würden
sich ausgezeichnet zur Besiedelung durch Europäer eignen, wenn diese
Gegenden
erst durch Fortführung der Nordbahn (s.
Usambarabahn) an den Verkehr
angeschlossen
wären. Einschließlich einiger Gebiete im Bezirk Kondoa-Irangi (s.d.) handelt es sich um etwa
40000 qkm besiedelbaren Landes. Hier könnten vermutlich 10000 Europäer
leben. - Die mittleren und südlichen Teile des Bezirks M. werden von der
kommenden Ruandabahn (s.d. und Kagera)
so, wie sie bisher geplant ist, überhaupt nicht berührt werden. So
erscheint
die Verlängerung der Nordbahn zum Victoriasee
doppelt wünschenswert. Ohne sie bleibt M. doch beim Wirtschaftsgebiet
der Ugandabahn (s.d.). - Neuerdings hat sich die
Zahl
der Goldfunde in M. sehr gemehrt. Vielleicht werden sie noch einmal
größeren
Einfluß auf die Entwicklung des Bezirks gewinnen (s. Ikoma, Majita, Ngasamo, Ungruimi, Uschaschi; Sekenke (s.d.) gehört nicht zu M.).
Literatur: Deutsch-Ostafrika als Siedelungsgebiet für Europäer.
Bericht
. . . des . . . Dr. v. Lindequist,
Schr. d. Vereins f. Sozialpol. 147, 1912. - S. ferner unter Ussukuma
u. Victoriasee.
Uhlig. |